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#1

Wie Rotwein die Neuronen schützt

in Aus der Welt der Wissenschaft 11.05.2017 13:37
von franzpeter | 9.011 Beiträge

Alzheimer: Wie Rotwein die Neuronen schützt
Von Christiane Fux, Medizinredakteurin

Wein hält möglicherweise die Hirnzellen fit – in moderaten Mengen soll der alkoholische Traubensaft vor Demenz oder Parkinson schützen. Darauf weisen zumindest große Beobachtungsstudien hin. Nun zeigen erstmals Experimente, wie das konkret funktionieren könnte. Entscheiden ist dabei die Arbeit der Darmbakterien.

Es scheint paradox: Alkohol ist ein starkes Zellgift. Doch gleichzeitig wird einem leichten bis moderaten Konsum, insbesondere von Rotwein, immer wieder Schutzwirkung für Nerven und Gefäße attestiert.

Dabei liegt die Betonung allerdings auf moderat: Mehr als 250 Milliliter Wein am Tag sollten Männer nicht konsumieren, Frauen sogar nur halb so viel. Unbestritten bleibt nämlich, dass ein höherer Konsum die Gehirnleistung nachhaltig beschädigt und zudem das Risiko für verschieden Krebs-, Herz- und Kreislauferkrankungen erheblich steigert.
Verwandlung im Darm
Eine mögliche Erklärung für diesen Widerspruch haben nun Forscher um Adelaida Esteban-Fernández vom Instituto de Investigación en Ciencias de la Alimentación in Madrid gefunden. Sie haben dazu untersucht, zu welchen Stoffwechselprodukten der Rebensaft im menschlichen Darm abgebaut wird, und was diese sogenannten Metabolite bewirken.
Rotwein ist ein komplexes Produkt, das reich an verschiedenen sekundären Pflanzenstoffen ist – darunter sogenannte Polyphenole. Diese werden im menschlichen Darm von Mikroben zu verschiedenen Stoffen verarbeitet. Welche das sind, konnten die Forscher anhand von Kot und Urinproben bestimmen.

Vom Darm ins Blut
Dabei fanden die Wissenschaftler ein ganzes Arsenal unterschiedlicher Metabolite, unter anderem  auch Phenylessigsäure. Die Stoffwechselprodukte verbleiben nicht im Darm, sondern wandern auch in die Blutbahn. Die Forscher vermuten, dass von ihnen die neuroprotektive und gedächtnisfördernde Wirkung moderaten Weinkonsums ausgehen könnte.
Ebenfalls vom Darm ins Blut treten auch Aromastoffe, die im Wein enthalten sind, darunter Linalool und 1,8-Cineol. Von diesen weiß man, dass sie antioxidativ, antientzündlich und zudem antimikrobiell wirken.

Tödlicher Stress für Nervenzellen
In Zellkulturen testeten die Wissenschaftler die Wirkung der verschiednen Weinmetaboliten und Aromen auf menschliche Neuroblasten – das sind Vorläuferzellen, aus denen sich verschiedene Typen von Nervenzellen entwickeln können. Die Forscher versetzten dazu die Zellkulturen mit SIN-1. Dieses Protein wird in wissenschaftlichen Experimenten verwendet, um eine Schädigung und Absterben von Nervenzellen anzustoßen.

Weinmetaboliten hemmen den Zelltod
In Zellkulturen, die die Forscher mit Wein-Metaboliten oder Aromen versetzt hatten, überlebten weit mehr Neuroblasten als in solchen, die nicht entsprechend vorbehandelt worden waren. Genauere Analysen zeigten, dass die Weinabbauprodukte unter anderem in die Signalkaskade eingriffen, die den Untergang der Zellen in Gang setzte.
Besonders wirksam erwies sich dabei die 3,4-Dihydroxyphenylessigsäure (3,4-DHPA). Diese, so hatten frühere Studien gezeigt, ist beispielsweise in der Lage, bestimmte Proteine unschädlich zu machen, die unter anderem an der Entstehung von Parkinson beteiligt sind.
Wirksam erst dank Darmbakterien
Es ist also nicht der Alkohol im Wein, der die Nervenzellen schützen könnte, und es sind auch nicht die darin enthaltenden sekundären Pflanzenstoffe selbst. Wirksam scheinen vielmehr die Verdauungsprodukte, die entstehen, wenn Darmbakterien sie verstoffwechseln. Der Wein muss also erst einmal Magen und Darm passieren, damit er wirkt.
Studienleiterin Esteban-Fernández weist explizit darauf hin, dass die dabei entstehenden Komponenten von Mensch zu Mensch verschieden sind – und zwar abhängig von der Darmflora. „Unterschiede in unserm Darmmikrobiom generieren verschiedenen Metaboliten“, sagt die Forscherin. Das unterstreiche die Hypothese, dass verschiedene Menschen von Nahrungsmitteln in unterschiedlicher Weise profitierten. Dazu gehört auch Wein.

NetDoktor Newsletter vom 11.05.2017


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#2

Demenz: Cannabis verjüngt Mäusehirne

in Aus der Welt der Wissenschaft 11.05.2017 13:41
von franzpeter | 9.011 Beiträge

09.05.17
Demenz: Cannabis verjüngt Mäusehirne
Von Christiane Fux, Medizinredakteurin


Im Alter lässt das Gedächtnis merklich nach. Umkehren lässt sich dieser Prozess bisher nicht. Nun hat niedrig dosiertes Cannabis genau das bei Mäusen bewirkt: Sie waren geistig wieder genauso fit wie deutlich jüngere Artgenossen.


Cannabis steht eigentlich im Ruf, die Denkleistung eher zu vernebeln als zu fördern. Tatsächlich scheinen zumindest Teenagerhirne sensibel auf die Droge zu reagieren – sie könnte ihre Hirnentwicklung stören, mutmaßen Forscher.
Auf die Leistung älterer Gehirne könnte sich der Cannabiswirkstoff THC aber positiv auswirken, zeigen Experimente mit Mäusen. Dafür reicht eine so geringe Dosis, dass eine Rauschwirkung ausbleibt.

Fehlende Andockstellen im Gehirn
Zuvor hatte ein Forscherteam aus Bonn und Jerusalem festgestellt, dass das Gehirn von Mäusen viel schneller altert, wenn ihnen bestimmte Rezeptoren fehlen. An diese sogenannten Cannabinoid 1 (CB1) Rezeptoren docken bestimme körpereigene Cannabinoide an, um spezielle Reaktionen anzustoßen.
Aber auch THC kann sich anlagern – drauf basiert die berauschende Wirkung der Droge. Mit steigendem Alter verringert sich die Menge der im Gehirn natürlich gebildeten Cannabinoide“, sagt Prof. Zimmer. „Wenn die Aktivität des Cannabinoid-Systems abnimmt, dann finden wir ein rasches Altern des Gehirns.“

Schnell alternde Mäuse
Mäuse haben von Natur aus eine relativ kurze Lebenszeit. Bereits im Alter von zwölf Monaten lässt ihre Denkleistung merkbar nach. Die Forscher verabreichten den Nagern im Alter von zwei, zwölf oder 18 Monaten über einen Zeitraum von vier Wochen eine geringe Menge an THC.

Anschließend testeten sie das Lernvermögen und die Gedächtnisleistungen der Tiere – darunter zum Beispiel das Orientierungsvermögen und das Wiedererkennen von Artgenossen. Mäuse, die nur ein wirkstofffreies Placebo verabreicht bekamen, zeigten die typischen altersabhängigen Lern- und Gedächtnisverluste.

Fit wie Jungtiere
Die geistigen Fähigkeiten der mit Cannabis behandelten Tiere waren hingegen genauso gut wie die von zwei Monate alten Kontrolltieren – auch wenn ihre geistigen Kräfte zuvor bereits nachgelassen hatten. „Die Behandlung kehrte den Leistungsverlust der alten Tiere wieder komplett um“, berichtete Prof. Andreas Zimmer vom Institut für Molekulare Psychiatrie der Universität Bonn.
Mehr Nervenverknüpfungen im Gehirn
Um die THC-Wirkung im Hirn älterer Mäuse nachvollziehen zu können, untersuchten die Forscher Hirnproben der behandelten Mäuse. Tatsächlich entsprach die Aktivität der Gene nicht mehr der von alten Tieren, sondern war vielmehr der bei jungen Tieren sehr ähnlich.
Auch die Zahl der Verknüpfungen der Nervenzellen im Gehirn nahm wieder zu. Das ist eine wichtige Voraussetzung für das Lernvermögen. „Es sah so aus, als hätte die THC-Behandlung die molekulare Uhr wieder zurückgesetzt“, sagt Zimmer.


NetDoktor Newsletter vom 11.05.2017


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#3

RE: Demenz: Cannabis verjüngt Mäusehirne

in Aus der Welt der Wissenschaft 12.05.2017 16:32
von franzpeter | 9.011 Beiträge

Alternsforschung
Cannabis verjüngt alte Gehirne
Der Cannabis-Wirkstoff THC verbessert die Gedächtnisleistung alternder Mäuse, berichten Bonner Forscher.

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Verjüngungsjoint. In Israel wird Cannabis bereits im Altersheim getestet.Foto: picture alliance / dpa

Geringe Mengen des Cannabis-Wirkstoffes verbessern nach Forscherangaben die nachlassende Gehirnleistung alter Mäuse. Untersuchungen hätten gezeigt, dass der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) den Alterungsprozess des Gehirns von Mäusen verändert, berichten Forscher der Universität Bonn im Fachblatt „Nature Medicine“.
In einer klinischen Studie will das Team um den Neurowissenschaftler Andreas Zimmer noch in diesem Jahr untersuchen, ob THC auch die Gehirnfunktion älterer Menschen mit einer beginnenden Alzheimer-Demenz oder einer milden Altersdemenz normalisieren kann. Was die Wirkung medizinischen Marihuanas betreffe, funktioniere „praktisch alles, was in der Maus funktioniert, auch im Menschen“, sagt Zimmer. „Von daher bin ich vorsichtig optimistisch, dass die Ergebnisse vielleicht übertragbar sind.“
Hormonsystem schwächelt im Alter
Cannabis wirkt auf Nervenzellen im Gehirn, das Endocannabinoidsystem. „Die Aktivität des Systems nimmt bei alternden Tieren ab und geht einher mit typischen Alterungssymptomen, wie Osteoporose, runzeliger Haut und abnehmender Kognitionsleistung“, sagt Zimmer. Um zu klären, ob sich die nachlassende Aktivität des Systems im Alter durch die Stimulation mit einem Cannabis-Wirkstoff umkehren lässt, gaben sie alten Mäusen THC. „Auf einmal verhalten sich die alten Tiere wie die jungen. Wir können ein Tier, das eineinhalb Jahre alt ist, nicht mehr unterscheiden von einer jungen Maus“, sagt Zimmer. Die Lern- und Gedächtnisleistung sei deutlich besser als die von unbehandelten alten Tieren.
Dass die Ergebnisse womöglich auch auf den Menschen übertragbar sind, dazu gebe es Hinweise aus Israel, sagt Zimmer: Dort hatten Bewohner eines Altersheims Cannabis gegen Appetitlosigkeit und Schlafstörungen bekommen – und zeigten sich daraufhin auch geistig reger. (dpa)

Quelle: Tagesspiegel


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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