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#1

Die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) bekommt den Friedensnobelpreis

in Aus der Welt der Wissenschaft 06.10.2017 21:52
von franzpeter | 9.156 Beiträge

Der Friedensnobelpreis

Die Atomwaffenstaaten sowie die NATO-Mitglieder, darunter auch Deutschland,
boykottieren

<https://www.icanw.de/neuigkeiten/mehr-als-50-staaten-unterschreiben-atomwaffenverbot/>
<https://www.icanw.de/neuigkeiten/mehr-als-50-staaten-unterschreiben-atomwaffenverbot/>
den Verbotsvertrag bislang.

https://www.icanw.de/ <https://www.icanw.de/>

Generalsekretärin Beatrice Fihn: "Ist es akzeptabel, Hunderttausende Menschen
umzubringen oder nicht? Wenn nicht, müssten Atomwaffen verboten werden"


spiegel.de 06. Oktober 2017

Auszeichnung in Oslo

Der Friedensnobelpreis geht an Anti-Atomwaffen-Kampagne

Das Nobelpreiskomitee hat die Kampagne für ein Atomwaffenverbot mit dem
Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Ican ist ein Bündnis von 450 Friedensgruppen,
die sich für Abrüstung einsetzen.

Die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican
<https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Kampagne_zur_Abschaffung_von_Atomwaffen>
)
<https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Kampagne_zur_Abschaffung_von_Atomwaffen>
bekommt den Friedensnobelpreis 2017. Das gab das norwegische Nobelkomitee in
Oslo bekannt. Die Jury hatte sich in diesem Jahr unter 318 Anwärtern
entscheiden müssen - 215 Personen und 103 Organisationen waren für den Preis
vorgeschlagen.

Für Nobelpreissieger ist die Genfer Truppe ziemlich hipp: Die
Generalsekretärin, die Schwedin Beatrice Fihn, ist erst 34 Jahre alt. In dem
Büro in Genf arbeiten gerade mal vier Leute, alle jünger als 35 Jahre. Das
Bündnis selbst ist deutlich größer: 450 Friedensgruppen und Organisationen,
die sich seit Jahren für Abrüstung engagieren.

Vor zehn Jahren kamen sie zusammen, um sich gemeinsam für einen Vertrag gegen
Atomwaffen einzusetzen. Treibende Kraft waren nicht Regierungen, sondern
Zehntausende Aktivisten in mehr als 100 Ländern. Im Juli 2017 wurde das
Vertragswerk unterzeichnet. Es verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und
Lagerung von Atomwaffen und kam gegen den Widerstand der Atommächte und den mit
ihnen verbündeten Staaten zustande, darunter Deutschland.

Vorbild für Ican waren andere Abrüstungsverträge: zum Beispiel das
internationale Übereinkommen zum Verbot von Landminen, oder die Verträge zum
Verbot von Streumunition oder von chemischen Waffen. Bei solchen Abkommen auf
Initiative der Zivilgesellschaft rücken immer die verheerenden Folgen der Waffen
für die Bevölkerung ins Zentrum.

Die internationale Ächtung der Waffen setze Regierungen unter Druck, die nicht
unterzeichnen, so Ican. Für Fihn ist die Sache einfach: "Ist es akzeptabel,
Hunderttausende Menschen umzubringen oder nicht? Wenn nicht, müssten Atomwaffen
verboten werden", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur vor der
Preisverkündung.


Medaille, Urkunde und Preisgeld gibt es erst im Dezember

Zu den Ican-Mitgliedern gehören etwa die internationale Juristenvereinigung
gegen Atomwaffen, der Internationale Gewerkschaftsbund und aus Deutschland das
Forum Friedensethik (FFE) der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Der Vertrag tritt in Kraft, wenn 50 Mitglieder ihn ratifiziert haben. Fehn
rechnet damit bis Ende nächsten Jahres. Keiner der Atomländer hat ihn
unterzeichnet. Deutschland und die anderen Mitglieder des nordatlantischen
Atombündnisses (Nato) sagen, das sei mit der Nato-Mitgliedschaft nicht
vereinbar.

Im vergangenen Jahr hatte das Nobelkomitee Kolumbiens Präsident Juan Manuel
Santos ausgezeichnet. Er erhielt den Nobelpreis für "seine entschlossenen
Anstrengungen, den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg in dem Land zu
beenden".

Der Friedensnobelpreis gilt als wichtigste politische Auszeichnung der Welt. Die
Auszeichnung wird als einziger der fünf Nobelpreise im norwegischen Oslo statt
in Schwedens Hauptstadt Stockholm vergeben.

Die Preisträger werden im Oktober bekannt gegebenen, erhalten ihre Medaille und
Urkunde aber erst am 10. Dezember, dem Todestag des Gründers Alfred Nobel. Dazu
gibt es ein Preisgeld von derzeit neun Millionen schwedischen Kronen (rund
940.000 Euro).

cte/dpa


Quelle:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/fr...-a-1171538.html
<http://www.spiegel.de/politik/ausland/friedensnobelpreis-2017-geht-an-ican-anti-atomwaffenkampagne-a-1171538.html>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 06.10.2017 21:53 | nach oben springen

#2

RE: Die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) bekommt den Friedensnobelpreis

in Aus der Welt der Wissenschaft 07.10.2017 08:43
von franzpeter | 9.156 Beiträge

Nobelpreis-Kommentar
:
Entscheidung für Ican ist utopisch
Von Nikolas Busse
-Aktualisiert am 06.10.2017-20:56

Die Auszeichnung des Friedensnobelpreises für die Organisation Ican ist eine sichere Wahl gewesen: Die Organisation trägt nirgendwo Verantwortung und kann keinen Schaden anrichten. Doch was sie bislang bewirkt hat, ist zweifelhaft.
Welche Irrtümer zur langen Geschichte des Friedensnobelpreises gehören, hat sich erst wieder in den vergangenen Wochen am Beispiel Aung San Suu Kyis gezeigt. Auch Barack Obama oder Jassir Arafat gehören auf diese Liste;
ganz zu schweigen von einigen großen Persönlichkeiten, die den Preis nie bekommen haben, obwohl sie ihn verdient hätten. In diesem Jahr hat das Osloer Komitee zumindest in dieser Hinsicht eine sichere Wahl getroffen. Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen trägt nirgends auf der Welt politische Verantwortung, also ist hier nicht mit unangenehmen Überraschungen in der Zukunft zu rechnen. Sie ist noch nicht einmal die erste Anti-Atomkriegs-Organisation, die den Preis erhält.

Nikolas Busse
Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik

Die Begründung für die Verleihung ist allerdings dürftig. Zur Einsicht, dass ein Atombombeneinsatz katastrophale humanitäre Folgen hätte, braucht es nicht diese Kampagne, das weiß die Menschheit seit Hiroshima und Nagasaki. Dass sie sich für das kürzlich verabschiedete UN-Verbot aller Atomwaffen eingesetzt hat, trifft zu, aber dieser Vertrag geht in erster Linie auf die Staaten zurück, die ihn unterschrieben haben. Letztlich ist der Preis, wie schon so oft in der Vergangenheit, ein Versuch, in einer aktuellen weltpolitischen Entwicklung ein (norwegisches) Signal zu setzen: Die Bedeutung von Kernwaffen nimmt seit Jahren wieder zu, die jüngste Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea ist da nur ein Schauplatz von mehreren.
Mittlerweile gibt es mehr bewaffnete Staaten denn je
Die Hoffnung, dass das Ende des Kalten Krieges auch das Ende der Atomrüstung bedeuten würde, hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil, heute gibt es neun nuklear bewaffnete Staaten, mehr denn je. In der multipolaren Welt, in der wir mittlerweile leben, werden es auf Dauer vermutlich eher mehr als weniger.



Genau darum wirkt diese Preisverleihung noch utopischer als es bei den Auszeichnungen aus Oslo ohnehin oft der Fall ist. Kein Land, das Nuklearwaffen besitzt, zeigt derzeit die geringste Bereitschaft, auf sie zu verzichten. Es ist sogar höchst umstritten, ob die Welt dann friedlicher wäre: Nichts hat kriegerische Gelüste in den vergangenen siebzig Jahren mehr in Schach gehalten als die nukleare Abschreckung, vor allem in Europa. Deshalb will nicht einmal Deutschland auf sie verzichten.

Quelle: F.A.Z.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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