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#1

Heißzeit

in Aus der Welt der Wissenschaft 07.08.2018 18:24
von franzpeter | 8.857 Beiträge

Heißzeit

Kippelemente im planetarischen Getriebe: Treibhausgase aus Industrie und
Landwirtschaft bringen das Erdsystem aus dem Gleichgewicht

Was wir derzeit noch nicht wissen, ist, ob das Klimasystem sicher bei etwa 2°C
über dem vorindustriellen Niveau 'geparkt' werden kann, wie es das Pariser
Abkommen vorsieht. Oder ob es, einmal so weit angestoßen, weiter abrutschen
würde in ein dauerhaftes Supertreibhaus-Klima.


Um dieses Szenario zu vermeiden, ist es notwendig, das menschliche Handeln in
eine neue Richtung zu lenken, von der Ausbeutung zu einem verantwortungsvollen
Umgang mit dem Erdsystem.

Um die Chancen zur Vermeidung einer "Heißzeit" zu verbessern, brauche es nicht
nur eine entschlossene Minderung von Kohlendioxid- und anderen
Treibhausgasemissionen.

Auch erweiterte biologische Kohlenstoffspeicher, etwa durch ein verbessertes
Wald-, Landwirtschafts- und Bodenmanagement, oder die Erhaltung der biologischen
Vielfalt sowie Technologien, um der Atmosphäre Kohlendioxid zu entziehen und
unterirdisch zu speichern, können eine wichtige Rolle spielen, so die Autoren.


Entscheidend sei jedoch, dass diese Maßnahmen auch durch grundlegende
gesellschaftliche Veränderungen gestützt werden.


Seit 25 Jahren warnt Hans Joachim Schellnhuber
https://www.pik-potsdam.de/members/john/hjs-direktor vor den
Folgen des Klimawandels.


PIK 06.08.2018

Auf dem Weg in die "Heißzeit"? Planet könnte kritische Schwelle überschreiten

Die globale Erwärmung auf lange Sicht bei 1,5°C bis 2°C zu stoppen, könnte
schwieriger sein als bisher angenommen. Selbst bei Umsetzung der im Pariser
Abkommen festgelegten Pläne zur Minderung von Treibhausgasemissionen bleibt ein
Risiko, dass der Planet durch verschiedene Rückkopplungsprozesse in einen
Zustand gerät, den die Forscher als "Hothouse Earth" bezeichnen.


Dies diskutiert ein internationales Team von Wissenschaftlern in einer neuen
Studie im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)
http://www.pnas.org/content/early/2018/07/31/1810141115 . Eine
solche Heißzeit wäre langfristig durch etwa 4°C bis 5°C höhere Temperaturen
charakterisiert sowie durch einen Meeresspiegelanstieg um 10m bis 60m, so die
Veröffentlichung.
Der Übergang zu einer emissionsfreien Weltwirtschaft müsse
deshalb deutlich beschleunigt werden, argumentieren die Autoren.

"Industrielle Treibhausgasemissionen sind nicht der einzige Faktor, der die
Temperatur auf der Erde beeinflusst. Unsere Arbeit weist darauf hin, dass eine
vom Menschen verursachte globale Erwärmung von 2°C andere Prozesse des
Erdsystems anstoßen könnte (oft als Rückkopplungen bezeichnet). Diese wiederum
könnten die Erwärmung weiter vorantreiben - selbst wenn wir aufhörten,
Treibhausgase auszustoßen", sagt Leitautor Will Steffen von der Australian
National University (ANU) und dem Stockholm Resilience Centre (SRC). "Um dieses
Szenario zu vermeiden, ist es notwendig, das menschliche Handeln in eine neue
Richtung zu lenken, von der Ausbeutung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit
dem Erdsystem."

Derzeit liegt die globale Durchschnittstemperatur bereits um gut 1°C über dem
vorindustriellen Niveau und steigt etwa 0,17°C pro Jahrzehnt an.

Die Autoren der Studie betrachten zehn natürliche Rückkopplungsprozesse, von
denen einige mit den sogenannten Kippelementen im Erdsystem verknüpft sind.
Durch das Überschreiten kritischer Schwellen könnten diese in fundamental
andersartige Zustände versetzt werden.
Die Rückkopplungen könnten z.B.
Kohlenstoffspeicher in Kohlenstoffquellen verwandeln, die in einer entsprechend
wärmeren Welt unkontrolliert Emissionen freisetzen würden.

Zu den kritischen Prozessen gehören insbesondere tauender Permafrost, der
Verlust von Methanhydraten vom Meeresboden, eine Schwächung von
Kohlenstoffsenken an Land und in den Ozeanen, eine zunehmende bakterielle Atmung
in den Ozeanen, das teilweise Absterben des Amazonas-Regenwaldes sowie der
borealen Wälder, eine Verringerung der Schneedecke auf der Nordhalbkugel, der
Verlust von arktischem und antarktischem Meereis sowie das Schrumpfen der
großen Eisschilde.


Die Studie berücksichtigt noch nicht mögliche Rückkopplungen zwischen
Emissionen und der planetaren Wolkenbedeckung.

Kippelemente im planetarischen Getriebe: Treibhausgase aus Industrie und
Landwirtschaft bringen das Erdsystem aus dem Gleichgewicht

"Diese Kippelemente könnten sich wie eine Reihe von Dominosteinen verhalten.
Wird einer von ihnen gekippt, schiebt dieses Element die Erde auf einen weiteren
Kipppunkt zu. Es könnte sehr schwierig oder sogar unmöglich sein, die ganze
Reihe von Dominosteinen davon abzuhalten, umzukippen. Manche Orte auf der Erde
könnten unbewohnbar werden, wenn die "Heißzeit" Realität würde", ergänzt
Johan Rockström, Direktor des Stockholm Resilience Centre und designierter
Ko-Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.


"Die Treibhausgasemissionen aus Industrie und Landwirtschaft bringen unser Klima
und letztlich das ganze Erdsystem aus dem Gleichgewicht, das zeigen wir auf. Im
Zentrum stehen hier vor allem die Kippelemente in der globalen Umwelt, die sich
sobald ein bestimmtes Belastungsniveau einmal überschritten ist - grundlegend,
schnell und möglicherweise irreversibel verändern könnten.
Gewisse Kaskaden
solcher Ereignisse könnten das gesamte Erdsystem in eine neue Betriebsweise
kippen, sagt Hans Joachim Schellnhuber, amtierender Direktor des
Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

"Was wir derzeit noch nicht wissen, ist, ob das Klimasystem sicher bei etwa 2°C
über dem vorindustriellen Niveau ‚geparkt' werden kann, wie es das Pariser
Abkommen vorsieht. Oder ob es, einmal so weit angestoßen, weiter abrutschen
würde in ein dauerhaftes Supertreibhaus-Klima.
Die Forschung muss sich daran
machen, dieses Risiko schnellstmöglich besser abzuschätzen."


Die Reduktion von Treibhausgasen allein reicht nicht aus


Um die Chancen zur Vermeidung einer "Heißzeit" zu verbessern, brauche es nicht
nur eine entschlossene Minderung von Kohlendioxid- und anderen
Treibhausgasemissionen. Auch erweiterte biologische Kohlenstoffspeicher, etwa
durch ein verbessertes Wald-, Landwirtschafts- und Bodenmanagement, oder die
Erhaltung der biologischen Vielfalt sowie Technologien, um der Atmosphäre
Kohlendioxid zu entziehen und unterirdisch zu speichern, können eine wichtige
Rolle spielen, so die Autoren.


Entscheidend sei jedoch, dass diese Maßnahmen auch durch grundlegende
gesellschaftliche Veränderungen gestützt werden.



"Das Klima und andere Veränderungen zeigen uns, dass wir Menschen das Erdsystem
bereits auf globaler Ebene beeinflussen. Das bedeutet auch, dass wir als
internationale Gemeinschaft an unserer Beziehung zum System arbeiten können, um
die zukünftigen planetarischen Bedingungen zu beeinflussen. Diese Studie
identifiziert einige der Hebel, die dafür genutzt werden können", schließt
Katherine Richardson von Center for Macroecology, Evolution and Climate an der
Universität Kopenhagen, .


Artikel: Will Steffen, Johan Rockström, Katherine Richardson, Timothy M.
Lenton, Carl Folke, Diana Liverman, Colin P.Summerhayes, Anthony D. Barnosky,
Sarah E. Cornell, Michel Crucifix, Jonathan F. Donges, Ingo Fetzer, Steven J.
Lade, Marten Scheffer, Ricarda Winkelmann, Hans Joachim Schellnhuber (2018).
Trajectories of the Earth System on the Anthropocene. Proceedings of the
National Academy of Sciences (PNAS). [DOI: 10.1073/pnas.1810141115]


Quelle:
https://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pre...-ueberschreiten
<https://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/auf-dem-weg-in-die-heisszeit-planet-koennte-kritische-schwelle-ueberschreiten>


SZ 07.2018:
https://www.sueddeutsche.de/wissen/klima...szeit-1.4084296
<https://www.sueddeutsche.de/wissen/klimawandel-heisszeit-1.4084296>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#2

Die Erde brennt

in Aus der Welt der Wissenschaft 08.08.2018 17:04
von franzpeter | 8.857 Beiträge

Wie Hitzewelle und Klimakrise zusammenhängen

[1]
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...-17M2PXL-o.html


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DIE ERDE BRENNT! [1]


[1]
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...STO-TLIKNM.html


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Feldbrand in Deutschland
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...STO-TLIKNM.html


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Lieber Herr Schaffarth,
gehören Sie zu denen, die das "Höhlen-Drama"der Jugendgruppe in
Thailand vor ein paar Wochen täglich mitverfolgt haben? Menschen in
aller Welt haben sich für deren Schicksal interessiert, mehr als
tausend Journalist*innen waren vor Ort. Und es ist ja auch nur
menschlich und nachvollziehbar: Dramatische Ereignisse haben
Menschen seit jeher fasziniert. Umso erstaunlicher ist es, dass die
wahre Bedrohung unserer Zeit in der Regel so wenig Aufmerksamkeit
bekommt: die Klimakrise.


Wo sind die Berichte über die dramatischen Folgen der Erderhitzung
in Mali, Kenia, Bangladesch? Über die sterbenden Inseln in der
Südsee? Über die vielen Millionen Menschen, deren natürliche
Lebensgrundlagen schon jetzt massiv bedroht sind? Über das, was
geschehen müsste, damit wir nicht weiterhin sehenden Auges auf den
Abgrund zusteuern?

Wegen der extremen Dürre und Trockenheit in Deutschland und Europa
ist die Aufmerksamkeit im Moment zwar erhöht. Allerdings richtet sie
sich in aller Regel nur auf die Symptome der Klimakrise, und dies
vor allem bei uns in Deutschland: auf die heißen Flüsse, das große
Fischsterben, die Waldbrände, die Ernteausfälle oder die
Herausforderungen beim Arbeiten in überhitzen Büros oder auf
Baustellen. Und wenn wir doch mal über den Tellerrand schauen, dann
höchstens noch nach Nordamerika, auf die Waldbrände in Kalifornien
oder nach Japan, wo die Hitzewelle bereits über 100 Todesopfer
gefordert hat.


Was wir aber brauchen, sind endlich andere Rahmenbedingungen,
jenseits von Themenkonjunkturen! Der Klimaschutz muss jetzt
anfangen: Mit einem Tempolimit, dem Abschalten der Kohlekraftwerke,
eine anderen Landwirtschaft ?
Hier ist die Politik gefragt. Wie, hat
der BUND heute in seinem Klima-Nothilfeplan zusammengefasst. [1]

Weitere Themen, die uns als BUND am Herzen liegen, finden Sie in
unserem Newsletter.

Mit besten Grüßen
Ihr BUND-Online-Team


[1]
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...V9-10HZ51A.html


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Weitere Themen

- "So warm wie noch nie!"
- Klimafreundlich im Alltag
- Die regionalen Folgen der Trockenheit
- Weiden statt Fabriken
- Wälder ohne Schutz

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Gedanken zum Thema Hitzewelle und Klimakrise von BUND-Klimaexpertin
Ann-Kathrin Schneider.
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...STO-TLIKNM.html


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"So warm wie noch nie!" [1]

[1]
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...STO-TLIKNM.html


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Dieser Sommer ist ungewöhnlich: In Schweden brennen die Wälder, am
Polarkreis wurden über 30 Grad gemessen, in Litauen hat es seit
April gar nicht mehr geregnet, und in Bran­den­burg ist mit massiven
Ernetausfäl­len zu rech­nen.

Einige Gedanken zum Thema von BUND-Klimaexpertin Ann-Kathrin
Schneider [1]


[1]
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...STO-TLIKNM.html


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Wasserhahn läuft ...
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...VX-1B1EQ5Z.html


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Klimafreundlich im Alltag [1]

[1]
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...VX-1B1EQ5Z.html


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Ob Sie Wasser sparen, Ökostrom beziehen, regionale Lebensmittel
einkaufen oder Grillkohle nutzen, die frei von Tropenholz ist: Es
gibt viele Möglichkeiten, sich im Alltag klimaschonend zu verhalten.
Unsere Ökotipps zum Thema geben Ihnen Anregungen für den ganz
persönlichen Klimaschutz.

Mehr... [1]


[1]
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...VX-1B1EQ5Z.html


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Ausgetrocknetes Flussbett des Rheins
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...VZ-1DGW1AH.html


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Die regionalen Folgen der Trockenheit [1]

[1]
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...VZ-1DGW1AH.html


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Knappes Trinkwasser, vertrocknete Bäume [1], geringere Ernten: Das
Wetter spielt verrückt [2] ? hier in Berlin und in ganz Deutschland.
Die Auswirkungen des Extremwetters sind überall zu spüren: auch in
unseren Gewässern, wo das Fischsterben mancherorts die Artenvielfalt
bedroht.




[1]
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...ZK-Q8Y13UH.html

[2]
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...L-13PN10FN.html


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Neben der Hitze heizt auch die Ab­wärme von Kraftwer­ken und
Industrieunter­nehmen das Wasser auf und gefährdet das Ökosystem ?
zum Beispiel im Rhein, wie der BUND in Nordrhein-Westfalen [1],
Hessen [2], Rheinland-Pfalz [3] und Baden-Württemberg [4] berichtet.





[1]
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...VZ-1DGW1AH.html

[2]
http://www.bund-hessen.de/nc/presse/pres...c07632c271cd5c4

[3]
http://www.bund-rlp.de/nc/presse/pressem...Hash=38348612ea

[4]
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...VZO-N2ZLS5.html


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Kühe auf Weide
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...XNT-F5KKJP.html


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Weiden statt Fabriken [1]

[1]
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...XNT-F5KKJP.html


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Viele landwirtschaftliche Betriebe haben derzeit besonders unter der
Trockenheit zu leiden. Doch zugleich ist die Landwirtschaft
Mitverursacher der Klimakrise. Dabei ist eine klima­freund­liche­re
Landwirt­schaft möglich ? und ein schnelles Gegensteuern
unumgänglich.

Mehr... [1]


[1]
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...XNT-F5KKJP.html


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Waldbrand in Portugal
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...XNU-NQX4DA.html


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Wälder ohne Schutz [1]

[1]
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...XNU-NQX4DA.html


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In Portugal brennen die Wälder ? und auch in Deutschland gibt es
massive Trockenschäden an Bäumen. Unsere Wälder sind sehr anfällig
gegenüber Wetterextremen. Ein wesentlicher Grund: eine
Forstwirtschaft, die nur auf schnelle Holzernten statt naturnahe
Wälder setzt.

Mehr... [1]


[1]
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...XNU-NQX4DA.html


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Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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MITGLIED WERDEN
http://newsletter.bund.net/go/10/2UWRBOV...SP-1E4PNR5.html


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Redaktion:
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Bildquellen:
Header: dth48 / fotolia.de; Ann-Kathrin Schneider: Sebastian Hennigs
/ BUND; Wasserhahn: kaboompics / pixabay.com; Rhein:kathomenden /
fotolia.de;Kühe: Leon Ephraïm / unsplash.com; Waldbrand: Paulo M.F.
Pires / fotolia.de;


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[3]
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[4]
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Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#3

Klimacamp im Rheinland - 11. - 22. August 2018

in Aus der Welt der Wissenschaft 14.08.2018 11:51
von franzpeter | 8.857 Beiträge

Klimacamp im Rheinland - 11. - 22. August 2018

Homepage <http://www.klimacamp-im-rheinland.de/>


https://www.ksta.de/region/rhein-erft/kl...tungen-31098692
<https://www.ksta.de/region/rhein-erft/klimacamp-teilnehmer-setzen-auf-friedliche-veranstaltungen-31098692>




KR/KStA 13.08.2018

Johanna Winter vom Klimacamp "Wir müssen uns klarmachen, was auf uns zukommen
kann


Von Joachim Röhrig



Erkelenz -

Johanna Winter ist 25 Jahre alt. Hauptberuflich ist sie Gemüsebäuerin in
Niedersachsen. Sie gehört zum Organisations- und Sprecherteam des Klimacamps im
Rheinland
https://www.ksta.de/region/rhein-erft/kl...tungen-31098692
. Mit ihr sprach Joachim Röhrig.


In den vergangenen Wochen und Monaten wurden wir mit einer heftigen Hitze- und
Dürreperiode konfrontiert, und viele Menschen haben vielleicht zum ersten Mal
hautnah gespürt, was Klimawandel direkt vor der Haustür konkret bedeuten kann.

Wie haben Sie diese Wetterextreme wahrgenommen - einerseits als Landwirtin,
andererseits als Klimaschutzaktivistin?

Für mich als Landwirtin war und ist diese Dürre einfach nur ganz schlimm, eine
regelrechte Katastrophe, der ich überhaupt nichts Gutes abgewinnen kann.
Allerdings habe ich noch nie so viel wie in den vergangenen Wochen mit Menschen,
die sich sonst nicht so sehr mit dem Thema befassen, über den Klimawandel
gesprochen. Verdorrte Gärten, Wälder und Felder, Fischsterben in Seen und
Flüssen, drastische Ernteausfälle in der heimischen Landwirtschaft - all dies
hat viele Menschen sehr nachdenklich gemacht.


Positiv nutzbar ist diese Erfahrung aber nur, wenn wir alle sie jetzt wirklich
als Weckruf verstehen und uns klarmachen, was da noch alles auf uns zukommen
kann, wenn wir nicht schnell und entschlossen gegensteuern und Taten folgen
lassen. Und eine dieser Taten wäre auf jeden Fall der schnelle
Braunkohleausstieg.


Was erhoffen und erwarten Sie mit Blick auf diese Forderung von der Berliner
Kohlekommission?

Wir brauchen unverzüglich einen Sofortplan, der aufzeigt, wie der Ausstieg
innerhalb weniger Jahre sozialverträglich gestaltet werden soll. Das ist nach
unserer festen Überzeugung machbar und möglich.


Ein solcher Plan wäre unbedingt notwendig, aber mit Blick auf die Lobbyisten der
Energiewirtschaft und auf manche Politiker, die in dieser Kommission vertreten
sind, befürchte ich allerdings, dass dieser Plan nicht kommen wird.

Umso wichtiger ist, dass wir mit Aktionen wie unserem Klimacamp gemeinsam mit
den direkt Betroffenen die inhaltliche Diskussion intensivieren. Der offiziellen
Seite können wir das nicht überlassen; da wird zu wenig kommen. Deshalb
müssen wir den politischen Umgestaltungsprozess von der Basis her
beschleunigen.


Direkt betroffen sind im rheinischen Revier allerdings auch viele Tausend
Arbeitnehmer in den Tagebauen, den Kraftwerken und bei den Zulieferern. Was
sagen Sie diesen Menschen?

Ich habe großes Verständnis für die Ängste und Sorgen. Aber mit Blick auf
den Klimaschutz führt kein Weg daran vorbei: An diesen Arbeitsplätzen können
wir nicht noch jahrzehntelang festhalten. Aber der Verlust kann kompensiert
werden.

Ein konsequenter Ausbau der erneuerbaren Energien schafft viele neue
Arbeitsplätze, und der Rückbau der Kraftwerke und die Rekultivierung
garantieren Arbeit noch für viele Jahre. Auch sind zahlreiche Beschäftigte in
den Kraftwerken und Tagebauen in einem Alter, wo man mit sozialverträglichen
Frühverrentungssystemen Probleme lösen könnte, ebenso mit Umschulungen - wenn
man die Subventionen für die Braunkohle gezielt in den Strukturwandel umleiten
würden.


Mit der Gewerkschaft IG BCE sind wir da durchaus in einem guten Dialog. So
erwarten wir am Montagabend um 20 Uhr neben Menschen aus dem von Abbaggerung
bedrohten Dorf Keyenberg auch einen Gewerkschaftsvertreter zu einer öffentlichen
Podiumsdiskussion über das Thema "Rheinland der Zukunft".


Quelle:
https://www.ksta.de/region/rhein-erft/jo...-kann--31102370
<https://www.ksta.de/region/rhein-erft/johanna-winter-vom-klimacamp--wir-muessen-uns-klarmachen--was-auf-uns-zukommen-kann--31102370>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#4

Der Schlaf der Vernunft wird weiter Monster gebären

in Aus der Welt der Wissenschaft 15.08.2018 22:14
von franzpeter | 8.857 Beiträge

Der Schlaf der Vernunft wird weiter Monster gebären

Zu allererst müssen die Lebensgrundlagen geschützt werden - das ist die Mutter
aller Sachzwänge. Alles andere kommt danach.
Ist das nicht eigentlich
selbstverständlich? Doch sich heute auf diese Selbstverständlichkeit zu
besinnen und für sie einzutreten, wäre ein Zeichen von Mut und wahrer Größe,
die in der Politik kaum zu finden sind.

Der Ausstoß von Treibhausgasen hat weltweit von Jahr zu Jahr nicht ab-, sondern
deutlich zugenommen.
Die Konzentration von Kohlendioxid und anderen schädlichen
Molekülen steigt in der Atmosphäre stetig weiter an.


Der Emissionshandel ist gescheitert aufgrund von Tricksereien, zu denen es immer
kommt, wenn eine Sache Unternehmen und Politikern überlassen bleibt, die
Wirtschaft und Wachstum priorisieren.


Und wenn versprochene Klimaziele verfehlt werden, werden nicht die Maßnahmen
angemessen verstärkt, sondern - wie jüngst etwa von der Regierung in Berlin -
die Zielpunkte verschoben. Als gebe es Hoffnung auf einen Deus ex machina

https://de.wikipedia.org/wiki/Deus_ex_machina
<https://de.wikipedia.org/wiki/Deus_ex_machina> oder ein
Perpetuum mobile in den nächsten Jahren.

Eine der wichtigsten Ursachen ist der globale Siegeszug des Kapitalismus und
seiner Wachstumsideologie, die bereits jetzt zu einem viel zu wenig
kontrollierten Ressourcenverbrauch weit über die Regenerationsfähigkeit der
Erde hinaus geführt hat. Das ist logisch, und daran kann auch keine grün
galvanisierte Wachstumsideologie etwas ändern. Wachstum von Unternehmen und
Produktionen in einer Welt begrenzter Ressourcen geht irgendwann nur noch auf
Kosten der Umwelt oder durch Kannibalismus.


Die Politiker weltweit und die Menschen, die sie unterstützen, wollen keine
Veränderungen, die persönlichen Verzicht oder eine Einschränkung der Macht
bedeuten
.


Alle sozialen Bewegungen, die sich zum Ziel der notwendigen Veränderungen
bislang formiert haben, waren den Mehrheiten gegenüber zu schwach.

Der Schlaf der Vernunft wird weiter Monster gebären. Dass 2018 als jenes Jahr in
die Geschichtsbücher eingetragen wird, in dem die Menschheit endlich beginnt,
die notwendigen Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen, ist
unwahrscheinlich.





SZ 15. August 2018

Klimawandel

So verheizen wir die Welt

Angesichts der Erderwärmung fordern Wissenschaftler drastische Maßnahmen. Es
muss eine Revolution der Vernunft geben.

Essay von Markus C. Schulte von Drach



Der Planet Erde, Heimat der Spezies Mensch. (Foto: Nasa Goddard Space Flight
Center)

Es gab da diese Spezies auf einem kleinen Planeten in einem unbedeutenden
Seitenarm der Milchstraße, der es tatsächlich gelungen war, ihr Klima zu
verändern. Das Universum staunte - bis jemand darauf hinwies, dass das Ganze
ein Versehen war. Niemand auf der Erde hatte gewollt, dass die Gase, die über
Jahrzehnte in die Atmosphäre gepumpt wurden, zu einer Temperaturerhöhung
führen würden. Und niemand war darauf vorbereitet.

So ähnlich könnte sich der viel zu früh verstorbene Autor Douglas Adams ("Per
Anhalter durch die Galaxis") über die gegenwärtige Entwicklung auf der Erde
lustig machen. Und zu der Studie, in der jetzt eine Reihe von Wissenschaftlern
vor dem "Treibhaus Erde
<http://www.pnas.org/content/early/2018/07/31/1810141115> "
warnt, wenn nicht bald etwas geschehe, hätte er sich selbst zitieren können:
"Ich liebe Deadlines. Ich mag das Whoosh-Geräusch, dass sie machen, wenn sie
vorbeifliegen."

Dabei lässt sich die Lage kaum eindringlicher beschreiben als es die Forscher
tun: "Kollektives menschliches Handeln ist erforderlich, um das Erdsystem [...]
in einem bewohnbaren interglazialen Zustand zu stabilisieren. Ein solches Handeln
beinhaltet, die Verantwortung für das gesamte Erdsystem zu übernehmen -
Biosphäre, Klima und Gesellschaften [...]", schreiben die Wissenschaftler, zu
denen auch Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam Institut für
Klimafolgeforschung gehört.

Wer die Bemühungen von Wissenschaftlern und Umweltschützern seit den 1970/80er
Jahren
<https://www.nytimes.com/interactive/2018/08/01/magazine/climate-change-losing-earth.html>
verfolgt hat oder sogar Teil der Szene ist, schöpft vielleicht neue Hoffnung
angesichts der Berichte, Meldungen und Kommentare in den Medien zum Wetter und zu
der neuen Studie.

Oder auch nicht: Genau diese Hoffnung gab es vor mehr als 25 Jahren schon
einmal: Das Problem war erkannt, die Vereinten Nationen riefen zur
Klimakonferenz, viele Regierungen versprachen weitgehende Maßnahmen. Die
Menschheit würde das hinbekommen. Die Welt würde gerettet.


Bekanntlich war das eine Illusion. Der Ausstoß von Treibhausgasen hat weltweit
von Jahr zu Jahr nicht ab-, sondern deutlich zugenommen. Die Konzentration von
Kohlendioxid und anderen schädlichen Molekülen steigt in der Atmosphäre
stetig weiter an.


Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre

CO2-Moleküle auf eine Million Teilchen (ppm)

Messungen jeweils vom Ende des Jahres
Quelle: Nasa Rohdaten herunterladen

Begeistert wurde dann das Klimaabkommen von Paris 2016 gefeiert - von den
beteiligten Politikern. Die Experten wussten dagegen vom ersten Tag an, dass die
Beschlüsse nur in der Theorie zu dem vereinbarten Ziel führen würden, die
Erderwärmung auf zwei oder sogar nur 1,5 zusätzliche Grad Celsius seit der
Industrialisierung zu beschränken.


Im Sommer 2018 ist nun neben allen Meldungen zu Wetterextremen und
Katastrophenwarnungen vielerorts wieder die Botschaft zu hören: Wir können es
noch schaffen, der Klimawandel lässt sich noch stoppen. Immer wieder wird
aufgelistet, was dazu notwendig ist: Treibhausgasemissionen reduzieren,
Landwirtschaft umstellen, Fleischkonsum verringern und so weiter und so fort.


Globale Durchschnittstemperatur

im Vergleich zum Mittel der Jahre 1951-1980

Stand 2018
Grafik: mcs Quelle: Nasa Rohdaten herunterladen


Doch der Optimismus geht nach hinten los. Was die Menschen in den
Industrieländern dazu bewegen soll, die Herausforderung endlich anzugehen, wirkt
wie ein Beruhigungsmittel. Wenn es noch zu schaffen ist, wird es schon nicht so
schlimm werden. Eine trügerische Hoffnung.


Zugleich schnappt die eine große Falle der Demokratie zu: das Delegieren der
Verantwortung.
Die Politikerinnen und Politiker sollen es richten, dafür werden
sie gewählt. Sie sollen es aber nicht so tun, dass es wirklich weh tut. Würde
die Politik tatsächlich handeln, wie es notwendig ist, würden ihre Vertreter
abgewählt. Also tun sie es nicht.


Wir bräuchten eine Revolution der Vernunft

Wir bräuchten eine Revolution von oben. Eine Bewegung der Vernunft in der
politischen Kaste weltweit, die ihren Wählerinnen und Wählern in einem Punkt
keine Wahl mehr lassen darf: Zu allererst müssen die Lebensgrundlagen geschützt
werden - das ist die Mutter aller Sachzwänge. Alles andere kommt danach. Ist das
nicht eigentlich selbstverständlich? Doch sich heute auf diese
Selbstverständlichkeit zu besinnen und für sie einzutreten, wäre ein Zeichen
von Mut und wahrer Größe, die in der Politik kaum zu finden sind.

Und so waren und bleiben alle bisher getroffenen Maßnahmen weitgehend
wirkungslos.


Die positiven Effekte, die etwa die neuen, effektiveren oder sogar alternativen
Wege der Energiegewinnung haben, werden aufgefressen vom wachsenden, nicht
kontrollierten Energieverbrauch - nicht nur in China oder Indien. In Deutschland
etwa sind die Treibhausgasemissionen zwischen 1990 und 2009 zwar um mehr als ein
Viertel gesunken. Seitdem aber hat sich hier nur noch wenig getan. Denn es
wächst in der Bevölkerung der Bedarf an Luxusgeräten, überdimensionierten
Fahrzeugen und Fernflügen.

Der Emissionshandel ist gescheitert aufgrund von Tricksereien, zu denen es immer
kommt, wenn eine Sache Unternehmen und Politikern überlassen bleibt, die
Wirtschaft und Wachstum priorisieren.

Und wenn versprochene Klimaziele verfehlt werden, werden nicht die Maßnahmen
angemessen verstärkt, sondern - wie jüngst etwa von der Regierung in Berlin -
die Zielpunkte verschoben.
Als gebe es Hoffnung auf einen Deus ex machina oder
ein Perpetuum mobile in den nächsten Jahren.

Dabei geht es ja schon lange nicht mehr darum, die Menschen in den
Industrieländern ausreichend mit Nahrung, Wasser, Wohnraum, Gesundheit und
Bildung zu versorgen. Davon gibt es dort inzwischen ausreichend - auch wenn alles
gerechter verteilt sein könnte. Selbst in vielen Entwicklungsländern und
Staaten wie China und Indien gibt es auf diesen Gebieten zum Glück große
Fortschritte. Doch so wie es seit Jahrzehnten läuft, bedroht der dortige
Fortschritt ebenfalls Klima und Umwelt.

Eine der wichtigsten Ursachen dafür ist der globale Siegeszug des Kapitalismus
und seiner Wachstumsideologie, die bereits jetzt zu einem viel zu wenig
kontrollierten Ressourcenverbrauch weit über die Regenerationsfähigkeit der
Erde hinaus geführt hat.

Das ist logisch, und daran kann auch keine grün galvanisierte Wachstumsideologie
etwas ändern
. Wachstum von Unternehmen und Produktionen in einer Welt begrenzter
Ressourcen geht irgendwann nur noch auf Kosten der Umwelt oder durch
Kannibalismus.

Deshalb muss die Kontrolle über die wichtigsten Produkte und Produktionsmittel,
über Mobilität, Wohnen, Digitalisierung nach Kriterien der Vernunft erfolgen -
nicht mehr mit dem Ziel der Gewinnmaximierung, sondern mit dem Ziel, alle
Menschen angemessen zu versorgen.


Das bedeutet: Die Staaten müssen die Kontrolle in vielen Bereichen denen wieder
aus der Hand nehmen, denen sie im Rahmen der "Thatcherisierung", der
"Reagonomics", der "Neuen Mitte", des "Dritten Weges", der Neoliberalisierung und
Globalisierung überlassen wurde. Sie verdienen nicht länger unser Vertrauen.


Mit dem Titel eines ihrer Bücher trifft die kanadische Journalistin Naomi Klein
den Punkt: Wir müssen uns entscheiden zwischen Kapitalismus und Klimaschutz.

Über das alles ließe sich weiter diskutieren, lägen die Klimaforscher falsch
mit ihrer Forderung an die Menschheit, endlich Verantwortung für das gesamte
Erdsystem zu übernehmen - und zu handeln.
Dieses Handeln "könnte die
Dekarbonisierung der Weltwirtschaft, die Verbesserung der Kohlenstoffspeicher der
Biosphäre, Verhaltensänderungen, technologische Innovationen, neue
Vereinbarungen zur Regulierung und veränderte soziale Werte umfassen".

Und noch einmal betonen sie: "Wir gehen davon aus, dass eine weitgehende
Umwandlung notwendig ist
, die auf einer fundamentalen Neuorientierung in Bezug
auf menschliche Werte, Gerechtigkeit, Verhalten, Institutionen, Wirtschaften und
Technologien basiert."


Selbst Veränderungen in der Demographie seien wichtig, schreiben sie - eine
eigentlich selbstverständliche, aber trotzdem mutige Feststellung, denn sie
meinen damit ein Ende des Bevölkerungswachstums. Es sei der "wichtigste Auftrag
des Menschen, seine Reproduktion zu zügeln", warnte schon 1995 der Präsident
der Max-Planck-Gesellschaft, Hubert Markl.


Das, wovon die Wissenschaftler hier sprechen, sind nichts anderes als
revolutionäre Veränderungen. Doch es gibt wenig Grund zu glauben, dass es
soweit kommen könnte. "Die Hoffnung auf solch eine Revolution erscheint mir wie
eine reine Illusion", kommentiert etwa der bekannte US-Journalist und Autor Roy
Scranton die Studie
auf Twitter.

Damit dürfte er richtig liegen.

Die Politiker weltweit und die Menschen, die sie unterstützen, wollen keine
Veränderungen, die persönlichen Verzicht oder eine Einschränkung der Macht
bedeuten.
Alle sozialen Bewegungen, die sich zum Ziel der notwendigen
Veränderungen bislang formiert haben, waren den Mehrheiten gegenüber zu
schwach.

Die zahllosen Bücher und Filme, die die Probleme aufzeigen und Lösungen
anbieten, werden hochgelobt, aber kaum gelesen.

Wo sind die 99 Prozent von "Occupy"? Wo sind die Empörten, die dem Aufruf von
Stéphane Hessel folgen? Wer spricht noch über "Das Kapital im 21. Jahrhundert"
von Thomas Piketty? Wer verzichtet wie der Soziologe Harald Welzer auf ein
Smartphone?


Der Schlaf der Vernunft wird weiter Monster gebären.

Dass 2018 als jenes Jahr in die Geschichtsbücher eingetragen wird, in dem die
Menschheit endlich beginnt, die notwendigen Maßnahmen gegen den Klimawandel zu
ergreifen, ist unwahrscheinlich.
Es wird einmal mehr "Whoosh" machen, und Douglas
Adams würde sich an dem Geräusch diesmal vielleicht doch nicht erfreuen.


Quelle:
https://www.sueddeutsche.de/politik/klim...-welt-1.4087750
<https://www.sueddeutsche.de/politik/klimawandel-so-verheizen-wir-die-welt-1.4087750>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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