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Wasserbetriebe warnen Das Trinkwasser wird bis zu 62 % teurer - wenn sich nichts ändert

in Aus der Welt der Wissenschaft 29.08.2019 16:17
von franzpeter | 9.594 Beiträge

waz 28.08.2019

Nitrat

Gülle-Streit in EU hält an - Trinkwasser wird wohl teurer

Die EU und Deutschland können sich im Streit um Gülle und das enthaltene
Nitrat nicht einigen. Ändert sich nichts, leiden Verbraucher.

Christian Kerl und Verena Müller


Rückstände aus Gülle müssen aufwendig aus dem Grundwasser entfernt werden.
Das macht Trinkwasser teurer.


Brüssel. Im Streit um zu viel Nitrat im deutschen Grundwasser geht es nicht nur
um die Umwelt, sondern inzwischen um viel Geld: Für die Verbraucher droht es
teuer zu werden, wenn sie eine aufwendigere Trinkwasseraufbereitung über einen
höheren Wasserpreis bezahlen müssen.


Und die Bundesregierung muss in der Angelegenheit hohe Strafgelder fürchten -
denn wenn der jahrelange Konflikt mit der EU-Kommission um zu viel Dünger in
der Landwirtschaft nicht bald ausgeräumt wird, droht Deutschland letztlich eine
Strafe von rund 850.000 Euro. Pro Tag. So lange, bis die EU-Grenzwerte für
Nitratbelastung endlich eingehalten werden.


Es war deshalb eine heikle Reise, die Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und
Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch nach Brüssel
führte. Die beiden Ministerinnen, versuchten gemeinsam Umweltkommissar Karmenu
Vella davon zu überzeugen, dass die Bundesregierung nun doch auf dem richtigen
Weg bei der Reduzierung der zu hohen Nitratbelastung ist.


EU-Kommissar: Deutsches Grundwasser gehört zu "schlechtesten in der EU"

Ob die beiden beim Gülle-Rapport Punkte machen konnten, blieb zunächst offen,
auch wenn Klöckner und Schulze von einem "sehr konstruktiven Gespräch"
berichteten: Vella und seine Beamten wollen die deutschen Pläne erst prüfen.

Den deutschen Besucherinnen machte Vella aber klar, dass er sehr detaillierte
Pläne für den Trinkwasserschutz erwartet. Offenbar sind dazu weitere
rechtliche Verpflichtungen nötig
. Bis September soll nun die vollständige
Antwort Berlins an Brüssel folgen.

Im Frühjahr hatte Vella geklagt, die Grundwasser-Qualität in Deutschland
gehöre "zu den schlechtesten in der EU". An mehr als jeder vierten Messstelle
wird der EU-Grenzwert überschritten. In einigen Regionen wird das vier- bis
sechsfache des Zulässigen gemessen.
Das ist bedenklich.

Nitrat ist wichtig für das Pflanzenwachstum - und wird deshalb in Form von
Kunstdünger oder Gülle eingesetzt.

Der Anteil des Düngers, den die Pflanzen nicht verbrauchen, gelangt aber ins
Grundwasser.
Zu viel davon kann nicht nur die Natur aus der Balance bringen und
in den Gewässern zu hohem Algenwachstum führen.

Unter Umständen kann es auch die menschliche Gesundheit gefährden: In der
Menge, die Menschen über das Trinkwasser üblicherweise aufnehmen, gilt es zwar
für Erwachsene als unschädlich. Nitrate, umgewandelt in schädliche Nitrite,
sind aber ein Risiko vor allem für Kinder und Schwangere. Für Erwachsene
gelten die Stoffe in größeren Mengen zudem als krebserregend.



Wasserbetriebe warnen vor teurem Trinkwasser

Zwar sorgen die Wasserbetriebe dafür, dass das Trinkwasser nicht belastet ist.
Doch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) warnt, dass es
zunehmend aufwendiger werde, die Salze zu entfernen.


Die Preise für Trinkwasser könnten in den kommenden Jahren in einigen Regionen
bis zu 62 Prozent steigen, wenn sich die Düngepraxis nicht ändere.

Die EU-Kommission hat schon lange die Geduld verloren.


Sie hatte Deutschland wegen der jahrelangen Grenzwert-Überschreitungen vor dem
Europäischen Gerichtshof verklagt und voriges Jahr Recht bekommen

https://www.waz.de/politik/europaeischer...d214648855.html
<https://www.waz.de/politik/europaeischer-gerichtshof-verurteilt-deutschland-wegen-nitrat-id214648855.html>
.


Das Urteil bezog sich zwar noch auf ältere Düngeregeln: Die Bundesregierung
hatte die Vorgaben für Landwirte 2017 verschärft, aber aus Brüsseler Sicht
nicht ausreichend.
Auch neue Vorschläge, die die Regierung im Juni 2019
vorlegte, genügten der Kommission noch nicht. Nun versuchten es Schulze und
Klöckner abermals.
Klar war bereits, dass die Düngung in belasteten Gebieten um 20 Prozent gesenkt
werden soll.
Jetzt soll dort für einzelne Ackerfrüchte ein Düngeverbot im
Spätsommer gelten, auch die Dokumentationspflichten werden verschärft.

Der Deutsche Bauernverband organisiert bereits Protest. Er hält die von der
Kommission erzwungenen Regelungen für "überzogen". Es dürften nicht alle
Betriebe pauschal bestraft werden, selbst wenn ihre Nährstoffbilanz in Ordnung
sei, sagt der stellvertretende Generalsekretär, Udo Hemmerling.

Der Grundsatz müsse weiterhin sein, dass nach Bedarf der Pflanzen gedüngt
werden könne. Verbandspräsident Joachim Rukwied betont zudem, die schon in Kraft
getretenen Düngeverschärfungen gingen in die richtige Richtung und zeigten auch
schon Auswirkung.

Doch einfach abwarten, wie es dem Verband am liebsten wäre, wird die
Bundesregierung sicher nicht. Der Druck der EU ist zu groß. Und das
Nitrat-Problem ist längst eine tickende Zeitbombe
.



Quelle:
https://www.waz.de/politik/guelle-streit...d226920637.html
<https://www.waz.de/politik/guelle-streit-in-eu-haelt-an-und-trinkwasser-wird-wohl-teurer-id226920637.html>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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