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#1

Bio-Tresore können ein Drittel der gefährdeten Pflanzen nicht retten

in Aus der Welt der Wissenschaft 19.11.2018 19:47
von franzpeter | 9.789 Beiträge

5. November 2018, 12:33 Uhr
Botanik
Bio-Tresore können ein Drittel der gefährdeten Pflanzen nicht retten
https://www.sueddeutsche.de/wissen/botan...etten-1.4194204

Bis zum Jahr 2020 sollen mindestens 75 Prozent der bedrohten Pflanzenarten gesichert sein, so sieht es ein internationales Umweltabkommen vor.
Dazu werden an vielen Orten Biobanken eingerichtet.
Doch die gängige Methode der Einlagerung schadet den Samen, warnen Forscher jetzt.

Von Tina Baier
Überall auf der Welt bauen Wissenschaftler derzeit Bio-Tresore auf, in denen sie unter anderem die Samen von Pflanzen einlagern. Ziel dieser Projekte ist es, so viele Arten wie möglich vor dem Aussterben zu retten und für die Nachwelt zu erhalten. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn weltweit verschwinden Arten in einem derart rasanten Tempo, dass die Biologen mit ihrer Arche-Noah-Aktion kaum nachkommen. Bis zum Jahr 2020 sollen mindestens 75 Prozent der bedrohten Pflanzenarten gesichert sein, so sieht es ein internationales Umweltabkommen vor.
Eine gerade in der Fachzeitschrift Nature Plants veröffentlichte Untersuchung verpasst diesen Bemühungen jetzt einen zusätzlichen Dämpfer. Drei Wissenschaftler der Königlichen Botanischen Gärten von Kew im Südwesten von London berichten, dass viele Pflanzen, darunter 36 Prozent der als stark gefährdet eingestuften Arten und 33 Prozent aller Bäume gar nicht gerettet werden können. Zumindest nicht mit der derzeit gängigen Methode, bei der die Samen zuerst getrocknet und dann bei minus 20 Grad Celsius gelagert werden. Die Samen dieser Pflanzen können nämlich nicht mehr auskeimen, wenn man sie trocknet.

Globaler Saatgut-Tresor wird erstmals benötigt
Im ewigen Eis Spitzbergens lagern Samen von Kulturpflanzen aus allen Winkeln der Erde. Jetzt wird der Tresor geöffnet: der Syrien-Krieg ist schuld. Von Christoph Behrens mehr ...
Schätzungen zufolge haben etwa acht Prozent aller Pflanzenarten weltweit solche trocknungsempfindlichen Samen. Besonders hoch ist der Anteil in den tropischen Regenwäldern, wo wahrscheinlich die Hälfte aller Bäume betroffen ist. Doch auch viele europäische Baumarten fallen in diese Kategorie, darunter Eichen, Rosskastanien und Süßkastanien. Auch Pflanzen, die für die Ernährung der Menschen wichtig sind, gehören dazu: Avocados zum Beispiel, Mangos und Kakao. Die meisten Getreidekörner keimen nach der Trocknungsprozedur hingegen problemlos wieder aus.
Doch die Zahl der Arten, die diese Methode nicht vertragen, ist der aktuellen Untersuchung zufolge viel höher als bisher vermutet. "Das Ziel, 75 Prozent der Pflanzenspezies bis zum Jahr 2020 zu sichern, ist so nicht zu erreichen", schreiben die Wissenschaftler in ihrer Untersuchung. Sie plädieren dafür, Alternativen zu entwickeln, mit denen auch die Samen trocknungsempfindlicher Pflanzen haltbar werden können. Eine Möglichkeit wäre nach Ansicht der drei Kew-Botaniker die sogenannte Kryokonservierung. Bei dieser Methode wird zunächst der Pflanzenembryo aus dem Samen entnommen und dann bei minus 196 Grad Celsius in Flüssigstickstoff eingefroren.

Weltweit gibt es bisher etwa 1400 Bio-Tresore für die Samen von Pflanzen
Die Autoren der Studie wollen die Kryokonservierung in ihrer eigenen Samenbank, der Millenium Seed Bank in Wakehurst Place, die zu den Königlichen Botanischen Gärten von Kew gehört, testen und so weiterentwickeln, dass sie überall auf der Welt eingesetzt werden kann. Die Konservierung in Flüssigstickstoff ist zwar viel aufwendiger als die bisher übliche Trocknung und Lagerung bei minus 20 Grad Celsius, hat aber noch einen weiteren Vorteil. Bei minus 196 Grad Celsius verlängert sich nämlich die Lebensdauer der meisten Samen, auch solcher, die problemlos getrocknet werden können.
Weltweit gibt es derzeit etwa 1400 Bio-Tresore, in denen die Samen von Pflanzen aufbewahrt werden. Die bekannteste neben der Millenium Seed Bank in Wakehurst ist der Global Seed Vault auf Spitzbergen, etwa 1300 Kilometer vom Nordpol entfernt. Als der Speicher vor gut zehn Jahren in Betrieb genommen wurde, dachte man, wegen der konstant kalten Temperatur im Permafrost den absolut sicheren Ort gefunden zu haben. Mittlerweile ist aber klar, dass wegen des Klimawandels sogar der Permafrost auftaut.

Quelle sz


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#2

Ausreißpflicht für die Herkulesstaude

in Aus der Welt der Wissenschaft 19.11.2018 19:52
von franzpeter | 9.789 Beiträge

19. November 2018, 18:10 Uhr
Botanik in Russland
Ausreißpflicht für die Herkulesstaude


Der (gelegentlich auch die) Riesen-Bärenklau ist eine zwei- bis mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler. https://www.sueddeutsche.de/panorama/bot...taude-1.4217347

Bärenklau, auch Herkulesstaude genannt, stammt ursprünglich aus dem Kaukasus, ist aber in Russland längst zur Plage geworden.
Bis zu eine Million Hektar Land soll das Doldengewächs überwuchern, das mehrere Meter hoch werden kann.
Wer Bärenklau im Garten hat, vor seiner Datscha oder auf dem Feld, muss ihn loswerden, sonst drohen Geldstrafen.

Von Silke Bigalke, Moskau
Einen großen Bogen drumherum - etwas anderes kann man mit dem Bärenklau kaum machen. Der Saft dieser Pflanze ist giftig, reagiert auf der Haut mit Sonnenlicht, phototoxisch. Dann kann er Ausschlag verursachen, aus dem große Blasen werden und dann nässende Wunden. Als hätte man sich verbrannt. Also: Finger weg! Doch genau das geht in Moskau und Umgebung nun nicht mehr. Es herrscht neuerdings Ausreißpflicht.
Bärenklau, auch Herkulesstaude genannt, stammt ursprünglich aus dem Kaukasus und ist in Russland längst zur Plage geworden. Bis zu eine Million Hektar Land soll das Doldengewächs überwuchern, das mehrere Meter hoch werden kann. In der Region um Moskau gibt es daher eine neue Regel: Wer Bärenklau im Garten hat, vor seiner Datscha oder auf dem Feld, muss ihn loswerden, sonst drohen Geldstrafen. Ein Unternehmen zahlte russischen Medien zufolge bereits 400 000 Rubel Strafe, etwa 5300 Euro, weil es dem giftigen Kraut keinen Widerstand geleistet hat.

Eindringlinge im Beet
Ein Fünftel aller zugewanderten Tiere und Pflanzen bedroht in der neuen Heimat andere Lebewesen. In Deutschland ist das zum Beispiel der Waschbär. Von Tina Baier mehr ...
Dabei kämpft man hier gegen ein hausgemachtes Problem. Den Kartoffelkäfer konnte man früher vielleicht noch den Amerikanern anhängen. Die hätten die Schädlinge aus Flugzeugen heraus über sozialistischen Feldern abgeworfen, lautete ein Gerücht in der ehemaligen DDR. Von der Herkulesstaude dagegen versprach man sich nur Gutes. Angeblich war es Josef Stalin persönlich, der sie großflächig als Futterpflanze anbauen ließ. Was man nicht bedacht hatte: Die Milch der Kühe wird dadurch bitter. Mit dem Ende der Sowjetunion wuchsen die Stauden dann wild und unkontrolliert - und den Menschen über den Kopf. Nicht nur in Russland.

In Polen nennt man die Pflanze heute auch "Stalins Rache". In Deutschland ist der Riesenbärenklau 2008 zur "Giftpflanze des Jahres" gekürt worden. Die EU setzte ihn auf die Liste der unerwünschten Eindringlinge, der invasiven Arten. Dort, wo er wächst, haben andere Pflanzen wenig Chancen. Dabei kam der Bärenklau einst als Geschenk in den Westen. Während des Wiener Kongresses soll Zar Alexander I. die Samen dem Fürsten von Metternich mitgebracht haben. Ein Bärendienst.


Die britische Band Genesis widmete der Staude 1971 sogar einen Song. In "The Return Of The Giant Hogweed" bricht die Giftpflanze aus den Gewächshäusern aus, um die Städte zu erobern. Sie rächt sich dafür, dass sie aus ihrer Heimat verschleppt wurde, und siegt über die Menschheit. "Giant Hogweed lives!" Das ist das Ende vom Lied.

Quelle: sz


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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