GKR-Forum

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#1

Die Salisbury Tales - was verschweigen Medien und Politik im Falle des vergifteten russischen Doppelagenten

in Aus der Welt der Wissenschaft 15.03.2018 18:42
von franzpeter | 8.651 Beiträge

NDS 15. März 2018

Die deutsche Öffentlichkeit ist kaputt

Albrecht Müller, Herausgeber der NachDenkSeiten

Aufklärung findet kaum noch statt. Stattdessen konfliktverschärfende
Kampagnen.
Die NachDenkSeiten halten dagegen. Machen Sie bitte mit!

Die Kriegsgefahr wächst. Die Propaganda läuft auf vollen Touren. London
erzwingt mit einer unbewiesenen Behauptung über einen Nervengift-Einsatz sogar
eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates. Ungeprüft werden die britischen
Stimmungsmacher von Politikern der USA, Europas und von nahezu allen Medien -
mit wenigen Ausnahmen - unterstützt.

Nicht einmal die Information, dass wir 2003 mit dem Schwindel über irakische
Massenvernichtungswaffen schon einmal in ähnlicher Weise belogen worden sind
und auf der Basis dieser Lüge hunderttausende von Menschen getötet wurden,
beeindruckt.


Jens Berger hat gestern ein erhellendes Stück zum aktuellen Vorgang
geschrieben: Die Salisbury Tales - was verschweigen Medien und Politik im Falle
des vergifteten russischen Doppelagenten?.

Unsere Anregung und Bitte: Geben Sie diesen Artikel über Ihren E-Mail-Verteiler
weiter. Und wenn Sie noch mehr tun können: Drucken Sie die grafisch aufbereitete
PDF-Version aus und geben Sie sie weiter.

PDF:
https://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf...ppelagenten.pdf
<https://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/180314-Die-Salisbury-Tales-was-_verschweigen-Medien-und-Politik-im-Falle-des-vergifteten-russischen-Doppelagenten.pdf>



In diesen Zeiten müssen wir, die an differenzierten Informationen
interessierten Menschen, zusammenhalten. Deshalb zögern wir nicht, mit unserer
Bitte zum Weitergeben wichtiger Texte/Informationen an Sie heranzutreten. Es
würde uns freuen, wenn Sie das gelegentlich so halten könnten - ohne eine
besondere Anregung und Bitte durch uns. In jedem Fall werden wir Ihnen des
Öfteren druckfähige Vorlagen schicken.


Für die Redaktion der NachDenkSeiten
Albrecht Müller, Herausgeber




NDS 14. März 2018

Die Salisbury Tales - was verschweigen Medien und Politik im Falle des
vergifteten russischen Doppelagenten?

Von Jens Berger


Vor nun auch schon zehn Tagen brachen im englischen Städtchen Salisbury der
russische Doppelagent Sergej Skripal
https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Wiktorowitsch_Skripal und
seine aus Moskau angereiste Tochter Julia auf einer Bank in der Nähe eines
Einkaufszentrums zusammen und befinden sich seitdem in einem "kritischen, aber
stabilen" Koma. Stunden später stand der Hauptverdächtige bereits fest -
"Russland". Ohne Beweise, ja sogar ohne ein einziges Indiz, wird seitdem scharf
in Richtung Moskau geschossen. Die NATO ist mit dabei, die Teilnahme Englands an
der Fußball-WM in Russland wird bereits offen in Frage gestellt. Lauter kann man
kaum poltern und solches Gepolter lenkt natürlich auch von berechtigten Fragen
ab. Und davon gibt es einige. Der Fall Skripal ist keinesfalls so eindeutig, wie
er in den westlichen Medien dargestellt wird. Es gibt sogar deutliche Spuren in
Richtung einer obskuren privaten Sicherheitsfirma, die aktiv an der
antirussischen Propaganda-Kampagne mitarbeitet.

Audio:
https://www.nachdenkseiten.de/upload/pod...y_Tales_NDS.mp3
<https://www.nachdenkseiten.de/upload/podcast/180314_Die_Salisbury_Tales_NDS.mp3>



"Nowitschok"

Am Dienstag äußerte sich die britische Premierministerin Theresa May erstmalig

https://www.youtube.com/watch?v=THF2HG9LQGI
im Parlament zum
Fall Skripal. Ihre Rede war zwar angriffslustig, aber auch bis in die feinsten
Nuancen vorformuliert und vom Blatt abgelesen. Daher sollte man auch sehr genau
auf die exakte Formulierung achten. An keiner Stelle sagte May, dass das
Nervengift, mit dem Skripal nach Ansicht der britischen Behörden umgebracht
werden sollte, ein Kampfstoff war, der in Russland hergestellt wurde oder den nur
Russland besitzt.


Sie sagt vielmehr, es handele sich um "ein Nervengift von einem Typ, der in
Russland entwickelt wurde". "Wir wissen, dass Russland dieses Gift früher
produziert hat und noch immer in der Lage ist, dies zu tun". Das träfe auch auf
das Begriffspaar Sarin und Deutschland zu und dennoch kommt niemand auf die Idee,
Angela Merkel sei nun für jeden Sarin-Anschlag verantwortlich.


Auch als Indiz in einem Kriminalfall ist diese sehr vage Formulierung schon
extrem schwach. Das Gift, das angeblich in Salisbury zum Einsatz kam, soll ein
Nervengift aus der sogenannten


https://de.wikipedia.org/wiki/Nowitschok
<https://de.wikipedia.org/wiki/Nowitschok>
"Nowitschok-Reihe"
sein, die in den 70ern und 80ern in der Sowjetunion entwickelt wurde und später
in zahlreichen Varianten produziert wurde.

Es ist aktenkundig, dass neben den Nachfolgestaaten der Sowjetunion auch die USA
Zugang zu Stoffen der "Nowitschok-Reihe" hatten- z.B. im Jahre 1999, als
Experten der US-Behörden eine Forschungseinrichtung der Sowjets in Usbekistan
außer Betrieb nahmen


http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/415742.stm.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass neben den USA auch Staaten wie

http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/415742.stm Israel
http://foreignpolicy.com/2013/09/10/excl...al-weapons-too/
<http://foreignpolicy.com/2013/09/10/exclusive-does-israel-have-chemical-weapons-too/>

und ganz sicher auch Großbritannien sich Kenntnisse über das C-Waffen-Programm
der Sowjets beschafft haben.

Die britische Forschungseinrichtung, in der fremde Kampfstoffe analysiert und
eigene entwickelt wurden, ist übrigens Porton Down


https://en.wikipedia.org/wiki/Porton_Down ,
das nur einenSteinwurf entfernt vom Tatort in Salisbury liegt.

<https://en.wikipedia.org/wiki/Porton_Down>

Die vermeintliche Tatwaffe ist also noch nicht einmal ein Indiz für die Frage,
wer denn der Täter sein könnte. Mehrere Staaten dürften über Kampfstoffe aus
der "Nowitschok-Reihe" verfügen. Genauere Aussagen dazu wären sicher möglich,
wenn die Briten spezifischere Aussagen zum Kampfstoff machen würden. Genau das
wollen sie aber nicht und lehnten eine entsprechende Bitte der russischen
Ermittlungsbehörden bereits brüsk ab
.



Die Akte "Orbis"

Ein russischer Geheimdienstoffizier, der gegen Geldzahlungen Informationen an den
britischen Auslandsgeheimdienst verkaufte und dabei rund 300 russische Agenten
enttarnte, sollte mit einem Kampfstoff umgebracht werden, auf den nur einige
wenige Geheimdienste der Welt Zugriff haben ... völlig klar, dann kommen ja nur
"die Russen" als Täter in Frage. So simpel die Logik westlicher Medien und
Politiker ist, so falsch ist sie. Sergej Skripal hatte offenbar auch engen
Kontakt zu mindestens einer weiteren Gruppierung, die durchaus ein Mordmotiv
haben könnte.


Als Sergej Skripal 1995 als Oberst des russischen Militärgeheimdiensts vom
britischen Auslandsgeheimdienst MI6 "umgedreht" wurde, war dies wohl das Werk des
britischen Agenten Pablo Miller


https://edition.cnn.com/2018/03/08/world...kripal-spy-war/

, der fortan als "Führungsoffizier" von Skripal tätig wurde. Koordiniert wurde
die Arbeit offenbar durch Christopher Steele, einem MI6-Agenten, der in Moskau
tätig war. Steele ist kein Unbekannter


https://en.wikipedia.org/wiki/Christopher_Steele .

Zwischen 2006 und 2009 war er der Abteilungsleiter "Russland" im MI6. Er war es auch, der
damals im Mordfall Litwinenko die Ermittlungen leitete und - entgegen der
Indizienlage - Russland als Hauptverdächtigen ausmachte.


2009 verließ Steele den MI6 und gründete seine eigene private
"Sicherheitsfirma" mit dem Namen "Orbis Business Intelligence". Das
Haupttätigkeitsfeld von Orbis war (und ist) es, Vorwürfe gegen Russland zu
fabrizieren.
Orbis war es, die von einem "privaten Kunden" den Auftrag erhielt,
im Rahmen des sogenannten "Project Charlemagne" (Projekt Karl der Große)

http://web.archive.org/web/2018030515484...e-trump-dossier

den angeblichen Eingriff Russlands in den Wahlkampf von Frankreich, Italien,
Großbritannien und Deutschland zu "belegen". Falschmeldungen über russische
Troll-Armeen, die russische Finanzierung von Le Pen, Berlusconi und der AfD und
angebliche Pläne Moskaus, die EU zu zerstören, stammen allesamt von Orbis und
wurden von Medien und Politik willfährig weitergegeben.

Aber nicht nur das. Orbis war es auch, die für die US-Demokraten im Wahlkampf
das umstrittene "Trump-Dossier" erstellten


https://www.vanityfair.com/news/2017/03/...istopher-steele

, die "Mutter" aller Verschwörungstheorien, nach der Putin zugunsten Trumps in
den US-Wahlkampf eingegriffen haben soll. Christopher Steele ist kein kleiner
Fisch, sondern der große Karpfen im Teich der westlichen Anti-Putin-Propaganda.
Das Auftauchen seines Namens im Umfeld des Mordversuches von Salisbury sollte
eigentlich sämtliche Alarmglocken klingeln lassen.
Vor allem dann, wenn man
weiß, dass auch Skripals ehemaliger MI-6-Führungsoffizier Pablo Miller
Angestellter von OBE (Orbis Business Intelligence) ist

https://www.telegraph.co.uk/news/2018/03...sultant-linked/

und laut eines vor wenigen Tagen gelöschten Profils bei Linkedin das OBE-Büro
in der Kleinstadt Salisbury geleitet und Skripal Presseberichten zufolge
ziemlich häufig getroffen hat

http://www.dailymail.co.uk/news/article-...restaurant.html
.

Halten wir also als Fakt fest: Skripal hat sich regelmäßig mit seinem
ehemaligen Führungsoffizier getroffen, der für das Unternehmen tätig ist, das
eine Art Marktführer in Sachen Anti-Putin-Propaganda ist. Das ist doch eine
interessante Sache. Warum liest man davon in den deutschen Medien nichts?


Die genannten Fakten lassen für den ehemaligen britischen Top-Diplomaten Craig
Murray nur den Schluss zu

https://www.craigmurray.org.uk/archives/2018/03/russian-to-judgement/

, dass wohl auch Sergej Skripal für Orbis tätig war - wahrscheinlich hat
Skripal wohl auch am "Trump-Dossier" mitgearbeitet. Skripal war also
wahrscheinlich für eben jenes dubiose Privatunternehmen tätig, das in Europa
(Project Charlemagne) und den USA (Trump-Dossier) sehr maßgeblich an der
antirussischen Propagandakampagne beteiligt war.

Dies ist kein Beweis in welche Richtung auch immer, aber zumindest ein sehr
starkes Indiz und ein ganz klarer Fingerzeig, in welche Richtung die britischen
Behörden nun ermitteln sollten - nämlich in Richtung Miller, Steele und Orbis.
Freilich könnten dies alles nur Koinzidenzen sein ... wahrscheinlich ist dies
aber nicht.


Cui bono? Ganz sicher nicht die Russen

Für Medien und Politik lag der Fall schon Stunden nach der Tat auf der Hand.
Niemand anderes als „die Russen kann der Täter sein. Dabei lernt doch jeder
"Krimifreund", dass Ermittler beim Fehlen von klaren Beweisen und Indizien erst
einmal nach dem Motiv fragen sollten.


Haben die Russen wirklich ein Motiv? Jein. Natürlich hätte theoretisch jeder
Staat, der gegen Geld von einem Doppelagenten verraten wurde, ein Motiv, diesen
Verräter später zu töten, auch um potentielle Nachfolger abzuschrecken. Aber
dieses Problem ist so alt wie das Spionagehandwerk und spätestens seit dem
Kalten Krieg hat sich zwischen den Machtblöcken ein System etabliert, bei dem
Spionen eine "Du-kommst-aus-dem-Gefängnis frei"-Karte mit auf den Weg gegeben
wird.


Inhaftierte Spione werden in unregelmäßigen Abständen ausgetauscht. Das war
auch im Fall Skripal so, der nach gerade einmal vier Jahren Haft im Rahmen eines
Agentenaustausches nach Großbritannien ausreisen durfte.


Würde ein Geheimdienst egal welcher Nation dieses System, das ja auch einen
impliziten Schutz für alle Spione darstellt, ohne Not durch einen sinnfreien
Rachemord zerstören und damit das Leben der eigenen Leute gefährden? Das wäre
dumm.


Noch dümmer wäre im konkreten Fall das Timing. Warum sollte Russland kurz vor
der Wiederwahl Putins und der Eröffnung der Fußball-WM, die ohnehin zum
Gegenstand massiver Anti-Russland-Propaganda werden wird, den Hetzern im Westen
ohne Not eine solche Steilvorlage geben?


Die kalten Krieger der taz
http://www.taz.de/%215491048/

unddes Guardians


https://www.theguardian.com/uk-news/2018...-skripal-affair

überschlagen sich schon gegenseitig beim Ausdenken möglicher Sanktionen gegen
Russland. Bemerkenswert ist dabei, dass der angeblich linksliberale Guardian ganz
offen empfiehlt, russischen Medien wie RT die Sendelizenz zu entziehen. Man
kämpft offenbar nur dann für die Pressefreiheit, wenn es den eigenen Interessen
dienlich ist.
Das britische Königshaus bleibt der WM jedenfalls fern

https://www.telegraph.co.uk/news/2018/03...rld-cup-russia/

, während ein Boykott dem eigenen Volk wohl kaum zu verkaufen ist. Dies ergab
auch eine Umfrage der BILD

https://twitter.com/JulianRoepcke/status/973465141852426240 -

da ist noch einiges an Hetze zu erwarten und der Fall Skripal eignet sich dafür
sehr gut.


Es sind jedoch nicht nur die Transatlantiker und Kriegshetzer im Westen, denen
der Fall Skripal in die Karten spielt. Craig Murray weist auf einen Profiteur
hin, den hierzulande fast keiner auf der Karte hat


https://www.craigmurray.org.uk/archives/...n-to-judgement/

- Israel. Israel verfügt offenbar über die Tatwaffe, hat mit dem Mossad eine
der professionellsten Organisationen für Auftragsmorde an der Hand, ist durchaus
fähig,

Spuren in die falsche Richtung zu legen und hat vor allem ein Motiv. Das
russische Engagement in Syrien untergräbt die israelischen Interessen im eigenen
Vorhof und der russische Einfluss im Libanon und in Iran ist Israel ohnehin ein
Dorn im Auge. Natürlich gibt es auch kein Indiz und erst recht keinen Beweis,
der eine israelische Tatbeteiligung belegen könnte. Aber das gibt es im Falle
Russland auch nicht.

Beides sind Arbeitshypothesen. Seltsam nur, dass die eine Hypothese als ziemlich
sichere "Wahrheit" gehandelt und die andere Hypothese nicht einmal angedacht
wird.

Und zum Thema "Orbis" werden wir sicher auch in den nächsten Wochen nichts in
unseren Zeitungen lesen, obgleich hier ein öffentliches Interesse sehr eindeutig
zu erkennen ist.


Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=42924
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=42924>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#2

RE: Die Salisbury Tales (2) - was verschweigen Medien und Politik im Falle des vergifteten russischen Doppelagenten

in Aus der Welt der Wissenschaft 16.03.2018 16:45
von franzpeter | 8.651 Beiträge

Jens Berger, NDS: "Tagesschau.de hat ein FAQ, also eine Seite mit Fragen und
Antworten, zum vermeintlichen Giftgasanschlag auf den russischen Doppelagenten
Sergej Skripal geschaltet
<http://www.tagesschau.de/ausland/skripal-faq-101.html> . Das ist
löblich, denn Fragen und Antworten gibt es zuhauf.

Gar nicht löblich ist jedoch, dass die Tagesschau sehr einseitig informiert

https://www.nachdenkseiten.de/?p=42972#more-42972
. Mehr noch -
durch das Weglassen zahlreicher Informationen wird ein vermeintlich objektiver
Antwortkatalog präsentiert, der eigentlich doch sehr subjektiv ist und in
Teilen sogar ganz direkte Meinungsmache enthält."


Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=42972#more-42972
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=42972#more-42972>


NDS 15. März 2018

Craig Murray legt nach und nennt die "Nowitschok-Story" eine

Neuauflage des Schwindels über irakische Massenvernichtungswaffen


Bereits gestern griffen wir in unserem Artikel " Die Salisbury Tales - was
verschweigen Medien und Politik im Falle des vergifteten russischen
Doppelagenten?" die Schilderungen

https://www.nachdenkseiten.de/?p=42924
des ehemaligen
britischen Botschafters Craig Murray auf, der sich in seinem mittlerweile in den
sozialen Medien weit verbreiteten Artikel "Russian to Judgement

https://www.craigmurray.org.uk/archives/...n-to-judgement/

" qualifiziert kritisch zur "offiziellen Version" der Ereignisse in Salisbury
äußerte.

Gestern legte Murray mit einem zweiten Artikel zum Thema

https://www.craigmurray.org.uk/archives/...iraqi-wmd-scam/
<https://www.craigmurray.org.uk/archives/2018/03/the-novichok-story-is-indeed-another-iraqi-wmd-scam/>

nach, in dem er anhand von offiziellen Dokumenten der Organisation für das
Verbot chemischer Waffen (OPCW) belegt, dass die offizielle britische Version
gar nicht stimmen kann.

Unser Kollege WM hat den Artikel von Craig Murray für die NachDenkSeiten aus dem
Englischen übersetzt.

Craig Murray ist ein ehemaliger britischer Botschafter.

Audio:
https://www.nachdenkseiten.de/upload/pod...k_Story_NDS.mp3
<https://www.nachdenkseiten.de/upload/podcast/180315_Craig_Murray_und_die_Nowitschok_Story_NDS.mp3>



Die Nowitschok-Story ist im Grunde eine Neuauflage des Schwindels über
irakische Massenvernichtungswaffen


Kürzlich, im Jahre 2016, hat Dr. Robin Black, der Leiter des
Aufklärungslaboratoriums von Großbritanniens einziger Anlage für chemische
Waffen in Porton Down, ein früherer Kollege von Dr. David Kelly

https://de.wikipedia.org/wiki/David_Kelly_%28Mikrobiologe%29

(Anm. d. Red.: Kelly war der Chemiewaffenexperte und Whistleblower, der die
Geheimdienstlüge über die irakischen Massenvernichtungswaffen ans Licht brachte
und dann unter seltsamen Umständen ums Leben kam
), in einem renommierten
Wissenschaftsjournal einen Artikel veröffentlicht, in dem er sagt, der Beweis
für die Existenz von Nowitschoks sei dürftig und ihre Zusammensetzung
unbekannt.


"In den letzten Jahren gab es oft Spekulationen darüber, dass in den frühen
70er Jahren als Teil des sogenannten Foliant Programms eine vierte Generation
von Nervengasen, Nowitschoks (newcomer), in Russland entwickelt wurde, dies mit
dem Ziel, einen Kampfstoff zu finden, der defensive Gegenmaßnahmen unterlaufen
würde. Informationen über diese chemischen Verbindungen waren in der
Öffentlichkeit sehr spärlich, die meisten kamen von einem russischen
Dissidenten und Militärchemiker mit dem Namen Vil Mirzayanov. Es wurde jedoch
nie eine unabhängige Bestätigung über Struktur oder Eigenschaften von solchen
chemischen Verbindungen veröffentlicht."

aus: Robin Black. (2016) Entwicklung, vergangene Anwendungen und Eigenschaften
von chemischen Kampfstoffen. Royal Society of Chemistry

Dennoch behauptet jetzt die britische Regierung, eine Substanz aus dem Stehgreif
identifizieren zu können, die ihr eigenes Forschungszentrum für biologische
Waffen niemals zuvor gesehen hat und deren Existenz ungesichert ist. Schlimmer
noch: sie behauptet nicht nur, diese Substanz identifizieren zu können, sondern
auch nachweisen zu können, wo diese hergekommen sei. Wenn man sich Dr. Blacks
Publikation vor Augen hält, dann ist es offensichtlich, dass dies nicht wahr
sein kann
.


Die internationalen Experten für chemische Waffen teilen Dr. Blacks Auffassung.
Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) ist eine Abteilung der
UN, die in Den Haag angesiedelt ist. Hier der Bericht ihrer
Wissenschaftsabteilung aus dem Jahre 2013, die aus US-amerikanischen,
französischen, deutschen und russischen Vertretern zusammengesetzt war und deren
Gremium Dr. Black (Großbritannien) vertrat:


"(Der wissenschaftliche Beirat) betont, dass die Begriffsbestimmung über
giftige Chemikalien in dem Abkommen alle potenziellen chemischen Verbindungen
einschließt, die als Chemiewaffen benutzt werden könnten. Was neue giftige
Verbindungen anbelangt, die nicht im chemischen Verzeichnis aufgelistet sind,
die aber dennoch ein Risiko für das Abkommen sein könnten, weist der
wissenschaftliche Beirat auf die Nowitschoks hin. Der Name Nowitschoks
wird in einer Veröffentlichung von einem früheren sowjetischen Wissenschaftler
benutzt, der berichtet hat, nach einer neuen Klasse von Nervengiften zu
forschen, die als binäre chemische Waffen angewendet werden könnten. Der
wissenschaftliche Beirat möchte hiermit feststellen, dass er nicht über
ausreichende Informationen verfügt, um sich über die Existenz oder die
Eigenschaften von Nowitschoks äußern zu können. (OPCW, 2013)"

OPCW: Bericht des wissenschaftlichen Beirats über Entwicklungen in Wissenschaft
und Technologie für die dritte Berichtskonferenz, 27. März 2013

Die OPCW war in der Tat so skeptisch über die Existenz von "Nowitschoks", dass
sie beschloss, mit dem Einverständnis der USA und Großbritanniens, weder sie
noch deren angebliche Vorläufer auf ihre Verbotsliste zu setzen. Kurzum, die
breite Gemeinschaft der Wissenschaftler nahm an, dass Mirayanov zwar an
"Nowitschoks" arbeitete, zweifelte aber an seinem Erfolg.

Angesichts der Tatsache, dass die OPCW den Standpunkt eingenommen hatte, dass
die Existenz von "Nowitschoks" zweifelhaft sei, wäre es jetzt ungemein wichtig,
dass Großbritannien der OPCW eine Probe davon zukommen lassen würde, wenn man
denn eine solche überhaupt hat.


Denn Großbritannien hat einen bindenden Vertrag mit der OPCW, dies zu tun.
Russland seinerseits hat unbestägten Meldungen (Anm. d. Red.: Die Anfrage ist
mittlerweile bestätigt
) zu Folge einen Antrag an die OPCW gerichtet, dass
Großbritannien eine Probe des Materials aus Salisbury einreichen solle, damit
sie international untersucht werden könne.


Aber Großbritannien weigert sich.

Warum?

Ein weiterer Teil der Anschuldigungen von May ist der, dass "Nowitschoks" nur in
bestimmten militärischen Einrichtungen hergestellt werden können. Aber das ist
nachweislich nicht wahr. Wenn es die "Nowitschoks" denn wirklich gibt, so wurden
sie vorgeblich so gestaltet, dass sie mühelos in jeder chemischen Werkstatt
hergestellt werden können - das war ein Hauptaspekt davon
. Der einzige reelle
Beweis für die Existenz von Nowitschoks war die Aussage des früheren
sowjetischen Wissenschaftlers Mirzayanov. Und der schrieb:

"Man sollte nicht vergessen, dass die chemischen Verbindungen der Vorläufer von
A-232 oder ihre binäre Variante Nowitschok-5 gewöhnliche Organophosphate sind,
die in gewerblichen chemischen Fabriken hergestellt werden können, die auch
solche Produkte wie Dünger und Pestizide herstellen.


Vil S. Mirzayanov, "Enthüllungen über den sowjetisch/russischen
Chemiewaffenkomplex: Die Sicht eines Insiders", in Amy E. Smithson, Dr. Vil s.
Mirzayanov, Gen Lajoie und Michael Krepon, Chemiewaffen Vernichtung in Russland:
Probleme und Aussichten, Stimson Report N° 17, Oktober 1995, Seite 21"

Es ist wissenschaftlich gesehen unmöglich für Porton Down, in der Lage gewesen
zu sein, auf russisches Nowitschok zu schließen, wenn es niemals eine russische
Probe davon besessen hat, um sie damit vergleichen zu können.


Sie mögen eine Probe gefunden haben, die identisch mit einer Formel von
Mirzayanov ist, aber da dieser die Formel bereits vor zwanzig Jahren
veröffentlicht hatte, ist das kein Beweis für ihre russische Herkunft. Wenn
Porton Down sie synthetisch herstellen kann, so können das außer den Russen
noch viele andere auch.


Und schlussendlich: Mirzayanov ist ein usbekischer Name und das
Nowitschok-Programm, sollte es denn existiert haben, lief zwar in der
Sowjetunion, aber weit entfernt vom heutigen Russland, in Nukus, im heutigen
Usbekistan
.


Ich habe die Chemiewaffenfabrik in Nukus selber besucht. Sie war abgebaut und
sicher, alle Vorräte waren zerstört und die Gerätschaft war, meiner
Erinnerung nach in der Zeit, wo ich dort Botschafter war, von der amerikanischen
Regierung beseitigt worden. Es gab in Wirklichkeit niemals einen Beweis für die
Existenz von "Nowitschok" im heutigen Russland.



Zusammenfassend:

1. Porton Down hat in seinen Veröffentlichungen bestätigt, niemals
irgendwelche russischen "Nowitschoks" gesehen zu haben. Die britische Regierung
hat keine Informationen, die einem "Fingerabdruck" gleichkommen würden, wie
z.B. Verunreinigungen, nach denen diese Substanz eindeutig Russland zugeordnet
werden könnte.


2. Bis heute waren weder Porton Down noch die weltweiten Experten der
Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) von der Existenz von
"Nowitschoks" überzeugt.


3. Das Vereinigte Königreich weigert sich, der OPCW eine Probe zur Verfügung zu
stellen


4. "Nowitschoks" wurde hauptsächlich entwickelt, um auf Basis von herkömmlichen
Bestandteilen in jedem wissenschaftlichen Labor hergestellt werden zu können.
Die Amerikaner haben die Einrichtung, die sie angeblich entwickelt hat, studiert
und abgerissen.
Es entspricht nicht der Wahrheit, dass nur die Russen sie
hergestellt haben könnten, wenn jeder das konnte.


5. Das "Nowitschok"-Programm war in Usbekistan angesiedelt und nicht in Russland.
Sein Vermächtnis wurde nicht an die Russen, sondern an die Amerikaner zu Zeiten
ihrer Allianz mit Karimov weitervererbt
.


Mit großem Dank an die Quellen, die zu diesem Zeitpunkt hier noch nicht genannt
werden können.



Craig Murray ist ehemaliger Karrierediplomat im britischen Außenministerium.
Seinen letzten Posten als Botschafter in Usbekistan musste Murray 2004 räumen,
nachdem er sich kritisch zu den Menschenrechtsverletzungen des im Westen sehr
beliebten usbekischen Diktators Karimov geäußert hatte. Seitdem bloggt Murray
auf craigmurray.org.uk.



Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=42950
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=42950>

Anmerkung:

Zitat
Das "Nowitschok"-Programm war in Usbekistan angesiedelt und nicht in Russland.
[u]Sein Vermächtnis wurde nicht an die Russen, sondern an die Amerikaner zu Zeiten
ihrer Allianz mit Karimov weitervererbt



Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Dass die Tagesschau sehr einseitig informiert und sich dieser May und diesem -wie heißt er doch? - (unmöglichen) Johnson anschließt, ist wieder ein Zeichen für verschwendete Gebühren. Nur nicht selbst recherchieren - aber alles übernehmen


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 16.03.2018 17:16 | nach oben springen

#3

Beweise? Brauchen wir nicht

in Aus der Welt der Wissenschaft 17.03.2018 12:21
von franzpeter | 8.651 Beiträge

Theresa Bond

Bettina Gaus: "Theresa May hat Putin eine Steilvorlage geliefert. Sie selbst hat
erkennbar keinen Plan für den Brexit, braucht also einen äußeren Feind, um
ihre Truppen hinter sich zu versammeln. Ihre Vorgängerin Margaret Thatcher hat
1982 mit dem absurden Falkland-Krieg gezeigt, wie so etwas geht.

Dramatisch ist die Entwicklung der letzten Tage dennoch. Weil sie beweist, dass
es noch immer möglich ist, Innenpolitik mit außenpolitischen Mitteln zu
betreiben. Ein bewährtes Mittel zur Steigerung der eigenen Popularität. Und
verantwortungslos, früher wie heute."



taz 17.03.2018

Kolumne Macht

Beweise? Brauchen wir nicht

Dass Theresa May im Falle des Nervengiftanschlags auf einen Ex-Spion Russland
verantwortlich macht, ist durchsichtig und gefährlich.

Bettina Gaus

Die britische Premierministerin Theresa May besucht den Tatort in Salisbury
Foto: dpa

Wir sind die Guten, das ist sowieso klar.

Wer "wir" sind, hängt von der jeweiligen Situation ab, mal sind wir vor allem
Bayern oder Niedersachsen, mal Deutsche und gelegentlich auch einfach Teil der
freien Welt. Wenn wir gerade nicht genau wissen, wer zu uns gehört und wer
nicht, können wir uns jederzeit an unseren Heimatminister wenden. Der erklärt
uns das gerne. Fest steht jedenfalls: Wenn eine oder einer von uns sagt, dass
jemand anders böse ist, dann ist das auch so. Beweise brauchen wir dann nicht
mehr.

Russland gehört nach keiner Definition zu uns, noch weniger als der Islam.
Deshalb erübrigen sich Nachfragen, wenn die britische Premierministerin Theresa
May - die eigentlich gerade nicht so dringend zu uns gehören will, aber egal -
die Russen für einen Giftgasangriff auf einen ehemaligen Spion und seine
Tochter in Salisbury verantwortlich macht.
Stattdessen lieber nachschauen, ob
unsere Panzerkanonen einsatzbereit sind. Bei der Bundeswehr weiß man ja nie.

Im Ernst: Es gibt starke Indizien, die darauf hinweisen, dass tatsächlich die
russische Regierung oder, mindestens ebenso alarmierend, der russische
Geheimdienst ohne Wissen der Regierung hinter dem Mordanschlag steckt. Aber
Indizien sind eben nicht dasselbe wie unwiderlegbare Beweise.

Moskau hat öffentlich jede Beteiligung an dem Giftgasangriff bestritten, Zugang
zu den Ermittlungen gefordert und sich bereit erklärt, mit internationalen
Organisationen zu kooperieren. Das alles ist nicht unbillig, sondern
vernünftig.

Wie hätte die russische Regierung denn sonst reagieren sollen? "Sorry, Theresa,
ja, wir waren es. Tut uns echt leid." Die Reaktion darauf hätte man sehen
sollen.


Einfach verantwortungslos

Wer die russische Politik verurteilen möchte, hat die freie Auswahl. Ein Blick
auf die Krim oder nach Syrien bietet sich an, auch der Umgang mit der Opposition
im eigenen Land liefert bedrückendes Anschauungsmaterial. Aber so schwierige
Themen wollte Theresa May nicht angehen.

Stattdessen hat sie mit ihrem Ultimatum ein Pfauenrad vor heimischem Publikum
geschlagen. Moskau hatte überhaupt keine Möglichkeit, darauf so zu reagieren,
dass die Krise entschärft worden wäre. Früher nannte man so etwas
Kriegstreiberei.


Nun wird es hoffentlich - nicht tatsächlich zu einem Krieg kommen, und
vermutlich werden es die Russen auch verschmerzen, wenn kein Mitglied der
britischen Königsfamilie zur Fußballweltmeisterschaft anreist.

Dramatisch ist die Entwicklung der letzten Tage dennoch. Weil sie beweist, dass
es noch immer möglich ist, Innenpolitik mit außenpolitischen Mitteln zu
betreiben. Ein bewährtes Mittel zur Steigerung der eigenen Popularität
. Und
verantwortungslos, früher wie heute.

Leider haben derzeit beide Seiten ein Interesse an der Zuspitzung der Situation.
Wladimir Putin will sich am Sonntag ein weiteres Mal zum Präsidenten wählen
lassen. Da kommt es gut an, wenn er wieder einmal behaupten kann: "Niemand hat
uns lieb, deshalb müssen wir ganz fest zusammenhalten."

Theresa May hat ihm dafür eine Steilvorlage geliefert. Sie selbst hat erkennbar
keinen Plan für den Brexit, braucht also einen äußeren Feind, um ihre Truppen
hinter sich zu versammeln. Ihre Vorgängerin Margaret Thatcher hat 1982 mit dem
absurden Falkland-Krieg gezeigt, wie so etwas geht.


Ein deprimierendes Schauspiel. Für das sich die Nato-Verbündeten nicht als
Statisten auf die Bühne zerren lassen sollten. Solidarität mit
Großbritannien? Nein. Jetzt gerade mal nicht.



Quelle: http://www.taz.de/Kolumne-Macht/!5489206/
<http://www.taz.de/Kolumne-Macht/%215489206/>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
nach oben springen

#4

Putin strafen, Erdogan schmieren

in Aus der Welt der Wissenschaft 27.03.2018 08:43
von franzpeter | 8.651 Beiträge

taz 26.03.2018

EU-Reaktion auf Giftanschlag

Putin strafen, Erdogan schmieren

Zynischer hätte die EU auf den Fall Skripal nicht reagieren können. Die
Ausweisung russischer Diplomaten ist ein Tiefpunkt der gemeinsamen
EU-Außenpolitik.

Eric Bonse

Es wird leer in den russischen Botschaften in Europa Foto: dpa

Dass die EU auf den mutmaßlichen Giftgas-Angriff von Salisbury mit weiteren
Sanktionen gegen Russland reagiert, ist keine Überraschung. Ratspräsident
Donald Tusk hatte die Strafmaßnahme bereits beim EU-Gipfel am vergangenen
Freitag in Brüssel angekündigt. Nur das Ausmaß der konzertierten Aktion - 14
EU-Länder haben mehr als 30 russische Diplomaten ausgewiesen - stand noch nicht
fest.

Überraschend ist allerdings die Art und Weise, mit der die EU ihre Solidarität
mit Großbritannien bekundet. Da ist zum einen das Timing: Wieso kommen die
Sanktionen ausgerechnet jetzt und nicht erst in ein paar Tagen oder Wochen, wenn
die russische Komplizenschaft zweifelsfrei erwiesen ist? Neue Beweise wurden
seit Freitag nicht vorgelegt, an der Sachlage hat sich nichts geändert.

Die unabhängigen Prüfer von der Organisation für das Verbot chemischer Waffen
dürften erst Mitte April ihre Prüfung abschließen. Da sich im Fall Skripal
keine neue Entwicklung abzeichnet, hätte die EU zumindest bis zu diesem
Zeitpunkt warten können, ja, müssen.
Denn so setzt sie sich dem Verdacht aus,
unbesonnen oder aufgrund dubioser britischer Geheimdienst-Erkenntnisse zu
handeln.

Noch fragwürdiger sind die Umstände, unter denen die Aktion gegen Russland und
seinen Präsidenten Wladimir Putin bekannt gegeben wurde. Tusk wählte
ausgerechnet den Ort seines Treffens mit Recep Tayyip Erdogan im bulgarischen
Warna.

Ein Gipfel mit dem türkischen Präsidenten als Bühne für Sanktionen gegen
Putin! Das ist so bizarr, das hätte sich nicht einmal Jan Böhmermann ausdenken
können.


Wo sind die Sanktionen gegen die Türkei?

Denn Erdogan ist keinen Deut besser als Putin, ganz im Gegenteil. Der türkische
Sultan attackiert die EU, indem er Kriegsschiffe in die Seegewässer vor Zypern
schickt, um Gasbohrungen zu verhindern. Er hintertreibt die europäische Außen-
und Sicherheitspolitik, indem er seine Truppen in Afrin einmarschieren lässt.
Und er droht Griechenland mit "Korrekturen" an der gemeinsamen Grenze.

Auf dem EU-Gipfel am Freitag wurde Erdogan dafür mit scharfen Worten
verurteilt. Deshalb wäre es nur konsequent gewesen, auch Sanktionen gegen die
Türkei zu verhängen. Stattdessen will Tusk nun erneut drei Milliarden Euro
für den schmutzigen Flüchtlingspakt freigeben. Putin strafen und Erdogan
schmieren, das ist die neue Politik der EU. Zynischer geht es kaum noch.

Der EU-Doppelbeschluss dürfte als Tiefpunkt in die Geschichte der gemeinsamen
Außenpolitik eingehen.

Von Warna geht die verheerende Botschaft aus, dass sich Verbündete (wie die
Türkei) alles erlauben dürfen, während vermeintliche oder echte Feinde (wie
Russland) auch ohne Beweise bestraft werden dürfen. Hat Tusk eigentlich schon
einmal davon gehört, dass die Türkei und Russland außenpolitisch eng
zusammenarbeiten?


Quelle:
http://www.taz.de/Kommentar-EU-Reaktion-...chlag/!5494200/
<http://www.taz.de/Kommentar-EU-Reaktion-auf-Giftanschlag/%215494200/>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#5

Günter Verheugen zum Fall Skripal

in Aus der Welt der Wissenschaft 27.03.2018 08:53
von franzpeter | 8.651 Beiträge

Fall Skripal: Günter Verheugen nimmt Russland in Schutz
Günter Verheugen zum Fall Skripal
Ehemaliger EU-Kommissar nimmt Russland in Schutz
Günter Verheugen hat die Sanktionen mehrerer europäischer Staaten gegen Russland im Fall Skripal kritisiert. Strafmaßnahmen sollten nicht auf Vermutungen sondern auf Fakten basieren, sagte der frühere EU-Kommissar.




DPA
Günter Verheugen (Archivaufnahme)




Deutschland, die Nato, die USA, Frankreich und mehrere EU-Staaten haben als Reaktion auf den Fall Skripal Dutzende russische Diplomaten ausgewiesen, Moskau hat inzwischen Gegenmaßnahmen angekündigt. Der ehemalige EU-Kommissar Günter Verheugen hat das Vorgehen gegen Russland jetzt kritisiert.

"Generell sollten Sanktionen faktenbasiert sein und nicht auf Vermutungen aufbauen", sagte Verheugen der "Augsburger Allgemeinen". "Die Argumentation im Fall Skripal erinnert mich ein bisschen an eine Urteilsverkündung nach dem Motto `Die Tat war dem Beschuldigten nicht nachzuweisen, aber es war ihm zuzutrauen´", kritisierte der SPD-Politiker.

Verheugen war von 1999 bis 2010 EU-Kommissar, zunächst für die Erweiterung der Europäischen Union, später für Industrie war. "Die Haltung, dass Putin und die Russen im Zweifel für alles verantwortlich sind, ist eine Vergiftung des Denkens, die aufhören muss", sagte er.

Die Ausweisungen stehen in Zusammenhang mit dem Giftanschlag auf den im britischen Exil lebenden russischen Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter Julia. Die beiden ringen in einem britischen Krankenhaus um ihr Leben.
Die britischen Behörden sind überzeugt, dass die beiden mit einem hoch wirksamen Nervengift in Berührung gekommen waren, das aus Russland stamme. Bei keinem anderen Land habe gebe es die Kombination aus Fähigkeit, Absicht und Motiv für eine Tat wie in Salisbury, sagte Premierministerin Theresa May am Montag. Es gebe Beweise, dass Russland den Einsatz chemischer Kampfstoffen für Attentate erforschen ließ.

Auch Trittin kritisiert Ausweisung
Das Gift gegen Skripal soll mit Wissen der russischen Staatsführung eingesetzt worden sein. Er und seine Tochter waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der britischen Kleinstadt Salisbury gefunden worden. Die Zahl der Menschen, die mit dem Gift in Kontakt gekommen sein könnten, bezifferten May auf mehr als 130.
Auch der Grünen-Außenexperte Jürgen Trittin kritisierte die Ausweisung russischer Diplomaten aus Deutschland und anderen EU-Staaten. Es sei "leichtfertig, ohne belastbare Beweise und nur aufgrund von Indizien so gegen Russland vorzugehen und in einen neuen Kalten Krieg zu stolpern", sagte Trittin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Im Ergebnis wird der Westen durch die Ausweisungen nichts gewinnen: Russland weist wahrscheinlich seinerseits europäische Diplomaten aus und weitere Gesprächskanäle nach Moskau werden verschüttet", sagte der Bundestagsabgeordnete, der amtierender Vorsitzender der deutsch-russischen Parlamentariergruppe ist.

Dagegen sagte der Grünen-Osteuropa-Experte Manuel Sarrazin, mit der Ausweisung der vier Diplomaten tue die Bundesregierung das Mindeste: "Sie stärkt damit den europäischen Geleitschutz für Großbritannien, das sich angegriffen sieht", sagte Sarrazin.
als/dpa

Quelle; spiegel online

Anmerkung

Zitat

Bei keinem anderen Land habe gebe es die Kombination aus Fähigkeit, Absicht und Motiv für eine Tat wie in Salisbury, sagte Premierministerin Theresa May am Montag. Es gebe Beweise, dass Russland den Einsatz chemischer Kampfstoffen für Attentate erforschen ließ.



Ich kann mir sehr gut mehrere Länder vorstellen, die Absichten und Motive haben.
Deren Waffenindustrie hat sicherlich Interesse an kaltem Krieg und Aufrüstung.

Und Beweise hat May bis heute nicht geliefert. Das ist dann wohl üble Nachrede.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 27.03.2018 08:54 | nach oben springen

#6

Fall Skripal - Russische Herkunft von Nervengift im Labor nicht nachweisbar

in Aus der Welt der Wissenschaft 03.04.2018 23:31
von franzpeter | 8.651 Beiträge

Für das britische Militärlabor Porton Down ist eine russische Herkunft des
Nervengifts im Fall Skripal nicht eindeutig nachweisbar.

Mehr:
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausla...r-15524907.html
<http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/labor-russische-herkunft-von-gift-im-fall-skripal-nicht-nachweisbar-15524907.html>



spiegel.de 03. April 2018

Fall Skripal

Russische Herkunft von Nervengift im Labor nicht nachweisbar

Großbritannien beschuldigt den Kreml, hinter der Attacke auf den russischen
Ex-Agenten Skripal zu stecken. Laut britischen Wissenschaftlern kann die
russische Herkunft des Gifts bisher nicht belegt werden.


Porton Down - ANDY RAIN/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Es gebe keinen eindeutigen Beweis, dass das Nervengas in Russland produziert
worden sei: Der Leiter des britischen Militärlabors Porton Down, Gary
Aitkenhead, hat weitere Untersuchungsergebnisse im Fall des vergifteten
Ex-Agenten Sergej Skripal mitgeteilt.


"Wir waren in der Lage, es als Nowitschok zu identifizieren", sagte Aitkenhead
laut den Nachrichtenagenturen Reuters und AFP. Es handele sich um eine
militärische Form. Aber: "Wir haben die exakte Herkunft nicht identifizieren
können", sagte er weiter. Die Ergebnisse seien jedoch der Regierung
weitergeleitet worden.

Der frühere Doppelagent Skripal war am 4. März zusammen mit seiner Tochter
Julia im südenglischen Salisbury bewusstlos auf einer Parkbank gefunden worden.
Großbritannien geht davon aus, dass beide mit dem in der früheren Sowjetunion
entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurden und verdächtigt daher
Russland, an dem Vorfall beteiligt gewesen zu sein. Moskau bestreitet dies
vehement.

Der Streit löste eine schwere internationale diplomatische Krise aus, in deren
Verlauf Großbritannien, die USA und weitere westliche Staaten insgesamt rund 130
russische Diplomaten ausgewiesen hatten. Russland reagierte mit der Ausweisung
von 60 US-Diplomaten und 59 Vertretern aus weiteren 23 Ländern; auch vier
deutsche Diplomaten müssen Russland verlassen.

Die Nowitschok-Gifte wurden in den Siebziger- und Achtzigerjahren in der
Sowjetunion entwickelt. Die Giftgruppe besteht aus ungefähr hundert
verschiedenen Stoffvarianten.

Quelle:mho/Reuters/AFP


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#7

Boris Johnson im Fall Skripal

in Aus der Welt der Wissenschaft 05.04.2018 19:14
von franzpeter | 8.651 Beiträge

Boris Johnson im Fall Skripal
Der Unsicherheitsfaktor
Hat Boris Johnson im Fall des vergifteten Ex-Agenten Skripal gelogen? Der britische Außenminister muss sich peinliche Fragen gefallen lassen - und bringt die eigene Regierung in Bedrängnis. Wieder einmal.

Von Kevin Hagen

Donnerstag, 05.04.2018 15:25 Uhr


Der Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal in Salisbury, das ist die bittere Ironie dieser brutalen Tat, hat London bislang geholfen. Mit einem Mal dominierten nicht mehr stockende Brexit-Gespräche und Zankereien im Kabinett die Nachrichten. Schnell hatte man einen Schuldigen ausgemacht: Russland. Und schnell konnte man die EU-Länder auf die eigene Seite ziehen - ein gemeinsamer Gegner war gefunden.

Endlich wieder ein diplomatischer Erfolg für die Regierung und die wankende Premierministerin Theresa May.
Der Satz eines Wissenschaftlers könnte diesen Moment der Stärke wieder zunichtemachen. Gary Aitkenhead, Chef des Defence Science and Technology Laboratory, sagte am Dienstag über die Herkunft des bei der Attacke auf Skripal und dessen Tochter verwendeten Gifts: "Wir haben die genaue Quelle nicht identifiziert."

Die Forschungsstelle im südenglischen Porton Down untersucht den Fall von Anfang März. Es sei ihre Aufgabe, "mit wissenschaftlichen Mitteln ein bestimmtes Nervengift zu identifizieren", fuhr Aitkenhead fort. "Aber es ist nicht unser Job, zu sagen, wo es hergestellt wurde."


Für die britische Regierung ist diese Selbstverständlichkeit ein Problem - vor allem für Boris Johnson. Der Außenminister gehört zu jenen, die Moskau im Fall Skripal am heftigsten attackieren. Auf die Frage nach der Herkunft des Gifts hatte Johnson erst kürzlich in einem Interview mit der "Deutschen Welle" geantwortet, die Experten aus Porton Down hätten "keinen Zweifel".

Am Mittwoch wies zudem die russische Botschaft in London auf Twitter genüsslich darauf hin, dass das britische Außenministerium einen Tweet vom 22. März mittlerweile gelöscht hat. Darin hatte es ebenfalls geheißen, die Forschungsstelle habe "klargemacht, dass es ein militärischer Nervenkampfstoff war, der in Russland produziert wurde".

Für Moskau ist die Sache eindeutig: Johnson hat gelogen und seine Leute versuchten nun, die Spuren zu verwischen. Und auch auf der Insel sieht sich der Außenminister heftiger Kritik ausgesetzt. Labour-Chef Jeremy Corbyn hielt fest, Johnson stehe nun dumm da. Dieser sei wohl weit über die ihm vorliegenden Informationen hinausgegangen. Corbyns Parteifreundin Diane Abbott schimpfte, Johnson habe die Öffentlichkeit offenbar "irregeführt".

Ein Sprecher des Außenministers bemühte sich sofort, die Sache noch irgendwie geradezurücken. Man habe in Echtzeit über eine Rede des britischen Botschafters in Russland getwittert. Eine Botschaft sei verkürzt gewesen und habe die Aussagen des Diplomaten "nicht akkurat" wiedergegeben. Auch zu Johnsons Interview mit der Deutschen Welle äußerte sich das Ministerium: alles ein Missverständnis.
Ist das so?
Wie habe Großbritannien so schnell herausfinden können, dass das Gift "Nowitschok" aus Russland stammen soll, hatte die Reporterin der Deutschen Welle Johnson Mitte März gefragt. Der Außenminister wich zunächst aus.
Dann sagte Johnson: "Wenn ich mir die Beweise ansehe, ich meine, die Leute von Porton Down, das Labor…."
"Also haben sie Proben?", hakte die Journalistin nach.
"Das haben sie", erwiderte Johnson. "Und sie waren absolut kategorisch und ich fragte den Typ selbst, ich sagte: 'Bist du sicher?'. Und er sagte, es gibt keinen Zweifel."


Das Außenministerium stellt es nun so dar, als habe Johnson damit etwas anderes gemeint - nämlich lediglich, dass die Forscher Nowitschok als den verwendeten Kampfstoff bestätigt hätten.
[/b]
Sicher, niemand kann ausschließen, dass da zwei Menschen einfach aneinander vorbeigeredet haben. Auch die Erklärung für den gelöschten Tweet ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Laut einer offiziellen Mitschrift der Rede, über die der "Guardian" berichtet, hatte der Botschafter sich tatsächlich etwas anders ausgedrückt: Die Analysten hätten "klargemacht, dass es eine militärische chemische Waffe war. Eine der Nowitschok-Reihe; ein Nervenkampfstoff, der wie ich sagte, in Russland produziert wurde."
Es sind sprachliche Feinheiten, die vielleicht verhindern, dass man Johnson und sein Ministerium der Lüge überführen kann. Doch das Grundproblem des Tory-Politikers lösen sie nicht.

Bei allen Hinweisen, die bei den Ermittlungen tatsächlich zu der Tat nach Moskau führen: Die britische Regierung hat bis heute keine handfesten Beweise dafür vorgelegt. Man hätte deshalb auf Zurückhaltung setzen können, solange man sich nicht sicher ist, auf diplomatisches Feingefühl - zumal in Zeiten, in denen die Beziehungen des Westens zu Russland ohnehin angespannt sind. Doch London tat das Gegenteil, allen voran Johnson.

In gewohnter Manier war der Außenminister nur wenige Tage nach dem Anschlag vorgeprescht, Russlands Präsident Wladimir Putin habe "höchstwahrscheinlich" persönlich den Einsatz des Gifts in Auftrag gegeben. Belege gibt es dafür nicht. Nur wegen dieser Aggressivität muss London nun um seine Glaubwürdigkeit bangen.
Skandale und Fehltritte
Es ist nicht das erste Mal, dass Großbritanniens Chefdiplomat seine eigene Regierung in Bedrängnis bringt. Eine in Iran inhaftierte Britin brachte er zusätzlich in Gefahr, als er bemerkte, sie habe in dem Land Menschen Journalismus beigebracht - entgegen der offiziellen Linie der Verteidigung.
Johnson kann mittlerweile auf eine beachtliche Reihe von Skandalen und Fehltritten zurückblicken (Lesen Sie hier ein Porträt über den Minister). Viele sehen in seinem Auftreten als Polit-Tollpatsch mit klarer Kante auch Kalkül. Doch sind das die richtigen Voraussetzungen für das Außenamt?

Da dürfte auch Theresa May ihre Zweifel haben. Johnson gilt als einer ihrer größten Widersacher in der eigenen Partei. Doch feuern kann sie ihn nicht so leicht, das würde das fein austarierte Machtgefüge in der Regierung aus Brexit-Gegnern und -Befürwortern ins Wanken bringen.
Doch Johnsons Vorgehen im Fall Skripal könnte schwere Folgen haben. Die britische "Times" berichtet bereits von Zweifeln in der von den Briten mühsam zusammengetrommelten Allianz. CDU-Vize Armin Laschet twitterte: "Wenn man fast alle Nato-Staaten zur Solidarität zwingt, sollte man dann nicht sichere Belege haben?"

Quelle:spiegel online


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 05.04.2018 19:23 | nach oben springen

#8

Frau Merkel, das ist alles nur noch absolut peinlich

in Aus der Welt der Wissenschaft 06.04.2018 16:11
von franzpeter | 8.651 Beiträge

Frau Merkel, das ist alles nur noch absolut peinlich

Die Bundesregierung verbittet sich Kritik und zeigt sich nun um so solidarischer
mit den Briten und ihren Fake News. Es gäbe zwar keine Fakten, aber man wisse
schon, dass die Briten Recht haben. Mit Verweis auf den "Quellenschutz" könne
man aber nichts Näheres sagen.


Nun hat auch der Spitzenfachmann der CDU, Dr. jur. Norbert Rüttgen, seit 2014
Ausschussvorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, in
der Münchener Runde am 04.04.2018
https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen...unde/index.html
dies alles weiterhin öffentlich bekräftigt. Mitgeplappert!

Man brauche - so Röttgen - im "internationalen Politikgeschäft" überhaupt
keine "Beweise", es genügten Plausibilitäten.
Die "Unschuldsvermutung" sei
daher lediglich in einem Rechtsstaat innerstaatlich relevant. John Kornblum
https://de.wikipedia.org/wiki/John_Kornblum#Agententausch , u.a.
ehemaliger US-Botschafter in Deutschland, nickte Röttgen zustimmend zu.

Jens Berger:
"Das geht bereits so weit, dass die neue Grünen-Chefin Annalena
Baerbock sich in einem Interview
https://www.swr.de/swraktuell/der-fall-s...0j68/index.html
<https://www.swr.de/swraktuell/der-fall-skripal-baerbock-russland-behindert-aufklaerung/-/id=396/did=21452142/nid=396/480j68/index.html>
über die "Verweigerung der Aufklärung" durch den Kreml beschwert. Nun kann man
Frau Baerbock sicherlich keine wie auch immer geartete Kompetenz in solchen
Fragen unterstellen und muss daher davon ausgehen, dass derlei alternative Fakten
nicht auf ihrem Mist gewachsen sind, sondern dass sie lediglich nachplappert, was
Medien wie die Tagesschau vorplappern. So werden aus Falschmeldungen aka Fake
News dann alternative Fakten in der politischen Debatte."

Wieviele Blankoschecks gibt die Bundesregierung noch?

FS


NDS 6. April 2018

Alternative Fakten und nationale Alleingänge Großbritannien und Deutschland
blamieren sich im Fall Skripal bis auf die Knochen

Von Jens Berger

Nachdem der Leiter des britischen Chemiewaffenlabors in Porton Down die
Darstellung des britischen Außenministeriums, nach der das in Salisbury
eingesetzten Nervengift aus Russland stamme, am Dienstag ins Reich der Fake News
verbannte, gerieten die britische Regierung und ihre Koalition der Willfährigen,
zu der auch Deutschland gehört, unter Zugzwang.


Doch May und Johnson lernen offenbar schnell aus ihren Fehlern. Schnell wurden
die enttarnten Lügen durch neue "alternative Fakten" ersetzt, die "aus Gründen
der Geheimhaltung" zwar weder verifizierbar noch falsifizierbar,
dafür aber
bereits im Ansatz komplett unglaubwürdig sind.


Auch die deutsche Regierung macht bei diesem absurden Theater mit. Derweil
zeigen Großbritannien und die EU auch, was sie vom Völkerrecht und
internationalen Organisationen halten - nämlich gar nichts.
Man will sich
offenbar nicht in die Karten schauen lassen und weiß sicher ganz genau warum.

Eigentlich sollte man ja annehmen, dass die britische Regierung und allen voran
Boris Johnson nun - nachdem klar ist, dass sie Fake News verbreitet haben -
innen- und außenpolitisch unter Druck gerät. In einer besseren Welt würde nun
beispielsweise das Auswärtige Amt in Berlin skeptisch bei den Kollegen in
Whitehall anrufen und um Aufklärung in der Sache "Skripal" bitten
.

Schließlich hat auch Berlin auf Basis der britischen Fake News russische
Diplomaten ausgewiesen - beileibe kein freundschaftlicher Akt. Dabei wollte man
noch nicht einmal dem Völkerrecht folgend
die Ermittlungsergebnisse des
OPCW-Berichts abwarten, der Anfang nächster Woche vorgelegt wird.


Ohne handfeste Beweise, ja sogar ohne ein einziges Indiz, hat man im blinden
Kadavergehorsam Theresa May und Boris Johnson einen Blankoscheck ausgestellt, der
schon kurze Zeit später geplatzt ist.


Doch die Bundesregierung verbittet sich Kritik und zeigt sich nun um so
solidarischer mit den Briten und ihren Fake News. Es gäbe zwar keine Fakten,
aber man wisse schon, dass die Briten Recht haben. Mit Verweis auf den
"Quellenschutz" könne man aber nichts Näheres sagen
.


Das ist peinlich und intransparent, aber auch clever - denn wenn man seine
alternativen Fakten nicht auf den Tisch legt, kann man auch nicht der Lüge
überführt werden. Und die lammfrommen Medien werden einem daraus schon keinen
Strick drehen.
Wer sich die Bundespressekonferenz zum Thema anschaut, weiß
nicht, ob er sich nun ärgern oder fremdschämen soll, eine derart peinliche
Aneinanderreihung von Ausflüchten und alternativen Fakten hätte selbst
Kellyanne Conway vor Neid und Pein erblassen lassen.


Mit der Times auf den Spuren von John le Carré

In der Folge stellten sogar die ersten "Qualitätsmedien" kritische Fragen
http://www.spiegel.de/politik/ausland/an...-a-1201269.html
<http://www.spiegel.de/politik/ausland/anschlag-auf-sergej-skripal-russland-und-grossbritannien-auf-konfrontation-a-1201269.html>
und begannen langsam und zaghaft aus der Phalanx der "May-Versteher"
auszuscheren
http://www.sueddeutsche.de/politik/russl...zwang-1.3930919
.
<http://www.sueddeutsche.de/politik/russlands-rolle-im-fall-skripal-london-unter-zugzwang-1.3930919>


Doch die Briten sind in Sachen PR wahrlich keine Amateure und schwenkten - kaum
waren Johnson und Co. der Lüge überführt - auf eine neue Strategie um. Nun
besitzt man angeblich nicht nur Kenntnisse darüber, dass der verwendete
Kampfstoff aus Russland stammt, sondern liefert dazu gleich auch noch eine
Rahmengeschichte
, die John le Carré Ehre machen könnte und von der Times
https://www.thetimes.co.uk/edition/news/...-down-7p7kfcs3c
unter Berufung auf - was denn auch sonst - "anonyme Quellen aus
Sicherheitskreisen" ersponnen wurde und von einem super-geheimen
Chemiewaffenlabor in Russland erzählt, in dem das Gift angeblich zusammengebraut
wurde. Alternative Fakten, die jedoch nicht einmal dem ersten Ansatz einer
kritischen Prüfung standhalten.

Der britische Chemiker Chris Busby erklärt
https://www.facebook.com/chris.busby.714/posts/10156317582192451
, was
<https://www.facebook.com/chris.busby.714/posts/10156317582192451>
in der wissenschaftlichen Community ohnehin unumstritten ist: "Es ist
unmöglich, den Stoff, der beim Anschlag auf Skripal gefunden wurde, auf ein
russisches Labor (oder sonst ein Labor) zurückzuverfolgen, wenn man nicht über
eine Vergleichsprobe des russischen Labors (oder sonst ein Labor) verfügt. [...]
Daher ist die Überschrift der Times über ein geheimes russisches Labor auch
Schwindel". Das ist nicht von der Hand zu weisen und die NachDenkSeiten weisen
schon seit Beginn der Berichterstattung auf diesen Widerspruch hin
https://www.nachdenkseiten.de/?p=43032 .

Es gibt drei denkbare Szenarien:

1. Porton Down hat Vergleichsproben aus Russland, die sich jedoch der
Skripal-Probe nicht zuordnen lassen.

2. Porton Down verfügt nicht über solche Vergleichsproben.

3. Porton Down verfügt über Vergleichsproben und das Ergebnis weist auf ein
nicht-russisches Labor hin.


Ein Szenario, bei dem die Briten die genommenen Proben einem mysteriösen,
geheimen Labor in Russland zuweisen können, von dem sie keine Vergleichsproben
haben, ist wohlgemerkt nicht möglich. Jeder Chemiker, der sich mit
Analyseverfahren und Massenspektrografie auskennt, wird dies auf Nachfrage
bestätigen können. Das Problem - weder Regierung noch Medien fragen nach

https://www.craigmurray.org.uk/archives/...s-and-knockers/
. Die "Times-Geschichte" muss also ebenfalls unter "alternative Fakten" verbucht
werden.

Genau auf diese Geschichte stützen sich jedoch sowohl die Bundesregierung als
auch zahlreiche Medien, die sich bereits im offenen Wettkampf mit den
Regierungssprechern befinden, wer kritische Fragen "besser" vom Tisch wischen
kann.


Allen voran die Tagesschau
http://www.tagesschau.de/ausland/skripal-briten-101.html , die
einmal mehr völlig unkritisch die alternativen Fakten und
Verschwörungstheorien der britischen Regierung nachplappert.
http://www.tagesschau.de/ausland/skripal-briten-101.html


Vergesst das Völkerrecht

Äußerst fragwürdig ist auch die Berichterstattung über die internationale
Zusammenarbeit im Fall Skripal. Hier wird man nicht müde zu erwähnen, dass
Russland sich angeblich verweigern würde, die "internationale Gemeinschaft" bei
der Aufklärung zu unterstützten.


Das geht bereits so weit, dass die neue Grünen-Chefin Annalena Baerbock sich in
einem Interview

https://www.swr.de/swraktuell/der-fall-s...0j68/index.html
<https://www.swr.de/swraktuell/der-fall-skripal-baerbock-russland-behindert-aufklaerung/-/id=396/did=21452142/nid=396/480j68/index.html>
über die "Verweigerung der Aufklärung" durch den Kreml beschwert. Nun kann man
Frau Baerbock sicherlich keine wie auch immer geartete Kompetenz in solchen
Fragen unterstellen und muss daher davon ausgehen, dass derlei alternative
Fakten nicht auf ihrem Mist gewachsen sind, sondern dass sie lediglich
nachplappert, was Medien wie die Tagesschau vorplappern. So werden aus
Falschmeldungen aka Fake News dann alternative Fakten in der politischen
Debatte.

Fernab solcher Verbiegungen stellte sich die gestern von Russland einberufene
Sondersitzung des Exekutivrats der OPCW ein wenig anders dar.



Es war nämlich Russland, dass in einem mit China und Iran gemeinsam
eingereichten Vorschlag die OPCW bat, Großbritannien aufzufordern, Russland
zumindest die Ermittlungsergebnisse mitzuteilen (immerhin handelt es sich bei den
Opfern ja um russische Staatsbürger) und in einem zweiten Schritt die
Ermittlungen auf eine der OPCW untergeordnete internationale Taskforce
auszuweiten, an der unter anderem auch Großbritannien und Russland beteiligt
sind.


Diese - eigentlich verständlichen - Forderungen wehrte die britische Regierung
bereits im Vorfeld als "Perversitäten" (sic!) ab und es war daher auch keine
große Überraschung, dass die OPCW die russisch-chinesisch-iranische Initiative
mit der Mehrheit der NATO-Mitgliedsstaaten
https://www.opcw.org/about-opcw/executive-council/current-officers-and-members/
ablehnte, während die "neutralen" Staaten sich fast geschlossen der Stimmabgabe
enthielten.


Nicht Russland, sondern Großbritannien verweigert jeden Ansatz von
internationaler Zusammenarbeit. Dies machte der russische UN-Botschafter auch
gestern Abend in einer fulminanten Rede vor dem eigens dafür einberufenen
UN-Sicherheitsrat noch einmal deutlich.
Schlussendlich geht es aber auch hierbei
nur um die öffentliche Meinung. Durch die Veto-Möglichkeiten kann der
UN-Sicherheitsrat in diesem Fall unter realistischen Bedingungen ohnehin nicht
tätig werden.


Das Völkerrecht spielt bei der Aufklärung des Falls ohnehin keine Rolle.
Strafe vor Schuld lautet das Motto. Man verhängt Sanktionen ohne auch nur
abzuwarten, was die Ermittlungen überhaupt ergeben. Die EU steht wie ein
unterbelichteter Sidekick hinter May und Johnson und erklärt pausenlos ihre
bedingungslose Solidarität mit "dem britischen Volk und der britischen
Regierung" https://www.opcw.org/?id=2734
<https://www.opcw.org/?id=2734> - einem Blankscheck folgt der
nächste.

Hätte die EU sich 2003 auch in einem derart intellektuell und moralisch
desolaten Zustand befunden, wär man sicher auch Seit´ an Seit´ mit Bush und
Blair in den Irak einmarschiert.


Die einzige britische Konzession an das Völkerrecht war es, der OPCW einen Teil
der Stoffprobe zu übergeben, die in Porton Down bereits analysiert wurde. Dass
die OPCW dabei etwas anderes herausfindet als Porton Down ist wohl
auszuschließen. Und damit fehlt weiterhin jegliches Indiz im Fall Skripal.


Die Plausibilität liegt im Auge des Betrachters

Anstelle der Indizien stellen Politik und Medien lieber die Frage nach
Plausibilitäten - alles andere als eine Täterschaft Russlands sei demnach
nicht plausibel. Dies ist eine schon fast dreist Beleidigung des Intellekts.


Die angeblich plausible Erklärung für eine Täterschaft Russlands ist nämlich
nur dann "plausibel", wenn man tief in transatlantischen Denkstrukturen verfangen
und überhaupt nicht an einer ergebnisoffenen Ermittlung interessiert ist.
Wer
einen Hammer in der Hand hält, sieht nun einmal überall nur Nägel und was die
britische Regierung samt ihrer Sidekicks aus Berlin da für plausibel hält, ist
bei objektiver Betrachtung kaum mehr als eine wilde Verschwörungstheorie.
Und
davon gibt es natürlich einige - auch wenn man die üblichen Verdächtigen, also
die Reptiloiden, die Freimaurer, die Rothschilds und George Soros, einmal außen
vor lässt.

Die Arbeitshypothese, nach der die britische Regierung durch antirussischen
Theaterdonner von ihrer blamablen Leistung bei den Brexit-Verhandlungen und der
NHS-Debatte ablenken will, ist beispielsweise nicht mehr oder weniger "plausibel"
als die Hypothese, das Putin ein oder zwei Prozent mehr Stimmen der
Präsidentschaftswahl kassieren wollte, indem er auf kalter Krieger macht.


Und auch die USA sind nicht aus dem Kreis der Verdächtigen entlassen, wenn man
den Maßstab für "Plausibilitäten" derart niedrig hängt
.


Immerhin waren es US-Waffenlabors, die die Nowitschok-Varianten 1998 in die
NIST-Datenbank eingetragen haben
https://timhayward.wordpress.com/2018/04...bout-novichoks/
und es war US-Außenministerin Hillary Clinton, die die Vertreter der
westlichen Staaten in einem als "vertraulich" eingestuften Kabel
https://search.wikileaks.org/plusd/cable...ATE32931_a.html
jegliche Diskussion über "Nowitschoks" im Rahmen der OPCW zu unterbinden und
sich im Zweifel "dumm zu stellen". Warum sollte sich der Westen "dumm stellen"
und warum hatten die USA 2009 kein Interesse daran, dass Thema "Nowitschoks"
international zu diskutieren?

Auch das führt natürlich nur zu Hypothesen, die erst einmal kein Indiz auf
eine mögliche Täterschaft darstellen. Die Aussage, es gäbe nur ein einzige
denkbare Plausibilität und die besage, dass nur Russland der Täter sein
könne, ist jedenfalls unsinnig - und dies ist keine Hypothese, sondern Fakt.


Dass die deutsche Regierung derlei Kritik noch nicht einmal zur Kenntnis nimmt
und in ein postfaktisches absurdes Theater abgleitet, ist leider ebenfalls Fakt.



Es handelt sich auch nicht um Unkenntnis oder Dummheit. Was wir hier in
Kleinarbeit herausfinden, ist natürlich dem Auswärtigen Amt und sicherlich auch
dem BND und damit der Regierung sehr wohl bekannt. Man muss also unterstellen,
dass die Eskalationspolitik samt der Ausweisung russischer Diplomaten von Berlin
genau so gewollt ist und die Regierung vorsätzlich Falschinformationen
verbreiten lässt. Oder glauben Sie, dass die deutsche Regierung sich von
Schießbudenfiguren wie May und Johnson am Nasenring durch die Manege führen
lässt?


p.s.: Als Lesetipp für das Wochenende sei Ihnen noch der Artikel "Knobs and
Knockers
https://www.craigmurray.org.uk/archives/...s-and-knockers/
" empfohlen, in dem Craig Murray die jüngsten Ereignisse ähnlich wie wir
bewertet und die von uns bereits aufgeworfene Frage
https://www.nachdenkseiten.de/?p=43283 nach der äußerst
ungewöhnlichen Wirkung des vermeintlichen Nervengifts aufgreift und
weiterspinnt.

Fazit: Die gesamte Story der Ermittlungsbehörden kann so nicht stimmen.



Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=43331#more-43331
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=43331#more-43331>

Anmerkung:

Zitat
und es war US-Außenministerin Hillary Clinton, die die Vertreter der
westlichen Staaten in einem als "vertraulich" eingestuften Kabel
https://search.wikileaks.org/plusd/cable...ATE32931_a.html
jegliche Diskussion über "Nowitschoks" im Rahmen der OPCW zu unterbinden und
sich im Zweifel "dumm zu stellen"
.



Da fehlt irgendwie die Satzaussage- man könnte ergänzen "bat" oder "aufforderte", je nach Gusto

Zitat
Avoid any substantive discussion of the Mirazayanov book
"State Secrets: An Insider's View of the Russian Chemical
Weapons Program" or so-called 'Fourth Generation Agents.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 06.04.2018 16:28 | nach oben springen

#9

"Keine Giftstoffe mit dieser Formel wurden in Russland entwickelt"

in Aus der Welt der Wissenschaft 15.04.2018 18:32
von franzpeter | 8.651 Beiträge

"Keine Giftstoffe mit dieser Formel wurden in Russland entwickelt"

Russlands Außenminister Lawrow sagte der Agentur Interfax zufolge, weder in
Russland noch in der Sowjetunion seien Giftstoffe entwickelt worden, die der
Formel entsprechen. "Diese Substanz findet sich im Arsenal der US-Armee,
Großbritanniens und anderer Nato-Länder." Moskau werde die Organisation mit
den Schweizer Ergebnissen konfrontieren.



Stern/tagesschau/spiegel.de . 15.04.2018

Ehemaliger russischer Doppelagent

Russland: Skripal wurde mit Kampfstoff aus dem Westen vergiftet

Der Fall Sergej Skripal beschäftigt weiterhin die Welt. Russlands
Außenminister Lawrow zweifelt an den Untersuchungsberichten. Das verwendete
Gift stamme nicht aus Russland, sondern aus dem Westen.

Lawrow hält die Untersuchungsergebnisse für manipuliert.

Neue Vorwürfe im Fall Sergej Skripal: Russland hält den Bericht der
Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) über den Giftanschlag auf
den ehemaligen russischen Doppelagenten für unvollständig.


Ein Schweizer Labor habe in den Blutproben Spuren des chemischen Kampfstoffes BZ
gefunden, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow in Moskau.
Dessen
Wirkung setzt seinen Angaben zufolge in bis zu 60 Minuten ein und hält bis zu
vier Tage an. Die Erkenntnisse des Labors in Spiez blieben jedoch in dem Bericht
der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) unerwähnt, hieß es.


Skripal und seine Tochter Julia waren Anfang März bewusstlos auf einer Parkbank
im südenglischen Salisbury gefunden worden. Der Fall löste einen diplomatischen
Konflikt zwischen Russland und zahlreichen westlichen Staaten aus.


Keine Giftstoffe mit dieser Formel wurden in Russland entwickelt

Lawrow sagte der Agentur Interfax zufolge, weder in Russland noch in der
Sowjetunion seien Giftstoffe entwickelt worden, die der Formel entsprechen.
"Diese Substanz findet sich im Arsenal der US-Armee, Großbritanniens und
anderer Nato-Länder." Moskau werde die Organisation mit den Schweizer
Ergebnissen konfrontieren.


Die OPCW hatte am Donnerstag in Den Haag die Ergebnisse ihrer Experten
veröffentlicht. Die britische Behörden gehen davon aus, dass der in der
früheren Sowjetunion entwickelte Stoff Nowitschok verwendet worden war. Die OPCW
bestätigte die Londoner Angaben, äußerte sich aber nicht dazu, woher das Gift
kam und wer für den Anschlag auf Skripal und seine Tochter Julia verantwortlich
ist.


(gleichlautende Quellen) (dpa/koe/AFP/Reuters):

https://www.stern.de/politik/ausland/rus...et-7942014.html
<https://www.stern.de/politik/ausland/russland--sergej-skripal-wurde-mit-kampfstoff-aus-dem-westen-vergiftet-7942014.html>


https://www.tagesschau.de/ausland/skripal-lawrow-101.html
<https://www.tagesschau.de/ausland/skripal-lawrow-101.html>

http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...-a-1202970.html
<http://www.spiegel.de/politik/deutschland/russland-behauptet-sergej-skripal-wurde-mit-westlichem-kampfstoff-vergiftet-a-1202970.html>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#10

Tschechien experimentiert mit Nervengift Nowitschok

in Aus der Welt der Wissenschaft 04.05.2018 14:25
von franzpeter | 8.651 Beiträge

Tschechien experimentiert mit Nervengift Nowitschok

Russlands Ex-Doppelagent Skripal ist laut britischen Angaben mit Nowitschok vergiftet worden. Jetzt räumt Tschechiens Präsident Zeman ein, dass sein Land 2017 einen Kampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe hergestellt hat.
Das Experiment hat im November stattgefunden, in einem militärischen Forschungsinstitut in Brünn (Brno), der zweitgrößten tschechischen Stadt, wie Präsident Milos Zeman im Fernsehsender Barrandov bekannt gab. "Wir wissen wo, wir wissen wann, also wäre es Heuchelei, so zu tun, als ob nichts geschehen wäre", erklärte der 73 Jahre alte Staatschef weiter. Er berief sich auf einen neuen Bericht des tschechischen Militärnachrichtendienstes. Das Nowitschok-Nervengift wurde demnach zu Forschungszwecken synthetisiert. "Die Menge des hergestellten Gifts war angeblich klein, und es wurde nach den Versuchen vernichtet", sagte Zeman.



Nur wenige Labore experimentieren mit diesen Kampfstoffen
Ein Nervengift aus der Nowitschok-Klasse war laut britischer Regierung bei dem Anschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter im englischen Salisbury Anfang März verwendet worden. Zeman zufolge dürfte es sich um den Stoff A-234 gehandelt haben, während in Tschechien an der Substanz A-230 geforscht worden sei. Nach Einschätzung von Fachleuten sind nur wenige Labore in der Welt in der Lage, mit derart gefährlichen Nervenkampfstoffen zu arbeiten.


Die britische Premierministerin Theresa May macht Russland für den Anschlag auf Skripal verantwortlich. Das Außenministerium in Moskau weist dies vehement zurück und unterstellt seinerseits Tschechien, Großbritannien, der Slowakei und Schweden, als mögliche Herkunftsländer des verwendeten Kampfstoffs in Frage zu kommen. Dem widersprach Tschechiens Regierungschef Andrej Babis von der populistischen ANO-Partei bislang energisch. Der Fall führte zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen dem Kreml und westlichen Staaten, in deren Folge die Länder russisches Botschaftspersonal auswiesen. Auch Tschechien verwies aus Solidarität mit Großbritannien drei russische Diplomaten des Landes.

Tschechien betreibt NATO-Zentrum zur Abwehr von ABC-Waffen

Im südmährischen Vyskov (Wischau) betreibt Tschechien ein NATO-Kompetenzzentrum zur Abwehr von ABC-Waffen, also atomaren, biologischen und chemischen Kampfstoffen. Das Land gehört seit 1999 der transatlantischen Allianz an. Die internationale Chemiewaffenkonvention verbietet unter anderem die Entwicklung und den Besitz chemischer Waffen, schließt aber die Forschung zu Abwehrzwecken nicht aus, solange bestimmte Bedingungen und Meldepflichten erfüllt sind.
se/as (dpa, ap)
Quelle: msn

Anmerkung:

Zitat
Nach Einschätzung von Fachleuten sind nur wenige Labore in der Welt in der Lage, mit derart gefährlichen Nervenkampfstoffen zu arbeiten.



Und? hat (z.B.) Tschechien die Anmeldepflicht erfüllt?
Und wieviele andere (auch NATO-) Länder kommen noch in Betracht?


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#11

Der Fall Skripal - bis heute ungeklärt

in Aus der Welt der Wissenschaft 18.05.2018 07:33
von franzpeter | 8.651 Beiträge

Der Fall Skripal - bis heute ungeklärt

Wer als Staatenlenker rechtsstaatlicher Demokratien das Regierungshandeln
hingegen auf ideologisch getränkte, vermeintliche Plausibilitäten gründet,
ohne objektiv überprüfbare Beweise vorzulegen, verlässt den Weg des
Rechtsstaats und begibt sich auf den Pfad der Tyrannei.



Diese jüngsten Entwicklungen im Fall Skripal - der zum folgenreichsten
Zerwürfnis zwischen dem Westen und Russland seit den Ereignissen auf der Krim
2014 eskalierte - illustrieren exemplarisch, dass die zentrale Frage nach der
Herkunft des Nowitschok bis heute ungeklärt ist.


Das tschechische Militär hat es 2017 synthetisiert, ebenso iranische
Wissenschaftler im Jahr zuvor, die ihre Ergebnisse allgemeinzugänglich in einem
wissenschaftlichen Journal veröffentlichten, mit höchster chemischer Reinheit
wie beim Salisbury-Anschlag.


Labore wie jenes in Teheran oder Brno - mit der nötigen Ausrüstung, Zugang zu
Chemikalien, Knowhow und dringend gebotenen Sicherheitsstandards - gibt es
Tausende auf der Welt, Zehntausende, Hunderttausende, geheime wie öffentliche,
private wie staatliche. Jakob Reimann: Ich selbst könnte Nowitschok in
Salisbury-Reinheit herstellen.


Die Schlussfolgerungen der britischen Regierung entbehren jeder
wissenschaftlichen Grundlage, sind damit höchst unseriös und dienen einzig dem
Zweck der Dämonisierung Russlands
.





NDS 17. Mai 2018

Ich selbst könnte Nowitschok herstellen

Von Jakob Reimann

Jakob Reimann bloggt auf JusticeNow! Er hat im Sommer 2014 sein Masterstudium in
Biochemie in Dresden absolviert und arbeitet mittlerweile an der
naturwissenschaftlichen Fakultät der An-Najah National University in Nablus,
Palästina. Er forscht über die Auswirkungen chemischer Industrieanlagen auf
Umwelt und Gesundheit der Menschen in der Westbank. Er ist zudem freiwillig für
die Flüchtlingsorganisation PICUM tätig.

Am Montag wurde der Leiter des tschechischen Militärischen Forschungsinstituts
in Brno gefeuert
<http://www.radio.cz/de/rubrik/tagesecho/agent-skripal-nowitschok-und-tschechien>
- auf Anweisung der Verteidigungsministerin Karla Šlechtová
höchstpersönlich. Der entlassene Bohuslav Šafár hatte zuvor ausgesagt, dass
das tschechische Militär in geringen Mengen Nowitschok herstellte und damit die
Erklärung
<http://www.dw.com/en/skripal-poisoning-czech-government-confirms-it-tested-novichok-type-agent/a-43658870>
des tschechischen Präsident Milos Zeman bestätigt.


Gestern meldete
<http://www.sueddeutsche.de/politik/geheimdienste-bnd-beschaffte-nervengift-nowitschok-in-den-er-jahren-1.3982539>
dann auch noch das Investigativteam der Süddeutschen, dass auch der BND in den
90ern im Besitz von Nowitschok war.


Diese jüngsten Entwicklungen im Fall Skripal - der zum folgenreichsten
Zerwürfnis zwischen dem Westen und Russland seit den Ereignissen auf der Krim
2014 eskalierte - illustrieren exemplarisch, dass die zentrale Frage nach der
Herkunft des Nowitschok bis heute ungeklärt ist.



Der OPCW-Bericht

Im April veröffentlichte die Organisation für das Verbot chemischer Waffen
(OPCW) - die von UN-Generalsekretär António Guterres beauftragt wurde, den
Salisbury-Giftanschlag zu untersuchen - die Zusammenfassung ihrer Untersuchungen.
Der OPCW-Bericht
<https://www.opcw.org/fileadmin/OPCW/S_series/2018/en/s-1612-2018_e_.pdf>
legt zunächst einige technische Einzelheiten der Untersuchungen dar und
"bestätigt" unter Punkt 10. schließlich "die Ergebnisse des Vereinigten
Königreichs bezüglich der Identität der giftigen Chemikalie, die in Salisbury
verwendet wurde und drei Menschen schwer verletzte." Die britische Regierung
identifizierte im Vorfeld Nowitschok als eingesetztes Nervengift, was damit von
der OPCW bestätigt wurde - ohne jedoch explizit den Namen der Substanz zu
nennen.


Die deutsche Medienlandschaft - von Spiegel über FAZ, Süddeutsche bis BILD und
Welt -
kolportierte daraufhin mit nur wenigen Ausnahmen die Fake News, die
Herkunft des Nowitschok, nämlich Russland, sei durch den OPCW-Bericht nun
bestätigt, obwohl dieser kein einziges Wort über die Herkunft des Nervengifts
verliert, wie die NachDenkSeiten hier und hier akribisch dokumentierten. Dann
wurde es ruhig um Nowitschok und die Skripals
.


Ein staatlicher Akteur als Täter

Unter Punkt 11 stellt der OPCW-Bericht
<https://www.opcw.org/fileadmin/OPCW/S_series/2018/en/s-1612-2018_e_.pdf>
fest, "dass die toxische Chemikalie von hoher Reinheit ist", was "aus der nahezu
vollständigen Abwesenheit von Verunreinigungen geschlossen wird." Der letzte
Punkt macht die Ermittlung der tatsächlichen Herkunft des Nowitschok besonders
problematisch, da ein bestimmtes analytisch bestimmbares Profil von
Verunreinigungen Rückschlüsse auf die eingesetzten Ausgangschemikalien, die
verwendete Synthesestrategie sowie den Syntheseprozess selbst zulässt - und
damit Rückschlüsse auf den Produzenten.

Die Abwesenheit von Verunreinigungen, die hohe chemische Reinheit des Gifts
also, wird von der britischen Regierung - nicht jedoch von den Wissenschaftlern
der OPCW - dahingehend ausgelegt, dass es sich beim Produzenten des Nowitschok
um einen staatlichen Akteur handeln muss, was schlicht ein logischer Fehlschluss
und damit irreführend ist:
Als wären die besten Wissenschaftler und die
bestausgestatteten Labore der Welt an staatlichen Einrichtungen und nicht etwa
in Händen von BASF, Dow und Monsanto, oder an privaten Forschungseinrichtungen
wie Oxford, Harvard oder dem MIT zu finden.

Nowitschok ist keine einzelne chemische Substanz, sondern eine Substanzklasse,
zu der verschiedene Modifikationen gehören, die alle dasselbe molekulare
Grundgerüst besitzen - eine sogenannte Guanidin-Organophosphat-Struktur -, an
das unterschiedliche Seitenketten angehängt sind. Es ist bekannt, dass einige
Nowitschok-Vertreter bis zu zehnmal tödlicher sind als chemisch ähnliche vom
Westen entwickelte Nervengifte wie etwa Soman (Deutschland) oder VX
(Großbritannien).

Darüber hinaus wissen wir relativ wenig über Nowitschok, die
Weltöffentlichkeit wurde lange Zeit im Dunkeln gelassen - allen voran mangelte
es über Jahrzehnte an Kenntnissen über die genauen chemischen Formeln und die
Synthese des Nervengifts: "Informationen über diese Verbindungen waren dürftig
in der öffentlichen Literatur," schrieb noch im Jahre 2016 der britische
Chemiker Robin Black, der im staatlichen Chemiewaffenlabor Großbritanniens in
Porton Down arbeite (welches sich nebenbei bemerkt in unmittelbarer Nähe des
Skripal-Tatorts in Salisbury befindet)
. Einer der Nowitschok-Entwickler, Wil
Mirsajanow, veröffentlichte zwar in seiner Autobiographie 2008 einige
Nowitschok-Strukturformeln, doch existieren auch andere, Mirsajanow
widersprechende Angaben, weshalb Infos dazu generell mit gewissen Unsicherheiten
behaftet sind. "Keine unabhängige Bestätigung der Strukturen oder der
Eigenschaften dieser Verbindungen wurde veröffentlicht", meint Robin Black
daher weiter.

Aufgrund der außerhalb Russlands vermeintlich nicht sicher bekannten Strukturen
schloss London: es muss Moskau gewesen sein. Doch es bleibt ein offenkundiger
Logikfehler bar jeder Vernunft: London unterstellt eine zwingende personelle
Kausalität zwischen der Entwicklung einer Waffe und der mutmaßlichen
Täterschaft eines mit dieser Waffe durchgeführten Verbrechens.


Würde ernsthaft jemand die Täterschaft des grauenhaften Sarin-Angriffs im
syrischen Ghouta im August 2013 der deutschen Bundesregierung zuschreiben, weil
Sarin schließlich in den 1930ern in deutschen Nazi-Laboren entwickelt wurde?
Welcher Akteur einen Kampfstoff ursprünglich entwickelt hat, kann gewiss ein
Indiz für eine Täterschaft eines Verbrechens sein, doch nur ein Narr würde
behaupten, es handle sich um einen Beweis.



Der Autor dieses Textes könnte Nowitschok synthetisieren

2016 machte sich ein Team iranischer Wissenschaftler
<http://www.spectroscopynow.com/details/ezine/1591ca249b2/Iranian-chemists-identify-Russian-chemical-warfare-agents.html?tzcheck=1>
daran, im Mikromaßstab einige Nowitschok-Verbindungen im Labor zu
synthetisieren und mit Gas- und Flüssigkeitschromatographie gekoppelter
Massenspektrometrie - zwei Standardverfahren der chemischen Analytik - zu
analysieren und zu kategorisieren. Zum sicheren Nachweis von Substanzen in
unbekannten Stoffgemischen - wie den Proben des Salisbury-Anschlags - bedarf es
möglichst umfangreicher Datenbanken von Referenzsubstanzen, um die
entsprechenden Daten abgleichen zu können.

Auf dem Gebiet der Chemiewaffen werden diese Datenbanken von der OPCW gepflegt
und die Nowitschok-Daten der iranischen Forscher wurden dankend in die
OPCW-Datenbank übernommen - aller Wahrscheinlichkeit nach wurden die Ergebnisse
der Iraner also sowohl von der britischen Regierung als auch der OPCW als
Referenz für die Untersuchung der Salisbury-Proben herangezogen.


Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass ich selbst studierter Chemiker bin,
meine Bachelorarbeit im Fachbereich organischer Synthese absolvierte und meine
Masterarbeit im Bereich der biochemischen Analytik bioaktiver Moleküle. Ich
habe die Arbeit der iranischen Wissenschaftler - die öffentlich zugänglich ist
<https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/rcm.7757> -
aufmerksam gelesen.

Die Herstellung der Nowitschoks ist relativ überschaubar und umfasst nur zwei
Reaktionsstufen (in meinem Bachelorarbeitsprojekt arbeitete ich an einer
Synthese, die 20 Stufen umfasst). Die Ausgangsmaterialien und Reagenzien sind
relativ leicht zu handeln und billig zu erwerben, mit vielen habe ich selbst im
Labor gearbeitet. "Die Grundstoffe kriegt man in jeder Chemiehandlung", sagt
daher auch Wladimir Ugljow, einer der sowjetischen Chemiker, die Nowitschok in
den 1970ern entwickelten, im Interview mit dem Spiegel.
Die Iraner erhielten
ihre Chemikalien zur Nowitschok-Herstellung von zwei deutschen sowie einem
US-Chemikalienhändler.

Ich will hier die Nowitschok-Herstellung keineswegs trivialisieren: sie ist ohne
Wenn und Aber lebensgefährlich! Anders als bei weniger tödlichen Giften wie
beispielsweise Senfgas ist es daher ausgeschlossen, dass etwa
Al-Qaida-Terroristen in halb ausgebombten Kellerlaboren in Syrien Nowitschok
zusammenkochen oder Alt-Right-Nazis im Breaking-Bad-Style in einem
Crystal-Meth-Labor in der Wüste New Mexicos - es bedarf zweifelsohne
professionell ausgebildeter Chemiker sowie eines gut ausgestatteten Labors mit
hohen Sicherheitsstandards.
Die iranischen Wissenschaftler synthetisierten ihre
Nowitschok-Verbindungen in einem Laborabzug - ähnlich der Art wie wir ihn alle
aus dem Chemieunterricht kennen - der mit einem speziellen
Aktivkohle-Filtersystem nachgerüstet wurde. Die maximal potenten
Nowitschok-Vertreter, wie sie wahrscheinlich in Salisbury eingesetzt wurden,
sollten hingegen in einer sogenannten Glovebox hergestellt werden: einem
luftdichten Metallkasten, in dem mithilfe integrierter Butyl-Handschuhe sicher
von außen gearbeitet wird. Eine Glovebox ist zwar relativ teuer, findet sich
jedoch in den meisten gut ausgestatteten Chemielaboren dieser Welt.

Es wird oft behauptet, für den Salisbury-Anschlag gäbe es nur zwei mögliche
Erklärungen: Entweder wurde er mit geheimen Nowitschok-Beständen vom Kreml
selbst ausgeführt, oder Russland habe "die Kontrolle über seine Bestände
verloren" und das Nowitschok wurde von einer Drittpartei entwendet und
Kreml-unabhängig eingesetzt. Leonid Rink, einer der russischen Wissenschaftler,
die am Nowitschok-Programm arbeiteten, gab in den 1990ern unter Drohungen gegen
seine Familie nachweislich mehrere Fläschchen des Giftes an mindestens zwei
Personen weiter, einer davon mit Kontakten zur lettischen Maffia. Jedes
Fläschchen mit gerade einmal 0,25g Nowitschok entspricht rund 100 tödlichen
Dosen, die bei entsprechender Lagerung auch 20 Jahre später noch töten - und
an den Meistbietenden weiterverkauft werden - könnten.


Eine weitere Möglichkeit scheint Medienexperten, Politikern und Kommentatoren
nicht in den Sinn zu kommen: Das in Salisbury eingesetzte Nowitschok hätte
problemlos in einem Chemielabor irgendwo auf der Welt produziert werden können
- von wem, wo und warum auch immer.

Das tschechische Militär hat es 2017 synthetisiert, ebenso iranische
Wissenschaftler im Jahr zuvor, die ihre Ergebnisse allgemeinzugänglich in einem
wissenschaftlichen Journal veröffentlichten, mit höchster chemischer Reinheit
wie beim Salisbury-Anschlag. Labore wie jenes in Teheran oder Brno - mit der
nötigen Ausrüstung, Zugang zu Chemikalien, Knowhow und dringend gebotenen
Sicherheitsstandards - gibt es Tausende auf der Welt, Zehntausende,
Hunderttausende, geheime wie öffentliche, private wie staatliche. Ich selbst
könnte Nowitschok in Salisbury-Reinheit herstellen.

Die Schlussfolgerungen der britischen Regierung entbehren jeder
wissenschaftlichen Grundlage, sind damit höchst unseriös und dienen einzig dem
Zweck der Dämonisierung Russlands. Ich bestreite nicht, dass Moskau hinter dem
Salisbury-Attentat stecken könnte - ja dass gar Putin höchstpersönlich den
Befehl dazu gegeben haben könnte. Auch wenn es mir persönlich im höchsten
Maße unplausibel erscheint, mag es nach einer neuaufgelegten bizarren
Kalter-Krieger-Logik aus Täuschung und psychologischer Kriegsführung plausible
Szenarien einer russischen Täterschaft geben - so wie es bei Weitem plausiblere
Szenarien einer Täterschaft jener Akteure gibt, deren lange Vergangenheit von
Kriegseintrittslügen wohl dokumentiert ist.


Wer als Staatenlenker rechtsstaatlicher Demokratien das Regierungshandeln
hingegen auf ideologisch getränkte, vermeintliche Plausibilitäten gründet,
ohne objektiv überprüfbare Beweise vorzulegen, verlässt den Weg des
Rechtsstaats und begibt sich auf den Pfad der Tyrannei.


Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=44001#more-44001
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=44001#more-44001>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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