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#1

Dritte Stunde: Ernährung

in Aus der Welt der Wissenschaft 01.01.2017 10:28
von franzpeter | 9.008 Beiträge

Dritte Stunde: Ernährung
Lange wurde über Agrarminister Schmidt gesagt, er wisse nicht, was er eigentlich wolle. Jetzt hat er einen Plan vorgestellt: Mit Lehrern, Tierwohl - und Start-Ups.
30.12.2016, von Jan Grossarth


Die Ernährungsbildung in Deutschland muss neu gedacht werden, wenn es nach Agrarminister Schmidt geht.
Immer deutlicher sagt die Union, dass Ernährungsbildung zum Fach an staatlichen Schulen werden soll. Zuletzt gab es entsprechende Forderungen aus Landesverbänden der CDU wie aus Westfalen und Niedersachsen, und seit Freitag steht das auch in einem lange erwarteten Papier, das Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) in Berlin vorgestellt hat. „Wir müssen die Ernährungsbildung in Deutschland neu denken“, steht in dem sogenannten Grünbuch, dass Wege in die Landwirtschaft des Jahres 2030 aufzeigen soll. „Die Ernährungsbildung – perspektivisch mit einem Schulfach Ernährung – soll deshalb fest im deutschen Bildungssystem verankert werden“, heißt es da.


Autor: Jan Grossarth, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
Folgen:

Beobachter hatten über Schmidt als Agrarminister gesagt, er wisse nicht, was er mit Landwirtschaft anfangen solle. Er wirke so, als habe er keinen rechten Bezug zu den Themen, wirke wie ein Getriebener der Grünen, die eine Agrarwende hin zum Ökolandbau wollen. Das Ministerium sagte dann: Bald werde Schmidt sein Grünbuch vorlegen. Nun ist es da.

Und die Richtung ist klar: Hinsichtlich der Ziele gibt es Ähnlichkeiten zu den Grünen – eine breitere Auffassung von Landwirtschaft, vom Essen als Kulturgut, von Bewahrerin der Kulturlandschaft, mehr Ökolandwirtschaft. Der Weg dahin soll aber ein anderer sein. Nicht durch Verbote, sondern bessere Aufklärung der Verbraucher sollen diese ein Bewusstsein für die Qualität von Lebensmitteln erhalten, scheint Schmidt zu hoffen.

Die Grünen sehen keinen großen Wurf
Das Papier enthält die Ankündigung eines staatlichen Tierwohllabels. Das soll künftig auf Lebensmittelverpackungen stehen. Ein bestehendes vom Deutschen Tierschutzbund und Schlachtunternehmen PHW (Wiesenhof) und Vion hatte sich in der Vergangenheit nur langsam verbreitet, weil diese Fleischprodukte Verbrauchern offenbar zu teuer waren.

Nun soll es der Staat versuchen: künftig soll es eine Kennzeichnung auf Fleischprodukten geben, mit der Fleisch aus tiergerechteren Mastanlagen in mehreren Stufen positiv kennzeichnen wird. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes Thomas Schröder lobte Schmidts Vorhaben, äußerte aber den Verdacht, es handle sich um eine „Redevorlage für den anstehenden Wahlkampf“. Es verwundere ihn, dass der Minister seinen Fahrplan erst nach mehr als dreijähriger Amtszeit vorlege.
Auch das Amt eines „nationalen Tierwohlbeauftragten“ will Schmidt schaffen: „Deutschland wird Vorreiter beim Tierwohl.“ Die Grünen blieben skeptisch. Das Grünbuch sei eine „Papierflut“, kein „großer Wurf“, sagte der agrarpolitische Fraktionssprecher Friedrich Ostendorff.
Ein Ministerium für „ländlichen Raum“
Offenbar stellt sich die Union eine zweigleisige Landwirtschaft vor. Das Papier betont die Notwendigkeit von moderner Zuchttechnik und Ertragssteigerungen einerseits, weil die Bevölkerung auf der Welt wachse und Agrarexporte somit auch „friedenssichernd“ sein. Andererseits wird im Grünbuch betont, welcher Verlust von Artenvielfalt, aber auch landwirtschaftlicher Kultur schon zu beklagen sei. Es enthält daher etwa die Ankündigungen, Start-Ups im ländlichen Raum zu fördern, die „handwerkliche“ Nahrungsmittel erzeugten. Der finanzielle „Stadt-Land-Gegensatz“ müsse „aufgelöst werden“, heißt es, das „ernährungsbezogene Handwerk“ könne wesentlich beitragen.
 
Die Digitalisierung kann es erleichtern, dass auch kleinere Erzeuger und Verarbeiter von Lebensmitteln ihre Produkte in die Städte vermarkten – über eine App, statt den stark oligopolisierten Handel mit wenigen marktbeherrschenden Ketten Rewe, Aldi, Lidl und Edeka. So kündigt Schmidt an, mehr Steuergeld für Förderung solcher Gründer in die Hand nehmen zu wollen: „So wollen wir junge Menschen in ländlichen Räumen halten. Digitalisierung sei eine Chance fürs Land. Das Agrarministerium solle auch namentlich eines für „ländlichen Raum“ werden.


„Landgrabbing“ nicht die Idealvorstellung
Auch die EU-Subventionen will Schmidt umlenken: er will anteilig mehr Geld für junge Landwirte und Viehhalter. Die EU solle auch weniger an Investoren auszahlen: „Die Direktzahlungen sollen primär den Familienbetrieben zugutekommen, nicht außerlandwirtschaftlichen Investoren“, heißt es in dem Papier. Genaue Vorschläge, wann und wie das erreicht werden soll, enthält es nicht.

Tierhalter sollten deshalb stärker als bisher berücksichtigt werden, weil sie volatilere Preise als andere zu verkraften hätten. So schwankten die Erzeugerpreise für Milch in den vergangenen Jahren stark um bis zu 100 Prozent. Bislang wird der Großteil des EU-Gelds als Flächenprämie Landwirten gezahlt, die Getreide anbauen oder Weidetiere halten. Die EU-Agrarsubventionen machen gut 40 Prozent des EU-Haushalts aus. Bäuerliche Landwirtschaft wünscht sich Christian Schmidt auch für andere Erdteile.

Agrarminister Schmidt plant staatliches Tierschutzlabel
„Landgrabbing“ großer Investoren und Staatsfonds etwa in Afrika oder Osteuropa entspricht dem Grünbuch zufolge nicht den Idealvorstellungen. So ist angekündigt, dass von der Bundesregierung fortan „jährlich ein Exportbericht vorgelegt“ werde, der untersuche, wie sich deutsche Agrarexporte auf die Marktstrukturen der Schwellenländer auswirken.
„Wir dürfen uns nicht von allen neuen Entwicklungen abschneiden“
Welthandel sei auch im Interesse dieser Länder, aber er müsse „auf die Interessen dieser Länder eingehen“. Das heißt nach der dominierenden Auffassung der Agrarexperten und Entwicklungsorganisationen wie der deutschen GIZ, des Bundesentwicklungsministerium oder der Welthungerhilfe, dass Exporte etwa von Fleisch und Getreide nicht dazu führen dürfen, dass bäuerliche Strukturen in den Zielländern vernichtet werden.
Bezüglich der Gentechnik ist im agrarpolitischen Fahrplan des Ministerium eine auffällige Zweigleisigkeit festzustellen. Genveränderte Sorten mit Herbizid- oder Insektenresistenz, wie sie von Monsanto, Syngenta, Du Pont oder KWS Saat hergestellt werden, lehnt das Papier deutlich ab – und erklärt es zum Ziel, auch andere Staaten vom Anbau abzubringen. Durch Handelsanreize müsste Deutschland seinen „Anspruch auf gentechnikfreie Erzeugung unterstützen“, heißt es.
Andererseits sind neue Züchtungstechniken wie Crispr-Cas willkommen. „Wir dürfen uns nicht von allen neuen Entwicklungen abschneiden“, heißt es dazu. Der Satz erregte in Berlin Anstoß. Die Grünen fürchten durch Crispr-Cas „Eingriffe mit verheerenden Folgen“, sagte der gentechnikpolitische Sprecher der Partei, Harald Ebner, am Freitag dieser Zeitung.

Zitat
mit der Fleisch aus tiergerechteren Mastanlagen


Ein Widerspruch in sich.

Zitat

Genveränderte Sorten mit Herbizid- oder Insektenresistenz, wie sie von Monsanto, Syngenta, Du Pont oder KWS Saat hergestellt werden, lehnt das Papier deutlich ab


Mitte September 2016 wurde bekannt, dass die Bayer AG Monsanto übernimmt. Da sollte auch die Bayer AG erwähnt werden.

Die CRISPR/Cas-Methode (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) ist eine biochemische Methode, um DNA gezielt zu schneiden und zu verändern (Genome Editing). Gene können mit dem CRISPR/Cas-System eingefügt, entfernt oder ausgeschaltet werden,[1] auch Nukleotide in einem Gen können geändert werden. wikipedia

Meine Erfahrung mit Milchkühen vor Ort:
Ein Bauer kaufte alle anderen in der Umgebung auf. Er stockt auf 500 Milchkühe (das ist hier die Bewilligungs-Obergrenze) auf. Weiter kauft er nun allen Mais auf, der jetzt fast nur noch um das Dorf herum angebaut wird (für Silozwecke).
Mit Bewilligung solcher Betriebe kann sich vielleicht ein Milchbauer eine Zeitlang halten. Alle Kleinbetriebe müssen aufgeben.
Zur Erntezeit fuhren nun (auch am Wochenende) Trekker mit großen Anhängern voller staubendem Mais mit Höchstgeschwindigkeit (50 kmh, obwohl auf den Hängern 40 kmh steht) durch den Ort; der hat Bürgersteige, die stellenweise nur für eine Person begehbar sind, von Kinderwagen nicht zu reden. Die angesprochene Verwaltung steht auf dem Standpunkt, dass die Strasse (auf Kosten der Anwohner vor einigen Jahren in Stand gesetzt) eine Kreisstrasse und die Geschwindigkeit daher in Ordnung sei. Dass an hunderten von Metern kein PKW im Gegenverkehr an diesen Monster-Trekkern vorbei kann (anhalten , zurück setzen etc.) spielt keine Rolle. So sehen die Probleme der Ortsbewohner aus.
Und wer ist schuld? Die EU.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#2

Großdemo am 21. Januar in Ber

in Aus der Welt der Wissenschaft 04.01.2017 10:09
von franzpeter | 9.008 Beiträge

Großdemo am 21. Januar in Berlin Diese E-Mail im Browser [1] lesen.



[1]
http://newsletter.bund.net/go/11/20BSA4C...8K-131U4VF.html


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Lieber Herr Schaffarth, (gemeint ist mein Bruder Fritz Schaffarth, franzpeter)

ob Glyphosat, Tierschutz, Gentechnik oder Düngerecht, die
BUND-Bilanz 2016 könnte klarer nicht ausfallen:
Landwirtschaftsminister Schmidt (CSU) machte sich jedesmal zum
Sprachrohr der Agrarindustrie. Umwelt- und Verbraucher*innenschutz,
das Wohl der Tiere oder der Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft
sind für ihn offensichtlich zweitrangig.

Unter dem Motto "Wir haben es satt!" [1] gehen wir deshalb am 21.
Januar in Berlin für eine bessere Agrarpolitik auf die Straße.
Demonstrieren Sie mit uns?


[1]
http://newsletter.bund.net/go/11/20BSA4C...7PA-6LB73Q.html

Ja, ich habe es satt!
http://newsletter.bund.net/go/11/20BSA4C...7PA-6LB73Q.html


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Das Profilbild eines Puters, darüber der Schriftzug: Wir haben
Agrarindustrie satt!
http://newsletter.bund.net/go/11/20BSA4C...7PA-6LB73Q.html


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Warum ich am 21. Januar in Berlin demonstrieren werde

Ich bin heute 32 Jahre alt, Jahrgang 1984. Ich bin auf dem Land groß
geworden und habe als kleines Kind noch gemeinsam mit meiner
Schwester beim Bauernhof gegenüber die Milch geholt. Ich erinnere
mich, dass wir einmal, die leere Metallkanne in der Hand, mitten in
die Geburt eines kleinen Kälbchens platzen ? und ich durfte ihm dann
einen Namen geben.

Der Milchbauer aus meiner Kindheitserinnerung hat seinen Hof vor
vielen Jahren aufgeben müssen. In meinem norddeutschen Heimatdorf
gibt es heute nur noch wenige Bauernhöfe. Dafür steht dort jetzt
aber eine große Schweinemastanlage. Der Mais auf den Feldern wird
nicht mehr ans Vieh verfüttert, sondern liefert Energie.


Diese Entwicklung, das Sterben der Bauernhöfe, die
Industrialisierung unserer Landwirtschaft und unserer
Lebensmittelwirtschaft können wir in ganz Deutschland, ja in der
ganzen Welt beobachten. Agrarkonzerne wie Bayer/Monsanto und
Landwirtschaftsminister Schmidt treiben sie voran. Das hat nicht nur
Folgen für die betroffenen Bauern und Bäuerinnen. Hunderte Millionen
Menschen leiden an Hunger oder Mangelernährung, die Artenvielfalt
schwindet, die Klimakrise verschärft sich.

Das habe ich satt! [1] Und deswegen werde ich dem Aufruf des BUND
folgen, und im Wahljahr 2017 zur Demonstration gegen Agrarkonzerne,
Tierleid und undemokratische Handelsabkommen gehen. Am 21. Januar
2017 fordern wir wieder in Berlin: [1] Bauernhöfe statt
Agrarindustrie!
Gutes Essen für alle! Demokratie statt Konzernmacht!


[1]
http://newsletter.bund.net/go/11/20BSA4C...7PA-6LB73Q.html


--------------------------------------------------------------------

Wir sehen uns am 21. Januar in Berlin!
Bis dahin

Ihre Nehle Hoffer
für den BUND

PS: BUND-Gruppen und Aktive aus ganz Deutschland planen bereits ihre
Anreisen am 21. Januar. Machen Sie es sich einfach. Fahren Sie
zusammen mit einer BUND-Gruppe zu der Demo. Hier finden Sie alle
bisher angemeldeten Gruppenanreisen. [1]


[1]
http://newsletter.bund.net/go/11/20BSA4C...72H-V962PF.html

ZUR BUSBÖRSE
http://newsletter.bund.net/go/11/20BSA4C...72H-V962PF.html


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Wenn Sie keine E-Mails vom BUND mehr erhalten möchten, können Sie
sich hier abmelden [1].


[1]
http://newsletter.bund.net/go/11/20BSA4C...O2-YA97QO-U.php


--------------------------------------------------------------------

Impressum [1] ? Datenschutz [2]

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30 / 2 75 86-40,
aktion@bund.net
Redaktion: Nehle Hoffer
V.i.S.d.P.: Yvonne Weber


[1]
http://newsletter.bund.net/go/11/20BSA4C...3E-15Q7JHS.html
[2]
http://newsletter.bund.net/go/11/20BSA4C...5I-3Z71DUK.html


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 04.01.2017 10:09 | nach oben springen


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