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Superlative, aufsteigend sortiert

in Aus der Welt der Wissenschaft 05.07.2019 10:48
von franzpeter | 9.530 Beiträge

Superlative, aufsteigend sortiert
Sommerzeit, Hitzerekord, schlimmste Nachrichten aller Zeiten. Wir fassen es nicht, was dauernd los ist. Und das nächste Schneechaos wird sicher das Fürchterlichste. Hier sind noch ein paar Anregungen.

Eine Kolumne von Thomas Fischer
Donnerstag, 04.07.2019 13:47 Uhr


Kolumne
Das Humorvollste
Der berühmteste Journalist von Frankfurt - mit, wie dieses Magazin kürzlich enthüllte, einem Gehalt von "enormer" Höhe - hat am 29. Juni eine seiner vorschriftsgemäßen Kolumnen veröffentlicht. Bei dieser Literaturgattung handelt es sich nach Auskunft von Wikipedia um einen "Meinungsbeitrag, der sich meist über nicht mehr als eine Zeitungsspalte erstreckt" und "meist regelmäßig an gleicher Stelle" erscheint. Die Kolumne vom Taunushang war daher wie meist regelmäßig genau eine Spalte, also exakt so lang, wie der Humor dauert. Der Kolumnist mit dem Kürzel bko nahm sich diesmal des Themas der Doppelspitzensuche an, und die Erwähnung des Duos Schwan & Kühnert trug ihn, über Dick & Doof, Don Camillo & Peppone, Giffey & Sarrazin usw., bis ganz nach unten zu Bosbach & Polenz. Weiteren Brüllern stand das Spaltenende entgegen: Ochs und Esel, Cäsar und Cleopatra, von Goethe und von Levetzow, Baader und Meinhof.


Am Wegesrand fielen ein paar Scherze ab: Kühnert muss erst seine Eltern fragen, und Polenz ist "der lebende Beweis, dass man auch im Alter noch ein erfülltes Digitalleben haben kann". Damit ist locker das Niveau unserer Lieblingshumoristin erreicht, die in der ARD "den Thorsten, den Schäfer und den Gümbel" vorschlug, weil der "mehr Dioptrien" habe als AKK. Aber bko kann's noch besser: Es findet sich, so meinte er, angesichts der Perspektiven eines SPD-Vorsitzenden kein Kandidat, "der nicht einen Zitteranfall bekommt". Das ist, wie man neidlos anerkennen muss, humormäßig großartig. Es bringt den zeitlos-analytischen und den menschlich-feinen Geist der enormen Zeitung so zusammen, dass man gar nicht weiß, warum einem übel wird. "Beim Austeilen, selbst in den unteren Regionen, ist er unübertrefflich", erregte sich bko einst über einen, der ihn kritisiert hatte (6.5.2016).
Aber wir wollen über dem Niveauvollsten das Anrührendste nicht übersehen: Es gibt, so bko, "alte" weiße Männer, und "ältere". Die Letzteren sind, obwohl die Grammatik es anders sieht, biologisch deutlich jünger als die alten, also etwa mittelalt, im besten Kolumnistenalter. Da hat's noch Zeit mit dem Zittern. Jedenfalls solange es nicht psychogen ist.

Das Gewissenhafteste
Art. 20 Abs. 2 und 3 Grundgesetz formulieren ein paar einfach klingende Regeln über Funktion und Wesen des Staates:
"Alle Staatsgewalt (...) wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt. Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden."

Diese Worte kennt jeder Bankkaufmann und Realschullehramtskandidat, jeder Master und Magister, ob mit oder ohne Promotion aus Prag. Erst recht alle Berufspolitiker, die schon mit 18 geschworen haben, von nun an alles von allem zu verstehen. Wenn solch einer es in ein Staatsamt schafft, wandelt er sich zur vollziehenden Gewalt und ist an Gesetz und Recht gebunden. Und an das Gewissen. Letzteres tritt allerdings nur in besonders gravierenden Einzelfällen in Aktion, beispielsweise bei der Frage, ob andere Menschen abtreiben oder Sterbehilfe in Anspruch nehmen dürfen, oder ob es eine Gleichbehandlung ist, wenn Rothaarige Abgaben zahlen müssen und Schwarzhaarige nicht. In weniger heiklen Fällen, etwa bei der Frage nach einem Kriegseinsatz der Bundeswehr, entscheidet statt des Gewissens der Fraktionsvorstand, weil es ja schnell gehen muss. Wohl dem, bei dem sich beides vereint! Das kann zum Beispiel vorkommen, wenn ein ehemals aus Gewissensgründen an der Kriegsdienstleistung gehinderter zukünftiger Traumverteidigungsminister sich die Sache noch mal durch den Kopf gehen lässt.
Richter sind auch ans Recht gebunden, ans Gewissen sowieso. Zunächst aber ans Gesetz. Wenn man als Richter an einem obersten Bundesgericht über die Anwendung einer Gesetzesnorm zu entscheiden hat, die man hirnrissig, fehlerhaft oder widersprüchlich findet, kann man nicht einfach einen persönlichen Nichtanwendungserlass verkünden. Sondern man muss prüfen, ob das Gesetz nur falsch oder vielleicht verfassungswidrig ist. Und nur im letzteren Fall darf man es - vorläufig! - nicht anwenden, muss dann aber die Sache dem Bundesverfassungsgericht vorlegen (Art. 100 Abs. 1 GG). Das ist der Grundsatz.
Die Praxis hält eine Palette von Möglichkeiten bereit, die Anwendung ungeliebter Regelungen zu vermeiden, ohne das furchtbare Risiko einzugehen, dass die eigene Meinung vom Bundesverfassungsgericht öffentlich als unzutreffend bezeichnet werden könnte. Denn diese Schmach drückt einen Bundesrichter nieder auf immerdar.
Ein anderer Grundsatz lautet: Die Verwaltung (ausführende Gewalt) ist an rechtskräftige Entscheidungen der Rechtsprechung gebunden, die sie betreffen. Bundesbehörden haben also rechtskräftige Entscheidungen zu beachten und umzusetzen, die zu Maßnahmen dieser Behörden ergangen sind. Zum Beispiel die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 2. März 2017 (Az. 3 C 19.15), wonach das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) von Verfassung wegen verpflichtet ist, unheilbar Kranken in ausweglosen, extremen Notlagen den Erwerb von Medikamenten zur Selbsttötung zu ermöglichen. Die Aufsichtsbehörde des BfArM, der Bundesgesundheitsminister, erteilte daraufhin (aus "ethischen" Gründen) die Weisung, dem Urteil nicht Folge zu leisten; sein Amtsnachfolger hält bis heute daran fest. Das ist ein (fast) beispielloser Akt der Missachtung.

Die Presse, die sich gern über Herrn Trumps Verhöhnung der Justiz ereifert, hält den Minister des Gewissens für kanzlerfähig.
Noch schwieriger ist es, wenn sich das Gewissen mit der Politik, dem Bayerischen Wahlkampf und überhaupt dem Ausländer verbindet. In diesem Fall ist ein Doktor der kleinen Prager Philosophie zurückgeworfen auf das, was ihm jeder Menschenverstand und der Herr Ministerpräsident sagen. Das habe er ja noch nie gehört, sagte der Magister der Politik, gleich nachdem er sich kürzlich von einer Überraschung erholt hatte: dass "die Politik" (er meinte sich) auf ein Urteil des EuGH warten müsse. Da hat er vermutlich Recht. Allerdings: Wenn in allen Gutachten außer den selbst angeordneten steht, dass eine geplante Maßnahme vermutlich rechtswidrig ist, und man dann diese Maßnahme besonders schnell und nachdrücklich anordnet, wird für so etwas in der freien Wildbahn gelegentlich der Begriff "Untreue" verwendet.

Dieses Wort ist allerdings zur Anwendung auf Regierungspersonal nicht wirklich zugelassen. Außerdem kann es ja auch gar nicht sein, denn da müsste man ja einen Schaden für das betreute Vermögen für möglich halten und billigend in Kauf nehmen. Und das ist bei Ministern praktisch ausgeschlossen. Außerdem würde kein Mensch, der nicht skrupellos oder bar jedes Verstands ist, einen Schaden von 600 Millionen Euro an dem von ihm zu betreuenden Vermögen in Kauf nehmen, bloß um eine läppische Wahl zu gewinnen oder beim Herrn äh, Dings nicht in Ungnade zu fallen.

Das Größte
Es gibt Plattformen nicht nur im All, sondern auch im Internet, Einrichtungen zur kommunikativen Verknüpfung von Marktakteuren: Ebay zum Beispiel, Parship oder YouPorn, um drei Marktführer zu nennen. Außerdem "Drogenplattformen". Am 29. Juni konnte man lesen: "BKA zerschlägt größte deutsche Drogenplattform" ("FAZ", Seite 1). Da erinnerten wir uns gleich an den 3. Mai auf sueddeutsche.de: "Zweitgrößter illegaler Darknet-Marktplatz ausgehoben". Es war, wie man erfuhr, "einer der größten" sowie "der weltweit zweitgrößte". Außerdem war noch von "einer finnischen Plattform" die Rede, wohingegen "die größte" schon 2013 geschlossen worden sei.
Jetzt ist also die größte von Deutschland "zerschlagen". In eineinhalb Jahren soll dort ein Umsatz von zwei Mio. Euro für Cannabis, Amphetamin und andere Betäubungsmittel abgewickelt worden sein. Wenn das "die größte" war, kann mit den anderen allerdings nicht viel los sein: Bei sehr zurückhaltend geschätzten 400.000 regelmäßigen (und zwei Millionen gelegentlichen) Konsumenten allein von Cannabis und einem Jahresverbrauch von mindestens 250 Tonnen in Deutschland ist ein Jahresumsatz von 1,3 Mio., von dem nur ein Teil Cannabis betraf, ziemlich mickrig.

Unklar blieb, welche Erkenntnisse den Superlativ stützen. Um zu wissen, wer "die Größte" ist, muss man ja die Mitbewerber kennen. Dann wiederum müsste es mit dem "Zerschlagen" und dem "Ausheben" eigentlich flott vorangehen. Der Vorgang selbst wird in den Pressemeldungen als "Abschalten" beschrieben. Es sollen elf Personen (vorläufig) festgenommen worden sein, die so oder so in die noch unbekannten Taten involviert waren: "Ihnen drohen Haftstrafen zwischen fünf und fünfzehn Jahren" ("FAZ"). Das ist der gesetzliche Strafrahmen des § 30a Betäubungsmittelgesetz (BtMG) für "bandenmäßiges Handeltreiben mit BtM in nicht geringer Menge". An der beliebten Formulierung von der "Freiheitsstrafe von…", die "nun droht", erkennt der geübte Leser, dass der jeweilige Autor keine Ahnung, aber mal jemanden gefragt hat, der, weil er schlau war, nichts Konkretes gesagt hat. Mit Sätzen wie (beispielhaft) "Gestern wurde eine 14-Jährige beim Klauen von Nagellack erwischt. Nun drohen ihr zehn Jahre Gefängnis" rundet man gern einen Bericht von der Kriminalitätsfront ab. Da gruselt sich der Leser, und so richtig falsch ist's ja auch nicht. Nur sinnlos. Warten wir's also auch beim Plattformzerschlagen mal ab.
Bestimmt gibt's schon bald den nächsten Rekord. Ich meine nicht den des deutschen Brauerverbandes, der schlicht unvermeidlich ist und zu gegebener Zeit eine frohe Sondermeldung in "Börse vor Acht" veranlassen wird. Mit einem Jahresdurchschnittsverbrauch von 11,8 Litern reinem Alkohol, gerade mal 100 Litern Wein, liegt Deutschland hinter Andorra und Luxemburg. Wenn man Kinder, alte Frauen, Muslime und Abstinenzler herausrechnet, kommt man dem Kern schon näher, aber das ist so steigerungsfähig wie die Spielübersicht beim Frauenfußball.

Nun könnten wir abschließend noch fragen, was genau das BKA während der 18 Monate in Sachen "größte Plattform" ermittelt hat, und wie hoch die Menge war, die währenddessen unter dem Statistik-Auge des Bundesheimatministers an Männer und Frauen gebracht wurde. Aber das wäre für den Durchschnittsleser bestimmt zu kompliziert.

Das Schlimmste
Am 27. 6. hat vor dem Landgericht Detmold der Strafprozess in Sachen "Lügde" begonnen. Der Tatvorwurf betrifft, so die "SZ" am 22. Juni, "das Unvorstellbare", nämlich "einen Fall von sexueller Gewalt gegen Kinder, wie er in Nordrhein-Westfalen noch nie vorgekommen ist". Die Kriterien dieses Rekords sind: "33 geschändete Kinder, drei mutmaßliche Täter, mehr als 450 angeklagte Einzeltaten". Wie die Zahlen von Opfern, Beschuldigten und Einzeltaten zur Summe des "noch nie Vorgekommenen" addiert und zum "Unvorstellbaren" umgerechnet wurden, erfährt man nicht. Vielleicht darf man das auch gar nicht fragen, weil es den Verdacht begründen könnte, dass einmal mehr die Opfer verhöhnt, die Taten verharmlost und die Täter entschuldigt werden sollen. Im Mitgefühl für Kinder wie im Abscheu vor ihrer Misshandlung macht den Deutschen niemand etwas vor. Was der Menschverächter Trump 300 Kindern in einem texanischen Durchgangslager antut, kann in den Lagern der von uns bezahlten Hilfstruppen in Griechenland, Italien, Libyen und der Türkei gar nicht vorkommen.
Nun könnte man unter dem Stichwort "nie vorgekommener Fall von sexueller Gewalt gegen Kinder in NRW" noch kurz zusammenzucken und an Jürgen Bartsch denken, der zwischen 1962 und 1966 in Velbert vier Kinder auf grausame Weise ermordete. Aber die Journalisten, die den dreiseitigen "Werkstattbericht" der "SZ" schrieben, sind 32, 40 und 51 Jahre alt und können sich vielleicht an Bartsch, der 1976 im Landeskrankenhaus Eickelborn starb, nicht erinnern.

Vermutlich kennen sie auch die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs in Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs nicht. Da sind nämlich Fälle mit jahrzehntelangen Tatserien, zahlreichen Tatopfern und Anklagen von vielen Hundert oder Tausend Einzelfällen nicht "unvorstellbar", sondern an der Tagesordnung. "Zwischen dem fünften und dem 14. Geburtstag des Geschädigten wöchentlich mindestens zweimal…" lauten, beispielhaft, Anklagen: Das wären rechnerisch 1040 Taten, abzüglich Sicherheitsabschlag für Urlaub, Krankheit und Klassenfahrten - gestanden, festgestellt und abgeurteilt werden dann vielleicht 750 Taten. Wer soll noch präzise wissen, ob ein gleichförmiger Tatablauf am Donnerstag vor sieben Jahren vor oder nach dem Einkaufen stattfand?
Über die Randfiguren des Geschehens, die Gegenstand der großangelegten "SZ"-Recherche sind, lesen wir: "Und niemand will etwas gemerkt haben." Das formuliert einen Verdacht, der vage und verletzend, für den, der ihn äußert, aber risikolos ist. Wer etwas "nicht bemerkt haben will", behauptet Unwissenheit, um - mindestens moralische - Mitschuld vor anderen und vielleicht sich selbst zu verbergen. Solche Verdächtigungen sagen sich leicht dahin, nachdem Unglücke geschehen, Taten aufgedeckt, Abläufe offenbar geworden sind. Aber ein jeder mag sich einmal fragen, was in seinem eigenen Lebensumfeld vielleicht gerade jetzt geschehen könnte, was er später "nicht bemerkt haben will".
Diese Kolumne befasst sich - vorsorglich gesagt - nicht mit den in Detmold angeklagten Taten, der Beweislage oder der rechtlichen Beurteilung. Das alles kann man vorerst dem Gericht überlassen. Ihr Interesse gilt den großformatigen, blutrot-fehlfarbenen Fotos des "SZ"-Berichts, die uns schnurstracks in das verborgene Entsetzen von David-Lynch-Filmen leiten, zum "Unvorstellbaren". Und ins unbestimmt Denunziative. Das halbseitige Titelfoto zeigt das Eingangstor zur Hölle, dem "Campingplatz Eichwald". Dann folgt eine Vorführung von entstellten, verlorenen Höllenbewohnern in ihrem unverständlichen Nichterkennen des sich Aufdrängenden. Investigativreporter, das lernen wir, könnten da nicht leben. Sie wohnen nicht in Campingwagen, sondern da, wo alle alles bemerken wollen.

Das Neueste
Da in Detmold weitere Rekorde vorerst nicht zu erwarten sind, ist man froh, wenn sich zeitnah etwas neu Unfassbares abzeichnet. Diesmal könnte es im Saarland spielen, wo zumindest der Ministerpräsident seine Fassungslosigkeit schon zu Protokoll gegeben hat, vorsorglich, damit alle wissen, dass er auf keinen Fall nichts gewusst haben will. Ich stelle mir immer gern vor, wie Ministerpräsidenten oder Großjournalisten fassungslos über dem Frühstück zusammenbrechen oder sich weinend an ihre Ehegatten klammern, wenn sie wieder einmal aus der Zeitung erfahren haben, dass sie etwas nicht bemerkt hatten. Auch Innenminister zeigen sich letztens gern fassungslos über das Ausmaß all der Verbrechen, die unter ihrer Führung nicht aufgeklärt werden.
Es geht um Folgendes: Ein vor Jahren im Alter von 36 verstorbener Assistenzarzt hatte möglicherweise im Rahmen seines Dienstes in einer kinderpsychiatrischen Klinik aus sexuell-pädophilen Motiven nicht indizierte "Untersuchungen" an einer unbekannten Anzahl von kindlichen Patienten durchgeführt. Er wurde, als Indizien dafür vorlagen, von der Klinikleitung bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Nach seinem Tod stellte diese das Verfahren ein, nachdem bis dahin konkrete Taten nicht ermittelt werden konnten. Eine Unterrichtung der möglichen Tatopfer bzw. ihrer Sorgeberechtigten unterblieb, um nicht mehr Schaden als Nutzen anzurichten. Opfer sind bis heute unbekannt; ob sie die möglichen Taten überhaupt bemerkt haben, weiß man nicht. Folgen, Schäden oder Weiterungen sind, soweit erkennbar, wohl nicht eingetreten.
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Dumm gelaufen, aber am Ende nochmal gut ausgegangen, könnte man meinen. Da hätte man aber die Rechnung ohne "Monitor", die ministeriale Fassungslosigkeit, die nachträglich zu traumatisierenden Eltern sowie die Fachkunde anwaltlicher Opferrechtsspezialisten gemacht! Ohne eine "lückenlose" Aufklärung geht auch hier gar nichts: Lassen sich nicht vielleicht doch noch ein paar Opfer finden, deren bisher unaufgedeckte Traumatisierung einen kleinen Schadensersatzanspruch gegen irgendjemanden begründen könnte?
Leiden Eltern unter Schlaflosigkeit, weil sie nicht wissen, ob ihr Kind vor fünf Jahren rechtswidrig angegrapscht wurde, ohne es zu bemerken? Wer hat Verantwortung? Wer will nichts bemerkt haben? Hätte man die Einstellung des Arztes nicht verhindern müssen? Hat die Presse versagt, die Ärztekammer, der Justizminister? Wer garantiert, dass Ähnliches zukünftig nie mehr geschehen kann? Niemand ist sicher, außer zweien: der fassungslose Ministerpräsident und der tote Täter.
Klimax
Was soll diese Sucht nach Superlativen? Jeder weiß doch, dass es extrem unwahrscheinlich ist, dass das Leben, die Gesellschaft, der Frauenfußball oder die Straftäter ununterbrochen Rekorde und Superlative hervorbringen. Oder dass Minister, Polizisten, Talk-Moderatoren oder Kolumnenschreiber ständig von einer Ohnmacht in die nächste fallen vor lauter Entrüstung. In Wirklichkeit, liebe Leser, ist es in der Welt ähnlich wie bei Ihnen daheim: Nicht alles, was geschieht, rechtfertigt die ganz großen Aufregungen. Manchmal aber geschieht schlimmes Unglück oder großes Glück. Für diese Gelegenheiten muss man sich ein bisschen Fassungslosigkeit aufheben.
Quelle: spiegel online


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