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Klimakrise: Ein halbes Jahrhundert Zögern und Leugnen

in Aus der Welt der Wissenschaft 05.11.2019 13:33
von franzpeter | 9.685 Beiträge

crisis timeline

Fossil fuel companies have been aware of their impact on the planet since at
least the 1950s


Jonathan Watts, Garry Blight, Lydia Smears and Pablo Gutiérrez

The Guardian: https://www.theguardian.com/
half-century-dither-denial-climate-crisis-timeline
<https://www.theguardian.com/environment/ng-interactive/2019/oct/09/half-century-dither-denial-climate-crisis-timeline?fbclid=IwAR349kM-tpAs4CzpXfUb02vIk4qeB8m2zJlrgvR4bAEiZFuHkuzWuoHvyhg>




infosperber 29.10.2019

Klimakrise: Ein halbes Jahrhundert Zögern und Leugnen

Industrie und Politik sind seit Jahrzehnten vor der Klimakrise gewarnt. Sie
reagierten mit Ignoranz und Verleugnung.


Tobias Tscherrig

Die grössten Energiehersteller der Welt sind verantwortlich für ein Drittel
der CO2-Emissionen. © pixabay

Seit mehr als 50 Jahren werden die Mineralölindustrie und die Politik vor der
Verbrennung fossiler Brennstoffe und den entsprechenden negativen Auswirkungen
auf das Klima gewarnt. Statt sich zu ändern, expandiert die Industrie fleissig
weiter: Heute sind zwanzig Unternehmen für ein Drittel der weltweiten
CO2-Emissionen verantwortlich.


Der «Guardian» veröffentlichte eine beeindruckende Zeitleiste, die zeigt, wer
wann von dem Einfluss des CO2 auf das Klima wusste - und wie die unliebsamen
Tatsachen systematisch verleugnet wurden.


- 1959: Der Physiker Edward Teller erklärt dem American Petroleum Institute
(API), dass ein Anstieg des CO2 um zehn Prozent ausreicht, um die Eiskappe zu
schmelzen und New York unter Wasser zu setzen. Er sagt: «Ich denke, dass diese
chemische Kontamination ernster ist, als die meisten Leute glauben.»

- 1965: Der wissenschaftliche Beirat von Präsident Lyndon Johnson stellt fest,
dass «Schadstoffe den Kohlendioxidgehalt der Luft weltweit verändert haben».
Mit Auswirkungen, die «aus Sicht des Menschen schädlich sein könnten».
Zusammenfassend dargestellt, wurde die Industrie gewarnt: «Die Zeit läuft
ab.»

- 1970: Shell und BP beginnen mit der Finanzierung wissenschaftlicher Forschung
in Grossbritannien, um die Klimaauswirkungen von Treibhausgasen zu untersuchen.

- 1977: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Exxon teilen dem Management
mit, dass ein «überwältigender» Konsens darüber besteht, dass fossile
Brennstoffe für den Anstieg des atmosphärischen Kohlendioxids verantwortlich
sind.

- 1981: Ein internes Exxon-Memo warnt: «Es ist durchaus möglich», dass die
CO2-Emissionen aus dem 50-Jahres-Plan des Unternehmens zumindest für einen Teil
der Weltbevölkerung «später katastrophale Auswirkungen haben werden».

- 1988: Der NASA-Wissenschaftler James Hansen bezeugt vor dem US-Senat, dass der
«Treibhauseffekt erkannt wurde und unser Klima jetzt verändert». In der
US-Präsidentschaftskampagne sagt George Bush senior: «Diejenigen, die denken,
dass wir machtlos sind, etwas gegen den Treibhauseffekt zu tun, vergessen den
Effekt des Weissen Hauses. (...) Als Präsident beabsichtige ich, etwas dagegen
zu unternehmen.»

- 1988: Ein vertraulicher Bericht, der für den Umweltschutzausschuss von Shell
erstellt wurde, geht davon aus, dass CO2 die Temperaturen in den nächsten 40
Jahren um 1 bis 2 Grad Celsius erhöhen könnte, wobei die Veränderungen «die
grössten in der Geschichte» sein könnten. Er fordert ein rasches Handeln der
Energiewirtschaft. «Bis die globale Erwärmung erkennbar wird, könnte es zu
spät sein, wirksame Gegenmassnahmen zu ergreifen, um die Auswirkungen zu
reduzieren oder sogar die Situation zu stabilisieren.»

- 1989: US-Industriegruppen gründen die Global Climate Coalition (GCC), eine
Lobbying-Gruppe, die wissenschaftliche Erkenntnisse über die globale Erwärmung
bestreitet und Massnahmen zur Emissionsminderung verzögert. Exxon, Shell und BP
schliessen sich zwischen den Jahren 1993 und 1994 an.

- 1990: Exxon bezahlt die zwei Forscher Fred Seitz und Fred Singer, die den
Mainstream-Konsens in der Klimaforschung in Frage stellen. Beide wurden zuvor
von der Tabakindustrie bezahlt und stellten die Gefahren des Rauchens in Frage.
Singer, der bestritten hat, auf der Gehaltsliste der Tabak- oder
Energieindustrie zu stehen, sagte, dass seine finanziellen Beziehungen seine
Forschung nicht beeinflussen würden.

- 1991: Shells Informationsfilm «Climate of Concern» anerkennt, dass es eine
«Möglichkeit» gibt, dass sich das Klima schneller als jemals zuvor seit dem
Ende der Eiszeit verändern kann. Vielleicht so schnell, dass sich das Leben
nicht ohne Dislokation anpassen kann.

- 1992: Am Gipfel von Rio Earth unterzeichnen die teilnehmenden Länder das
weltweit erste internationale Abkommen zur Stabilisierung der Treibhausgase und
zur Verhinderung einer gefährlichen, vom Menschen verursachten Störung des
Klimasystems. Damit wird das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über
Klimaänderungen festgelegt. Bush senior sagt: «Die USA wollen beim Schutz der
globalen Umwelt weltweit führend sein.»

- 1997: Zwei Monate vor der Klimakonferenz von Kyoto schaltet Mobil (später
fusioniert mit Exxon) in der New York Times eine Anzeige mit dem Titel «Reset
the Alarm». Die Aussage: «Seien wir ehrlich: Die Wissenschaft des Klimawandels
ist zu unsicher, um einen Aktionsplan zu verlangen, der die Wirtschaft in
Aufruhr versetzen könnte».

- 1998: Die USA weigern sich, das Kyoto-Protokoll zu ratifizieren, nachdem die
Ölgesellschaften und der GCC heftigen Widerstand geleistet haben.

- 2009: Der US-Senator Jim Inhofe, dessen Geldgeber die Öl- und Gasindustrie
sind, leitet den «Climategate»-Fehlinformationsangriff auf Wissenschaftler am
Eröffnungstag der entscheidenden UN-Klimakonferenz in Kopenhagen.

- 2013: Eine Studie von Richard Heede, die in der Zeitschrift Climatic Change
veröffentlicht wurde, zeigt, dass 90 Unternehmen für die Produktion von zwei
Dritteln des CO2 verantwortlich sind, der seit Beginn des Industriezeitalters in
die Atmosphäre gelangt ist.

- 2016: Nach Kritik der Öffentlichkeit entfernt die API auf ihrer Website den
Satz, wonach der menschliche Beitrag zum Klimawandel «ungewiss» sei.

- 2017: Exxon, Chevron und BP spenden jeweils mindestens 500'000 US-Dollar,
damit die Amtseinführung des jetzigen US-Präsidenten Donald Trump möglich
wird.

- 2019: Opec-Generalsekretär Mohammed Barkindo sagt, dass Klimaaktivisten die
grösste Bedrohung für die Industrie sind. Weiter behauptet er, dass sie die
Öffentlichkeit mit unwissenschaftlichen Warnungen vor der globalen Erwärmung
irreführen.



Welche Konzerne besonders in der Verantwortung stehen

Die folgenden 20 Konzerne haben weltweit 35 Prozent zu allen energiebedingten
Kohlendioxid- und Methanemissionen beigetragen. Das entspricht seit dem Jahr
1965 480 Milliarden Tonnen Kohlendioxid.

Angaben in Milliarden Tonnen Kohlendioxid, 1965 - 2017:

Die grössten CO2-Schleudern

Saudi Aramvo 59,26
Chevron 43,35
Gazprom 43,23
ExxonMobil 41,90
National Iranian Oil Co 35,66
BP 34.02
Royal Dutch Shell 31,95
Coal India 23,12
Pemex 22,65
Petróleos de Venezuela 15,75
PetroChina 15,63
Peabody Energy 15,39
ConocoPhillips 15,23
Abu Dhabi National Oil Co 13,84
Kuwait Petroleum Corp 13,48
Iraq National Oil Co 12,60
Total SA 12,35
Sonatrach 12,30
BHP Billiton 9,80
Petrobras 8,68


WDR-Dokumentation:

Wie Energiekonzerne den Klimawandel vertuschen - Die geheimen Machenschaften der
Ölindustrie



<https://www.youtube.com/embed/W6p1jerlZ-g?start=1> Video:
https://www.youtube.com/embed/W6p1jerlZ-g?start=1
<https://www.youtube.com/embed/W6p1jerlZ-g?start=1>


Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=W6p1jerlZ-g
<https://www.youtube.com/watch?v=W6p1jerlZ-g>




Weiterführende Infosperber-Artikel zur Thematik:

Warum die Klimapolitik nicht hält, was sie verspricht

https://www.infosperber.ch/Artikel/Umwel...ie-Klimapolitik
<https://www.infosperber.ch/Artikel/Umwelt/Der-wachsende-Energiemarkt-durchkreuzt-die-Klimapolitik>



Quelle:
https://www.infosperber.ch/Artikel/Umwel...ern-und-Leugnen
<https://www.infosperber.ch/Artikel/Umwelt/Klimakrise-Ein-halbes-Jahrhundert-Zogern-und-Leugnen>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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